Colliers: Der globale Immobilienboom geht auch 2017 weiter

2017 wird nach Einschätzung von Colliers International weltweit ähnlich viel Geld in Immobilien investiert wie 2016. Vom Ende des Zyklus also keine Spur.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Bernhard Bomke

Trotz Brexit, Donald Trump und einer Fülle anderer politischer Unsicherheiten rechnet Colliers International damit, dass auf den Immobilientransaktionsmärkten der Welt 2017 ähnlich viel los sein wird wie im Boomjahr 2016. Nicht mal London müsse einen großen Einbruch befürchten. Ganz im Gegenteil: Die Hauptstadt der Briten sehen die Marktforscher auch in Zukunft als höchst populär für Investoren, weil die Stadt unverändert viele Arbeitskräfte aus aller Herren Länder anziehe. Dagegen werde Frankfurt kaum etwas davon haben, dass früher oder später der Brexit komme.

Briten wetten auch dann immer weiter, wenn sie mal heftig daneben gelegen haben. Walter Boettcherist so einer. Der Chief Economist von Colliers International hatte sich zwar vor einem Jahr kollossal geirrt, als er auf der Immobilienmesse Mipim in Cannes voraussagte, mehr als 70% der Briten würden gegen den Brexit stimmen. Doch er traute sich auch am heutigen ersten Tag der Mipim 2017, eine Prognose zu wagen. Sie lautet: Viel wichtiger für die weitere politische und wirtschaftliche Entwicklung Europas als die Präsidentschaftswahl in Frankreich, die Bundestagswahl in Deutschland und die morgen stattfindende Parlamentswahl in den Niederlanden sei der G20-Gipfel am 7. Juli 2017 in Hamburg. Wenn US-Präsident Donald Trump dort auftauche, müssten die Europäer wissen, was sie wollen. Das sei entscheidend für die Zukunft des Kontinents. Ob Trump in einem Jahr noch im Amt ist, wenn die 29. Mipim veranstaltet wird, darauf mochte sich Boettcher heute nicht festlegen.

Globale Fonds vertrauen auf Sicherheit in den USA und in Europa

Doch Trump hin, Brexit her: Den etablierten europäischen Gewerbeimmobilienmärkten bescheinigt Colliers sehr ordentliche Aussichten. Die weltweite Babyboomergeneration überschwemme die globalen Pensionsfonds unverändert mit vielen zig Milliarden. Schon jetzt hielten die globalen Fonds weltweit Immobilien für 55 Billionen Euro. Rund 10% ihres Vermögens stecke mittlerweile in Immobilien. Jedes Jahr kämen etwa 175 Mrd. Euro hinzu. Neben den USA gelte Europa inklusive dem Königreich der in Europafragen renitenten Briten als attraktiver, weil vergleichweise sicherer Ort für Immobilieninvestments.

In Europa interessierten sich die Investoren immer weniger für Büroinvestments. Ihr Anteil an neu getätigten Anlagen belief sich 2016 nur auf gut 40%. 2015 waren es noch 47%. Auch das Interesse an Einzelhandelsimmobilien lasse etwas nach. Im Gegenzug werde deutlich mehr Geld in Wohnungen investiert. Das Interesse an Investments in Projektentwicklungen habe im vergangenen Jahr merklich nachgelassen. Boettchers Kollege Damian Harrington, Head of Research Europa, Afrika und Nahost, erwartet jedoch schon bald wieder zunehmende Bereitschaft der großen Investoren, in Developments mit ihren immanenten erhöhten Risiken anzulegen.

Brexit kostet London nur 10.000 Jobs, sagt Colliers

Dass selbst Großbritannien für Investoren weiterhin attraktiv bleibt, führt Boettcher unter anderem darauf zurück, dass die Insel eine ganz günstige Bevölkerungsprognose hat. Bis 2030 werde die Bevölkerungszahl um 8% zunehmen, diejenige der arbeitenden Bevölkerung immerhin noch um 2%. Insbesondere London werde auch langfristig davon profitieren, dass es Jobsuchende anziehe. Daraus folge Nachfrage nach Flächen diverser Nutzungsarten. So etwas ist gut für Immobilienleute. Durch den Brexit würden vielleicht 10.000 Jobs verloren gehen. Mehr nicht. Marktrelevant sei das nicht wirklich.

Nur Paris kommt bei den Businessleuten von Colliers hinsichtlich Zukunftsträchtigkeit noch etwas besser weg als die Metropole an der Themse. In der französischen Hauptstadt sei auf Sicht der größte Zustrom gut ausgebildeter jüngerer Leute zu erwarten - mit der Folge, dass viel zusätzliche Bürofläche gebraucht werde. Hinter Paris führen die Colliers-Researcher in dieser Kategorie Madrid und Barcelona auf den Plätzen zwei und drei. Frankfurt landet hier ganz am Ende. Die Mainmetropole ist demnach weder Talentschmiede noch Magnet für Talente.

Trump-Effekt treibt Transaktionsgeschäft in den USA an

Noch ein Blick in die USA des Donald Trump. Dort erwartet Boettcher nach einem rein zyklisch bedingten Rückgang des Transaktionsgeschäfts seit 2015 nun wieder anziehende Umsätze. Das könne jedoch womöglich nur ein Strohfeuer sein. Richard Divall, Head of Capital Markets in Europa, Afrika und Nahost, sekundiert: „Wir erwarten, dass die globalen Investoren mehr Geld in den USA investieren werden, aber in Europa werden sie nicht weniger anlegen.“ Nur innerhalb Europas könne es zu Verschiebungen kommen. Der Kontinent bekomme etwas mehr ab, Großbritannien etwas weniger. Divalls Begründung für die Umverteilung: „In Großbritannien sind Finanzierungen doppelt so teuer wie zum Beispiel in Deutschland.“

Zurück zur Startseite