Anleihen und regulierte AIF buhlen um Anlegergeld

Nach einer Erhebung von Scope Analysis wurden im vergangenen Jahr nur 24 regulierte geschlossene Publikums-AIF aufgelegt, aber immerhin 65 Vermögensanlagen wie Nachrangdarlehen, Genussrechte und Namensschuldverschreibungen ausgegeben. Das entsprach einem nummerischen Zuwachs bei den Vermögensanlagen gegenüber 2015 von 50%. Acht der 65 betrafen Immobilieninvestments. Aus der Sicht von Scope Analysis untermauert das Plus bei den kaum regulierten Vermögensanlagen, dass es weiterhin einen grauen Kapitalmarkt gebe.

Die im vergangenen Jahr emittierten Vermögensanlagen haben zum Ziel, gut 900 Mio. Euro Anlegergeld einzusammeln (davon 287 Mio. Euro im Bereich Immobilien; der Rest entfällt auf Spezialitäten (u.a. Container, Wälder), Erneuerbare Energien und Schiffe). "Damit liegen sie auf Augenhöhe mit dem prospektierten Eigenkapitalvolumen der geschlossenen Publikums-AIF", schreibt Scope. Allerdings widersprechen die Analysten der simplen Einschätzung, Produktemittenten wichen vor dem Hintergrund des im Sommer 2013 in Kraft getretenen Kapitalanlagegesetzbuchs auf weniger regulierte Anlageformen wie Anleihen aus. Vielmehr seien die Zuwächse auf das Kleinanlegerschutzgesetz vom Juli 2015 zurückzuführen. Erst dadurch seien Anlagegattungen wie Nachrangdarlehen "überhaupt erst in den Geltungsbereich des Vermögensanlagengesetzes gestellt" worden. Vorher seien sie nicht als Vermögensanlage eingestuft und folglich nicht statistisch erfasst worden.

Zwei Drittel der 2016 emittierten Vermögensanlagen machen ihre Anleger quasi zu Fremdkapitalgebern, meist zu solchen im Nachrang. Scope bewertet diese Stellung nicht per se negativ, zumal die Ansprüche von Anlegern auch bei regulierten AIF hinter die der Fremdkapitalgeber zurückträten.

Scope erwartet starke Zuwächse beim Immobilien-Crowdinvesting

Im laufenden Jahr rechnet Scope mit einem Neuangebot von Vermögensanlagen etwa auf dem Niveau von 2016. Mehr könnte es werden, wenn vermehrt Crowdinvesting-Projekte auf den Markt kämen, die jeweils mehr als 2,5 Mio. Euro groß sind. Ab dieser Schwelle unterliegen sie der Prospektpflicht und werden entsprechend erfasst. Scope erwartet in diesem Jahr insbesondere bei Immobilien-Crowdinvesting-Projekten starke Zuwächse.

Auf längere Sicht aber rechnen die Analysten damit, dass der Trend zu den regulierten AIF gehen wird. Der Grund: Das höhere Transparenz- und Schutzniveau des Kapitalanlagegesetzbuchs werde sich durchsetzen.

Zurück zur Startseite