Baukindergeld könnte Milliardengrab werden

Das IW glaubt an einen Ansturm auf Baukindergeld, allerdings vor allem dort, wo der Neubaubedarf eigentlich gering ist.
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Die größte Gefahr des von der Großen Koalition beschlossenen Baukindergelds ist, dass es vor allem in Landkreisen in Anspruch genommen wird, die einen eher geringen Baubedarf haben oder sogar schon Bauüberhang. Die Politik müsse zusätzlich dringend dafür sorgen, dass an den richtigen Stellen gebaut wird, empfiehlt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im Auftrag der Deutschen Reihenhaus. Sonst würden Milliardenbeträge fließen, ohne dass benötigter Wohnraum entstehe.

Das Risiko bestehe, weil Kommunen mit eher rückläufiger Bevölkerung gerne Bauland ausweisen und anbieten, um neue Bürger zu gewinnen, sagt das IW. Sehr häufig aber komme es da zu keinem wirklich Zuzug von außerhalb, sondern lediglich aus den Nachbarkommunen, weil in einem Neubau die Wohnwünsche besser zu realisieren sind als im Bestand. Ähnliche Erfahrungen wie mit der 2006 eingestellten Eigenheimzulage könnten sich wiederholen, Landschaften würden sinnlos zersiedelt. Wegen des Mangels an Bauland wird das Baukindergeld in den Ballungsräumen mit hohem Bedarf kaum einen Effekt erzielen, mahnt Michael Voigtländer vom IW Köln.

IW erwartet bis zu 580.000 Anträge

Dieses geht von Baukindergeldkosten bis 2021 (bei Einführung 2018) von mindestens 3,6 Mrd. Euro aus. 2015 betrug die Anzahl der Wohnimmobilienersterwerber in Deutschland 580.000 Haushalte mit 307.000 Kindern. Entsprechend rechnet das IW hoch. Das Baukindergeld beträgt 1.200 Euro pro Jahr und Kind auf zehn Jahre. Die Einkommensgrenze liegt bei einem Jahresnettoeinkommen von 75.000 Euro (zuzüglich 15.000 Euro pro Kind). Nach Erkenntnissen des IW lagen fast alle Ersterwerber 2015 unter dieser Grenze. Die Bundesregierung rechnet mit Baukindergeld-Kosten nach zehn Jahren in Höhe von 4 Mrd. Euro. Sie kalkuliert damit, dass 200.000 Familien mit rund 300.000 Kindern das geplante Baukindergeld in Anspruch nehmen.

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