Ferdinand Tiggemann zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt

Der ehemalige Chef des BLB.NRW Ferdinand Tiggemann, hier auf einem etwas älteren Bild, wurde heute verurteilt und verhaftet.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Thorsten Karl

Der frühere Geschäftsführer der Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW (BLB.NRW), Ferdinand Tiggemann, ist heute vom Landgericht Düsseldorf zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Tiggemann wurde noch im Gerichtssaal verhaftet.

Das Urteil erging wegen Bestechlichkeit jeweils in Tateinheit mit Untreue in zwei Fällen, davon in einem Fall in Tateinheit mit Beihilfe zur Steuerhinterziehung, sowie wegen versuchten Betrugs in Tateinheit mit Verletzung von Dienstgeheimnissen.

Wie Dr. Elisabeth Stöve, die Vorsitzende Richterin am Landgericht Düsseldorf mitteilt, sei das Gericht aufgrund der an 43 Tagen durchgeführten Hauptverhandlung mit umfangreicher Beweisaufnahme davon überzeugt, dass Tiggemann im Rahmen eines jahrelangen "Geschäftssystems" dem ehemaligen Makler G. vorab interne Informationen über Bauprojekte des BLB.NRW zukommen ließ. Tiggemann habe "durch Ausnutzung seiner beruflichen Position" die Preise für Bauprojekte "systematisch mittels Strohleuten zum Nachteil der öffentlichen Hand in die Höhe" getrieben. An den Aufschlägen bereicherte er sich persönlich. Zudem habe Tiggemann gegenüber seinen Mitarbeitern den Kontakt zu "dem vorbestraften und im Markt ,verbrannten' Makler G u.a. durch die Verwendung von Aliasnamen in Spesenquittungen" verschleiert.

Rund 6 Mio. Euro Schaden

Der dadurch entstandene Schaden bei den BLB-Projekten Justizzentrum Werdener Straße und Schlösser Areal in Düsseldorf beziffert das Gericht auf rund 6 Mio. Euro. Ein weiterer versuchter Betrug scheiterte: Hier sollte ein Bonner Investor eine "Abstandszahlung" von 1 Mio. Euro zahlen, damit eine andere - tatsächlich nicht existierende - Investorengruppe für das ehemalige Landesbehördenhaus in Bonn nicht mitbiete.

Tiggemann habe durch seine strafbaren Handlungen einen persönlichen finanziellen Vorteil von mindestens 178.000 Euro erlangt. An den mittlerweile verstorbenen Makler G. flossen alleine im Jahr 2004 über 900.000 Euro.

Zwei weitere ursprünglich angeklagte Komplexe - das Polizeipräsidium Köln-Kalk und das Schloss Kellenberg - hatte die Kammer zuvor eingestellt, da die Strafen in Hinblick auf die übrigen zu erwartenden Strafen "nicht beträchlich ins Gewicht fielen". Wie die Rheinische Post meldet, gingen die Richter in ihrem Urteil sogar über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß von sechs Jahren hinaus.

Wegen Fluchtgefahr wurde gegen Tiggemann Haftbefehl erlassen, der nach der Urteilsbegründung noch im Gerichtssaal vollstreckt wurde. Die Fluchtgefahr begründet das Gericht wegen der Höhe der verhängten Freiheitsstrafe sowie weiterer Ermittlungsverfahren und wegen zu erwartender Klagen seines Dienstherrn.

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