Darmstadt: Eine Schwarmstadt mit Wachstumsschmerzen

Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) setzt große Hoffnungen auf Konversionsflächen, um neuen Wohnraum zu schaffen.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Darmstadt wächst rasant, die Stadt kommt mit der Planung neuer Wohngebiete kaum hinterher. Der Masterplan 2030 soll es richten. Dabei spielt auch die Digitalisierung eine große Rolle, wie Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) auf einer Heuer-Veranstaltung ausführte.

"Schwarmstadt ist ein ziemlich unglückliches Bild", bemerkt Darmstadts Oberbürgermeister mit Blick auf die übliche Kategorisierung von Kommunen, die starken Zuzug aus der Region verzeichnen. Zur Erläuterung zitiert er seinen Amtskollegen aus Offenbach: "Schwärme gehen irgendwohin, fressen alles ab und ziehen weiter." Partsch stellt sich die Zukunft für seine Stadt anders vor: "Wir wollen nicht nur, dass viele junge Menschen zu uns kommen, sondern dass sie auch bleiben."

Dazu allerdings braucht es Wohnraum und der ist in Darmstadt notorisch knapp. Die Einwohnerzahl hat 2017 die Marke von 160.000 überschritten, bis 2035 könnten es nach den aktuellen Prognosen 184.000 sein. Bis zu 10.000 neue Wohnungen soll es bis 2020 geben, wie Baudezernentin Barbara Boczek (Die Grünen) erläutert. Doch das ist gar nicht so einfach: Im Norden gibt es Siedlungsbeschränkungen wegen des nahen Frankfurter Flughafens, im Süden viel Grün, das unter Naturschutz steht. In einem Masterplan 2030 erarbeitet die Stadt derzeit zusammen mit den Bürgern, wie sie wachsen kann und die Darmstädter in zehn Jahren wohnen, leben und arbeiten werden.

Große Hoffnung: Konversionsflächen

Neben den aktuellen Wohnprojekten am Marienplatz, über dessen Bebauung diese Woche im Magistrat entschieden wurde, setzt OB Partsch große Hoffnung auf Konversionsflächen. Vor allem die Starkenburgkaserne hat das Stadtoberhaupt im Auge. Trotz seiner grünen Ausrichtung ist Partsch klar, dass die Bundeswehr ihre Panzer irgendwo reparieren muss. "Aber muss das mitten in Deutschland sein?", fragt er sich. Derzeit gibt es Gespräche mit der Bundesregierung über eine mögliche Umnutzung des Geländes. Eine allzu schnelle Lösung sei aber nicht zu erwarten, bremst Boczek.

Was den Oberbürgermeister außerdem umtreibt, ist der Straßenverkehr, der mit jedem neuen Wohnprojekt zunimmt. Künftig, so ist sich Partsch sicher, kann der Verkehr nicht mehr im gleichen Maße mit dem Pkw abgewickelt werden wie bisher. Denn "sonst droht der Verkehrskollaps", fügt Boczek hinzu. Die Lösung könnte in intelligenten Konzepten liegen, die digitale Verkehrssteuerung mit universellen Apps verbinden, über die sich der Bürger immer das Verkehrsmittel suchen kann, das gerade am geeignetsten ist. Da trifft es sich gut, dass Darmstadt vergangenes Jahr den Titel der digitalen Modellstadt erhalten hat. Die Lösung für das Verkehrsproblem ist eines der damit verbundenen Zukunftsprojekte.

Mehr zu Darmstadts Digitalisierungsplänen lesen Sie in der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der Immobilien Zeitung (IZ 5/18) auf Seite 12.

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