Scope: Markt für Publikums-AIF stagniert

Nach Berechnung der Ratingagentur Scope haben Privatanleger im Jahr 2016 1,36 Mrd. Euro Eigenkapital in geschlossene Publikums-AIF gesteckt, weitere 0,36 Mrd. Euro in alternative Vermögensanlagen. Die gute Nachricht: Immobilien haben sich als dominierende Assetklasse gehalten. Die nicht so gute Nachricht: Der Markt stagniert.

"Konsolidierungsphase" nennt Scope-Expertin Sonja Knorr die aktuelle Lage am Markt der Beteiligungsmodelle für Immobilien, Energie, Flugzeuge, Schiffe und Private Equity. Anstatt dass die neue, strengere Regulierung dieser Produkte das Anlegerinteresse befeuert hätte, kämpfen die Vertriebe nach wie vor mit Vorbehalten. "Der Rückzug vieler Großbanken aus dem Geschäft macht sich bemerkbar", sagt Knorr. Immerhin: Wenn schon nicht mehr Fonds verkauft wurden, so verkauften die, die es gab, sich deutlich schneller als im Vorjahr. "Die Hälfte des 2016 emittierten Eigenkapitals konnte noch im gleichen Jahr platziert werden", bilanziert Knorr.

Die Erhebung zum Fondsmarkt sieht Scope als repräsentativ an. Untersucht wurden 26 geschlossene Publikums-AIF und 52 Vermögensanlagen (dazu zählen z.B. Crowdinvesting, Genussrechte, Nachrangdarlehen). Bei den AIF entfiel 64% des Eigenkapitals, also 875,7 Mio. Euro, auf Immobilien.

Deutschland und Wohnen vorn

Innerhalb dieser Gruppe wiederum floss bei weitem das meiste Geld in deutsche Objekte (69%). Dass die USA die zweitstärkste Anlageregion waren, ist das Verdienst des Fonds Jamestown 30. Der verkaufte sich seit dem Vertriebsstart im Oktober des vergangenen Jahres wie geschnitten Brot. Anleger unterschrieben bis Ende 2016 Zeichnungsscheine, die sich auf 184 Mio. Euro summierten. Jamestown stand damit im vergangenen Jahr für 14% des gesamten in Publikums-AIF 2016 vertriebenen Kapitals. Damit war Jamestown gleichzeitig der volumenstärkste Fondsinitiator. Zweitstärkster Anbieter von Immobilienpublikums-AIF war WealthCap mit 156 Mio. Euro.

Bei den Nutzungsklassen wiederum dominierte das Wohnsegment mit 36% des Immobilienfondseigenkapitals. Weitere 27% gingen in Handelsobjekte, nur knapp jeder vierte Euro blieb für Büros. Außerdem bevorzugten die Anleger "risikogemischte" Fonds. Diese investieren in mehrere Objekte, werden allerdings meist als Blindpools aufgesetzt: 84% der risikogemischten Fonds, die 2016 verkauft wurden, hatten zu Beginn noch keine vollständige Liste der Investitionsobjekte.

Für 2017 rechnet Scope mit etwas mehr AIF-Produkten, jedoch zugleich etwas kleineren Fondsgrößen. Daher dürfte die Knorrsche Konsolidierungsphase weiter andauern.

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