Jagdfeld will seine Millionen zurück

Anno August Jagdfeld (rechts) will 1 Mrd. Euro Schadenersatz
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Der Prozess zwischen dem Adlon-Entwickler Anno August Jagdfeld und der Signal-Iduna-Versicherung geht vor dem Landgericht Dortmund in die zweite Runde. Der Unternehmer fordert eine satte Milliarde Euro wegen Absprache zum Rufmord, während die Versicherung betont, sich nie negativ zu Jagdfeld geäußert zu haben.

Im Vorfeld der Verhandlung, die am Dienstag im Saal 101 des Dortmunder Landgericht unter Vorsitz von Richter Willi Pawel ihren Lauf nahm, posaunte die Bild-Zeitung die Höhe von Jagdfelds Schadenersatzforderung in die Welt. Die Summe von 1 Mrd. Euro wäre ein Novum in der deutschen Justizgeschichte, selbst im Prozess der Kirch-Erben gegen die Deutsche Bank war diese Marke nicht gerissen worden.

Ein bei Gericht anwesender Sprecher Jagdfelds bestätigte die Forderungshöhe gegenüber der IZ. Die Signal Iduna hält dagegen: "In diesem Prozess wird nicht um eine Geldsumme gestritten", teilte der Versicherungskonzern mit. Stattdessen gehe es laut Signal Iduna darum, grundsätzlich zu klären, inwieweit Jagdfeld, der sowohl in eigener Sache als auch als Vertreter des Hotel Adlon Fundus-Fonds Nr. 31 vor Gericht erschienen war, überhaupt ein Anrecht auf Schadenersatz habe.

Die Versicherung bestreitet dieses Recht. Eine erstinstanzliche Klage hatte zu einem Vergleichsvorschlag von 20 Mio. Euro geführt, den die Signal Iduna jedoch ausgeschlagen hatte. Die Versicherung hält den Vorwurf der systematischen Rufschädigung gegenüber Jagdfeld für gegenstandslos, wie deren Rechtsanwalt Lutz Aderhold am Rande des Prozesses sagte: "Wir sind sicher, dass die Klage keinen Erfolg hat."

Formaler Beschluss der Gesellschafterversammlung fehlt

Der Verhandlungstag begann mit einem Dämpfer für die Seite des Klägers. Denn zumindest für die wertmäßig kleinere Schadenersatzklage des Fundus-Fonds Nr. 31 gegen die Signal Iduna hat es bisher keinen formalen Beschluss der Gesellschafterversammlung gegeben, wie Jagdfeld auf Nachfrage von Richter Pawel einräumen musste, auch wenn er sehr wohl die Zustimmung mehrerer einzelner Anleger in der Angelegenheit eingeholt habe. Seine persönliche Klage bleibt davon jedoch unberührt.

Nach Ansicht des vorsitzenden Richters handelt es sich bei der Schadenersatzklage des Fundus-Fonds um eine ungewöhnliche Geschäftsführungsmaßnahme. "Diese Klageerhebung braucht eventuell einen Beschluss der Gesellschafterversammlung", sagte Pawel, der sich auf ein entsprechendes Urteil des OLG Stuttgart aus dem Jahr 2009 bezog.

Der dort geschilderte Fall sei jedoch mit der Jagdfeld-Klage nicht vergleichbar, führten dessen Anwälte aus. Der vorsitzende Richter gab der Klägerseite nun Zeit bis zum 15. Februar, um diese Rechtsauffassung zu untermauern. "Ich weise Sie darauf hin, dass das ein enger Zeitrahmen ist", betonte Pawel. Denn die Tage bis dahin sind für die weitere mündliche Verhandlung vorgesehen.

Vergessene Telefonate und verlorene Akten

Als ersten Zeugen vernahm das Gericht den langjährigen Prokuristen und Bereichsleiter für Beteiligungen bei der Signal Iduna, den 63-jährigen Rechtsanwalt Klaus-Dietrich Schrepp. Dieser war fast 20 Jahre für die Versicherung tätig und seit 2001 für die Beteiligungen und damit auch für die Anteile am Adlon-Fonds verantwortlich. Am 31. Oktober 2017 war er in Pension gegangen.

Die Anwälte der Jagdfeld-Seite bemühten sich nach Kräften, die Glaubwürdigkeit des Zeugen zu erschüttern. So versuchten sie darzulegen, dass es gezielte Absprachen zwischen der Versicherung und dem mittlerweile verstorbenen Anlegeranwalt Thomas A. Fritsch gegeben haben müsse. Fritsch hatte unter anderem mehrere Anlegerrundschreiben an die Fundus-Investoren verfasst, deren Wortlaut von den Jagdfeld-Anwälten als Beleg für die erlittene Rufschädigung angesehen wird.

Schrepp hingegen betonte, dass er Fritsch kaum gekannt habe und "eher weniger als zehn Mal" mit ihm telefoniert habe. An einzelne Telefonate, die bis zu neun Jahre zurückliegen, oder gar deren Inhalte konnte sich Schrepp in den meisten Fällen jedoch nicht mehr erinnern. Insgesamt habe die Adlon-Angelegenheit im Hause Signal Iduna ohnehin eine vergleichsweise geringe Priorität gehabt. "Das war eine Beteiligung von 5 Mio. Euro bei einem gesamten Beteiligungsportfolio von 2,7 Mrd. Euro", führte Schrepp aus.

Was Fritsch im Einzelnen in seinen Schreiben formuliert habe, sei ihm nie zur Abstimmung vorgelegt worden, betonte Schrepp. Vieles sei nicht mehr nachvollziehbar, teilweise gebe es bei dessen Kanzlei erstaunlicherweise nicht mal mehr entsprechende Akten dazu. "Das ist in der Tat erstaunlich", bemerkte einer der Jagdfeld-Anwälte. Das Gericht wird dennoch zu klären haben, ob Jagdfeld ein Schadenersatz zusteht, fehlende Akten hin oder her.

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