"Auch in 15 Jahren werden noch Textilkaufhäuser existieren"

SinnLeffers in Lüdenscheid.

Nach der Entlassung aus der Insolvenz will das Textilkaufhaus SinnLeffers vom kommenden Jahr an wieder neue Filialen eröffnen. "In vielen größeren Sädten werden auch in 15 Jahren noch Textilkaufhäuser existieren", sagt Geschäftsführer Friedrich Wilhelm Göbel. Mietverträge wurden u.a. in Mainz, im Centro Oberhausen und in Jena verlängert.

Beim Textilkaufhaus SinnLeffers herrscht nach rund zehnmonatiger Insolvenz wieder Aufbruchstimmung. "Wir wollen ab 2018 grundsätzlich um ein bis zwei Filialen wachsen", sagt Geschäftsführer Friedrich Wilhelm Göbel der Immobilien Zeitung. Das Traditionsunternehmen will sich künftig als ein hochwertiger Modeanbieter in mittelgroßen Großstädten positionieren, in dessen Filialen auf 5.000 bis 6.000 qm Brutto-Verkaufsfläche mit guter Beratung Mode verschiedener Marken verkauft wird. Der 2014 geschlossene Onlineshop wird nicht reaktiviert. Das Internet will SinnLeffers künftig aber verstärkt für Marketing, Information und Service einsetzen. An der Rettung von SinnLeffers haben sich im großen Stil die Vermieter beteiligt.

Mietvertrag in Mainz bis 2018 verlängert

SinnLeffers hat zurzeit 20 Filialen. Zuletzt wurde z.B. der Mietvertrag in Mainz bis 2028 verlängert. Im kommenden Jahr soll hier im großen Stil umgebaut werden. "Im Moment läuft die Abstimmung mit dem Denkmalschutz", erklärt Göbel. Auch in Jena und im Centro Oberhausen, wo die Mietverträge ebenfalls verlängert wurden, will SinnLeffers investieren. In Münster, wo das Modehaus in der Vossgasse provisorisch auf einer deutlich zu kleinen Fläche arbeitet, läuft die Suche nach einem größeren Haus. Unklar ist die Lage in Koblenz, da der Vermieter dort möglicherweise eine Entwicklung der Liegenschaft in der Pfuhlgasse ohne SinnLeffers in die Wege leitet. Auch in Osnabrück befindet sich SinnLeffers in einer Warteposition. Das geplante Einkaufszentrum, an das sich die Firma vertraglich gebunden hat, hängt in der Luft. Den jetzigen Standort in der Johannisstraße bezeichnet Göbel als "langfristig nicht attraktiv".

"Die Vertikalisierung hat ihren Höhepunkt erreicht"

Die Schwanengesänge, die allenthalben auf das Textilkaufhaus angestimmt werden, hält Göbel für ungerechtfertigt. "Ich glaube nicht, dass das Geschäftsmodell Textilkaufhaus dem Ende entgegengeht. Die Vertikalisierung hat ihren Höhepunkt erreicht", sagte der Modeunternehmer. Als Vertikale gelten Handelsunternehmen, die keine klassischen Einzelhändler mehr sind, sondern den gesamten Wertschöpfungsprozess von der Produktion bis zum Verkauf an den Endkunden kontrollieren. Vertikale verkaufen in der Regel nur eigene Marken. Unternehmen wie Peek & Cloppenburg oder SinnLeffers, die Mode verschiedener Marken verkaufen, heißen in der Modebranche dagegen Multi-Label-Händler.

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