Briten streichen Erstkäufern die Grunderwerbsteuer

In London wird Wohneigentum für immer mehr Briten unerschwinglich.
Qualle: Immobilien Zeitung, Urheber: Thomas Hilsheimer

Vergangenen Mittwoch verkündete der britische Schatzkanzler Philip Hammond eine Reform der Grunderwerbsteuer, die all jene, die zum ersten Mal Wohneigentum erwerben und dafür bis zu 300.000 GBP ausgeben, von der Steuer freistellt. Die Reaktionen aus der Immobilienbranche fielen überwiegend kühl aus - das Hauptproblem der unerschwinglichen Hauspreise werde dadurch nicht gelöst, hieß es.

Nicht nur in Deutschland, auch in Großbritannien wurde in den vergangenen Jahren ständig an der Grunderwerbsteuerschraube gedreht. Seit 2014 gelten die aktuellen Sätze. Bei einer Freigrenze von 125.000 GBP sind diese von 2% bis 12% gestaffelt, abhängig von der Gesamthöhe der Kaufsumme. Gleichzeitig zogen die Häuserpreise an, in London zahlen Ersterwerber heute im Durchschnitt 66% mehr als im Jahr 2012. Ein Durchschnittsverdiener muss in der Hauptstadt derzeit das 14,5fache seines Einkommens für den Hauskauf aufwenden.

Mit der seit 22. November geltenden Grunderwerbsteuerbefreiung ermögliche man jungen Menschen den Einstieg ins Wohneigentum und trage damit zu einer besseren Wohnungsversorgung bei, heißt es im Budgetplan des Schatzkanzlers. Auch teurere Häuserkäufe profitieren: Bei Kosten bis zu 500.000 GBP muss nur die Differenz zum Freibetrag von 300.000 GBP versteuert werden.

Mehr Geld, wenig Lob

Der Budgetplan enthält noch zahlreiche weitere Fördermaßnahmen für Grundstücksentwicklung, erschwinglichen Wohnungsbau sowie eine mit 204 Mio. GBP bezuschusste Ausbildungsoffensive für das Bauhandwerk. Außerdem wird eine Vereinfachung des Planungsrechts und eine Beschleunigung von Baumaßnahmen auf baureifen Grundstücken in Aussicht gestellt. All diese Maßnahmen wurden jedoch in der britischen Presse kaum kommentiert, nur das Grunderwerbsteuerthema schaffte es in die Schlagzeilen.

Glaubt man den Stimmen aus der lokalen Immobilienbranche, hat die Regierung damit ihr Ziel - Aufmerksamkeit in den Medien - erfüllt, nicht aber eine wirksame Lösung für die Knappheit an bezahlbarem Wohneigentum präsentiert. Seit Jahren verspreche die Regierung mehr Neubau, jedoch werde das Neubauziel von 300.000 Einheiten p.a. regelmäßig deutlich verfehlt. Steuererleichterungen wie die nun verkündete würden wohl lediglich die Angebotspreise der wenigen verfügbaren günstigen Wohnungen nochmals nach oben treiben.

Auch für die Ausbildungsoffensive am Bau findet der Vertreter eines Finanzierungsberaters vor dem Hintergrund des anstehenden Brexits sarkastische Worte: Die meisten Bauarbeiter in Großbritannien stammten bekanntlich aus anderen EU-Ländern; neben der besseren Bildung eigener Fachkräfte solle man doch bitte dafür Sorge tragen, dass diese Arbeiter auch in Zukunft in Großbritannien arbeiten wollten.

Lesen Sie mehr dazu in der kommenden Ausgabe der Immobilien Zeitung (IZ 48/17).

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