Debatte über Auflagen für Immokredite

Um eine Immobilienblase zu verhindern will die Bundesregierung die Kreditvergabe einschränken.
Quelle: Pixabay, Urheber: tschoenemeyer

Da sind sich Immobilienbranche, Banken und Verbraucherverbände mal einig: Die von der Bundesregierung geplanten weiteren Einschränkungen bei der Vergabe privater Immobilienkredite sind eigentlich überflüssig.

Schuldenobergrenze, Mindesttilgung – mit solchen auf private Immobilienfinanzierungen abgestellte Instrumente soll die Finanzaufsicht BaFin künftig einer möglichen Blase am Immobilienmarkt vorbeugen können. Zumindest, wenn es nach der Bundesregierung geht. Sie hat dazu einen Gesetzentwurf vorgelegt. Dieser beschäftigt nun den Bundestag. Zu einer Anhörung des Finanzausschusses am Montag hagelte es seitens diverser Verbände Kritik an die Regulierungsidee.

"Keine Dringlichkeit für zusätzliche Instrumente", fasste der ZIA in seiner Stellungnahmen kurz und bündig die Meinung der Immobilienwirtschaft zusammen. ZIA-Geschäftsführer Stephan Rabe bescheinigt dem Gesetzentwurf erhebliches Verbesserungspotenzial. Zusammen mit den in der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) organisierten Bankenverbänden bemängelt er vor allem, dass der Gesetzentwurf Eigenheiten des deutschen Immobilienmarkts ignoriere.

Deutsche Verbraucher finanzieren solide

Dazu zählen die Verbände insbesondere dessen Stabilität: In Deutschland seien z.B. – anders als in Portugal, Spanien, oder Irland – langfristige Darlehen mit festen Zinsen üblich, steigende Zinsen belasteten die Kreditnehmer deshalb nicht unmittelbar. Außerdem lebten nur 44% der Haushalte in der eigenen Immobilie. "Andere Länder, die in der Vergangenheit mit Krisen am Immobilienmarkt zu kämpfen hatten, weisen eine Quote von mehr als 70% auf", stellt die DK fest. Die niedrige deutsche Eigentumsquote reduziere aber bereits systemische Risiken, weil das Platzen einer Immobilienblase weniger Menschen treffe.

Gefahr für Wohnungsbau

Außerdem verringere zusätzlich die 2016 eingeführte Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) die Blasengefahr. Denn die WIKR verpflichte Banken schon zur sorgfältigen Prüfung privater Baudarlehen, argumentieren die Finanzierer. Der ZIA setzt eins drauf. Er glaubt, der Plan der Bundesregierung könne die Finanzierer noch stärker verunsichern als die umstrittenen WIKR-Vorgaben, zu restriktiveren Kreditzusagen führen und somit am Ende das Schaffen bezahlbarer Wohnungen ausbremsen. Angst, dass Verbraucher bei Darlehen leer ausgehen, treibt die Verbraucherzentralen um: Sie nennen die der BaFin zudachten Kontrollbefugnisse "gefährlich".

An der WIKR sind übrigens Änderungen vorgesehen. Diese sollen im Paket mit dem Gesetz über die Kontrollinstrumente verabschiedet werden.

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