Was heißt das Jamaika-Aus für die Immobilienbranche?

Nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen wird Politik bis auf Weiteres womöglich mehr im Bundestag gemacht als von der Bundesregierung.
Quelle: imago.com, Urheber: Stefan Zeitz

Nach dem abrupt wirkenden Aus der Sondierungen von Union, FDP und Grünen für ein Jamaika-Bündnis auf Bundesebene werden in der Immobilienbranche Stimmen laut, die befürchten, wichtige Themen der Branche könnten nun nicht hinreichend schnell vorangebracht werden. Hierbei werden insbesondere Aspekte wie der Bau preisgünstiger Wohnungen genannt. Und mancher Makler fürchtet gar eine Zurückhaltung internationaler Investoren, die das Gefühl der Sicherheit mögen und in einem Deutschland mit nur geschäftsführender Regierung nicht hinreichend fänden.

ZIA-Präsident Andreas Mattner sagte heute: "Der Abbruch der Jamaika-Gespräche ist für die Branche kein gutes Zeichen. Wir brauchen stabile Verhältnisse, ein investitionsfreundliches Umfeld und im Sinne des bezahlbaren Wohnens und Bauens eine handlungsfähige Regierung." Eine "Zeit des Stillstands und der Unsicherheiten können wir uns nicht erlauben", fügte er hinzu.

Was wird nun aus dem Plan für 1,5 Mio. neue Wohnungen?

Ende vergangener Woche stellte sich die Immobilienwirtschaft noch darauf ein, es künftig mit einer Jamaika-Koalition zu tun zu bekommen, die Investitionen wie den Bau von 1,5 Mio. neuen Wohnungen in den nächsten vier Jahren zum Ziel hat. Dazu, so zeichnete sich ab, hätten Instrumente wie eine degressive AfA und womöglich auch ein Baukindergeld gehört. Auch der alte Ladenhüter einer steuerlichen Sonderabschreibung für die energetische Gebäudesanierung schien zum Greifen nah.

Doch jetzt wird in Berlin offenbar wieder alles zurück auf Null gestellt. Ganz gleich, ob FDP-Chef Christian Lindner womöglich gar keine Lust zum Regieren hatte oder ob es tatsächlich bis zum Schluss massive Differenzen zwischen den vier Verhandlungspartnern der vergangenen Wochen gab: Es scheint nun völlig unklar, was aus den für die Immobilienwirtschaft relevanten Themen wird. Dazu gehört etwa auch die Debatte um die Nichtbesteuerung von Share-Deals. Die ist zwar primär ein Fall für die 16 Bundesländer, doch galt eine neue Bundesregierung als möglicher Aktivposten bei den Überlegungen für eine Reform der Besteuerung von großvolumigen Immobilientransaktionen.

Halten sich internationale Investoren nun erst mal zurück?

Berater wie Andreas Ewald von Engel & Völkers Investment Consulting oder Antoinette Hiebeler-Hasner von Vistra fürchten gar, eine längere Hängepartie beim Bilden einer neuen Bundesregierung könnte zu weniger Entscheidungsfreude insbesondere bei internationalen Investoren führen. "Aus Sicht internationaler Immobilieninvestoren schafft die Situation Unsicherheit und kratzt an Deutschlands Image als politisch stabilem Investitionsstandort", gibt Hiebeler-Hasner zu bedenken.

Ewald spricht von einem möglichen Vertrauensverlust und der Gefahr von "Auswirkungen auf den Gewerbeimmobilienmarkt". Verzögerungen befürchtet er sowohl beim Abschluss von Mietverträgen als auch bei der Investition in Projektentwicklungen und Bestandsimmobilien. Die Verunsicherung wäre, so glaubt er seine Kundschaft zu kennen, "sowohl bei nationalen als auch internationalen Investoren zu spüren".

Zurück zur Startseite