WIKR-Regeln werden weiter aufgeweicht

Die strengen Regeln für die Baukreditvergabe will die Regierung nochmals aufweichen.
Quelle: Pixabay, Urheber: paulbr75

Die Novelle der in deutsches Recht umgesetzten europäischen Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) ist noch nicht einmal vollendet, da bastelt die Politik wieder an Änderungen. Die Hürden für Anschlussfinanzierungen und Umschuldungen sollen gesenkt werden.

Im Kern geht es um die Bonitätsprüfung. Diese gehört laut strikter Auslegung der WIKR zur Bankenpflicht, sobald Eigenheimbesitzer ihr Darlehen am Ende der Laufzeit nicht komplett getilgt haben und deshalb einen neuen Kreditvertrag brauchen. Eine zu strenge Prüfung könnte den Abschluss eines solchen Vertrags verhindern. Diesen Befürchtungen will das zuständige Bundesjustizministerium den Wind aus den Segeln nehmen.

Schutz für das Dach über dem Kopf

Es gelte zu verhindern, dass ein Darlehensnehmer "in Gefahr gerät, sein Eigentum zu verlieren". Eigentümer sollten davor geschützt werden, "in privat schwierigen Situationen ihr Zuhause zu verlieren", erläuterte Staatssekretär Gerd Billen. Deshalb sollen Finanzierer künftig bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit Wechselfälle des Lebens berücksichtigen. Wohlwollend versteht sich: Scheidung, Familienzuwachs, geringeres Einkommen, steigende Nebenkosten für die Immobilie.

Für Umschuldungen strebt das Ministerium ebenfalls Erleichterungen an. Banken sollen "nicht durch zu strenge Vorschriften daran gehindert werden", finanziell klammen Darlehensnehmern entgegenzukommen, heißt es zur Begründung aus Berlin.

Wünsche der Finanzierer erfüllt

Für die Aufweichung der WIKR-Vorgaben hat das Ministerium die Erlaubnis der EU-Kommission eingeholt. Brüssel habe "Gestaltungsmöglichkeiten" aufgezeigt. Entlang dieser Leitlinien feilen Ministerium, Finanzierer und Verbraucherverbände nun an den Details zu Anschlussfinanzierungen. Auf diese entfällt etwa die Hälfte des Baufinanzierungsgeschäfts.

Die auf europäischer Ebene verfasste WIKR wurde im März 2016 in deutsches Recht umgesetzt. Die Regeln sollen private Bauherren vor Überschuldung bewahren. Die Kreditwirtschaft beklagte schon bald nach Inkrafttreten der WIKR massive Einbrüche bei der Kreditvergabe. Dafür machten die Finanzierer die strengen, in Teilen aber auch unscharf formulierten Vorgaben verantwortlich.

Auf Druck der Kreditwirtschaft wurden die Regeln Anfang April 2017 erstmals refomiert. Unter anderem dürfen Wertsteigerungen infolge von Umbau und Renovierung wieder berücksichtigt werden. Mit der geplanten lockereren Handhabung von Anschlussfinanzierungen und einem Leitfaden zur generellen Bonitätsprüfung wären alle wesentlichen Punkte auf der Banken-Wunschliste abgearbeitet.

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