IW-Gutachten sieht Chancen für Fintechs bei Gewerbekrediten

Ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, das auf einer Befragung von zwölf Finanzexperten basiert, sieht für Fintechs und Onlineplattformen gute Geschäftschancen, wenn sich Immobilienfinanzierer dazu entscheiden, ihre Prozesse digitaler zu gestalten.

Noch sei die Notwendigkeit dazu bei vielen Banken nicht vorhanden, weil die Nachfrage nach Immobilien hoch ist und das „analoge“ Kreditgeschäft quasi wie von selbst läuft. „Die hohe Nachfrage nach Krediten in Kombination mit günstigeren Refinanzierungen überdeckt derzeit Kostennachteile und nimmt damit den Druck, sich langfristig besser aufzustellen“, heißt es im Gutachten. Wenn sich die Rahmenbedingungen eines Tages jedoch wieder verschlechtern, würden die Zinskonditionen wieder eine größere Rolle spielen. „Dann können Kostenvorteile in den Prozessen entscheidend sein.“

Dabei werde die Digitalisierung eine bedeutende Rolle spielen. „Banken, die neben günstigen Konditionen auch komfortable digitale Lösungen für ihre Kunden bieten, können sich von Wettbewerbern absetzen“, glauben die IW-Wissenschaftler und Studienautoren Michael Voigtländer und Barbara Engels. Das größere Potenzial sehen sie bei der gewerblichen Immobilienfinanzierung, weil gerade Unternehmen offen für unbürokratische Finanzierungen seien. Bei der privaten Immobilienfinanzierung gebe es stattdessen einige Marktbarrieren, die für Fintechs schwer zu überwinden seien, z.B. der sehr hohe Verbraucherschutz in Deutschland.

Voigtländer rechnet nicht damit, dass Fintechs alleine das Potenzial haben, Banken als Immobilienfinanzierer abzulösen. „Die neuen Angebote wirken nicht disruptiv. Sie werden die klassischen Anbieter nicht vollständig verdrängen.“

Die Grundlage für die Erkenntnisse des IW Köln sind Gespräche mit Experten aus Banken, Finanzdienstleistern, Fintechs und Lobbyisten. Die Gespräche fanden statt zwischen Mai und August 2017.

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