Streit um Berliner Dragoner-Areal scheint beigelegt

Egal wer die Schlacht um das Dragoner-Areal gewinnt: Die Tage der kleinen Schrauber sind gezählt.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Gerda Gericke

Das Land Berlin bekommt das Dragoner-Areal nach jahrelangem erbitterten Streit zwischen Bund und Land dem Vernehmen nach jetzt kostenlos übereignet. Dieser Deal um das letzte große Baugrundstück im Berliner Stadtteil Kreuzberg ist Bestandteil des Hauptstadtvertrags, den Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäubel (CDU) in gut zwei Wochen unterschreiben wollen.

Der Vertrag umfasst ein Volumen von rund 2 Mrd. Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren. "Das heißt, dass damit jährlich mehr als 50 Mio. Euro mehr in Berlin ankommen als bisher", sagte Müller dem Rundfunk Berlin Brandenburg rbb gestern Abend.

Ursprünglich wollte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das 4,7 ha große Areal zwischen Mehringdamm, Yorckstraße und Obentrautstraße zum Höchstgebot von 36 Mio. Euro an die in Wien ansässige Gesellschaft Dragonerhöfe, hinter der als Hauptinvestor die Unternehmensgruppe von Werner Emb steckt, verkaufen. Doch der Deal platzte. Zweimal fiel das Geschäft im Bundesrat durch.

Die Ländervertreter um Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) wollen die denkmalgeschützten langgezogenen Reitställe des 1. Garde-Dragoner-Regiments Königin Victoria von Großbritannien und Irland für den Wohnungsbau nutzen. Mitgeboten hatte u.a. auch Berlins größte kommunale Wohnungsgesellschaft degewo. Doch deren Chef, Christoph Beck, stieg aus, als der Preis über 18 Mio. Euro kletterte. Ob der österreichische Investor auf Schadenersatz klagen will, ist unklar.

Bis zu 400 Sozialwohnungen

Auf dem Gelände hinter dem Finanzamt Kreuzberg will Berlin nach dem erfolgten Durchbruch bis zu 800 Wohnungen errichten, die Hälfte davon als Sozialwohnungen. Außerdem sollen Gewerbeeinheiten und Kultureinrichtungen entstehen. Die jetzt wohl unterlegene Unternehmensgruppe wollte in erster Linie Gewerbe ansiedeln, angereichert durch Kunst und einige Mietwohnungen.

Im Sommer 2016 hatte Berlins Senat das Gelände für zehn Jahre zum Sanierungsgebiet erklärt. Damit besteht die Auflage, in dem Gebiet mindestens die Hälfte aller geplanten Wohnungen als Sozialwohnungen zu Mieten von 6,50 Euro/qm zu erklären. Hinzu kommt: Die Grundstückspreise sind eingefroren. Spätere Verkäufe der Areale zu höheren Preisen hat Ausgleichsbeiträge zugunsten der Landeskasse zur Folge. Hinzu kommt, dass Grundstückseigentümer verpflichtet sind mitzuarbeiten. Sie müssen Baupläne und Kalkulationen offenlegen.

Doch auch nach Müllers Verhandlungserfolg sind die Tage all der vielen kleinen Schrauber und Kleinstgewerbetreibenden, die zwischen den alten Backsteinbauten und einer Unzahl hässlicher Schuppen und Zweckbauten ihr Auskommen finden, gezählt.

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