HBB-Chef Ortner beklagt "Sahnelöffeln" von Baufirmen

Harald Ortner, Geschäftsführer von HBB
Urheber: kplus konzept studios

Harald Ortner, Geschäftsführer des Centerentwicklers HBB, beklagt die in den vergangenen zwölf Monaten stark gestiegenen Baukosten. Diese seien "in keinster Weise" durch höhere Kosten gerechtfertig. Den Bauunternehmen und Gewerken wirft er "Sahnelöffeln" vor. Ortner geht davon aus, dass wegen der Engpässe am Bau einige Projekte platzen werden.

Die Entwickler von Handelsimmobilien können ihre Projekte zwar zu Rekordpreisen verkaufen, haben aber wegen der boomenden Baukonjunktur Probleme, diese überhaupt fertigzustellen. "Die Stimmung ist gedämpft. Die Angebote von Baufirmen und Gewerken liegen 20% bis 25% über denen von vor einem Jahr", sagte Harald Ortner, Geschäftsführer der HBB Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft, beim Retailer Meeting in Soest. HBB ist nach ECE der zweitgrößte Entwickler von Einzelhandelsfläche in Deutschland.

Wie Ortner auf Nachfrage der Immobilien Zeitung (IZ) erklärt, beobachtet seine Firma den Anstieg der Baukosten intensiv seit 2012. "Wir bekommen heute Angebote, die um die Hälfte höher liegen als zu Beginn der Beobachtung." Seit zwölf Monaten zögen die Preise noch einmal deutlich an. "Diese Steigerungen sind in keinster Weise durch den Anstieg der Rohstoffkosten oder durch höhere Personalkosten gerechtfertigt, da die Bauunternehmen diese Kostenanstiege schon davor mit eingepreist hatten", sagt Ortner. "Insofern handelt es sich insbesondere bei den neuerlichen Erhöhungen um 'Sahnelöffeln' der Bauunternehmer und Gewerke. Hierbei ist inzwischen leider jedes Maß abhanden gekommen."

GU bekam trotz 50 Anfragen kein Angebot

Auf die Frage, ob die Preissteigerung mit einem Mangel an Kapazitäten zu tun habe oder eher damit, dass die Bauunternehmen von der guten Immobilienkonjunktur profitieren wollten, antwortet Ortner: "Es ist ein Mix von allem. Ein GU (Generalübernehmer) erzählte uns, dass er für ein Gewerk bei 50 angefragten Anbietern kein einziges Angebot bekommen hatte. Zum anderen wollen sich GUs angeblich durch die hohen Preise auch Puffer einbauen, falls noch nicht gebundene Gewerke zu höheren als den vom GU kalkulierten Preisen anbieten. Das gilt insbesondere für die gesamte TGA (technische Gebäudeausrüstung). Was keiner offiziell zugibt, aber so sein wird, ist, dass die GUs sich auch ein großes Stück vom Kuchen abschneiden wollen, da sie davon ausgeben, dass die höheren Faktoren es hergeben. Hier wird es zu Korrekturen kommen, da das geforderte Preisniveau einige Projekte platzen lassen wird." HBB gehe selbst davon aus, "aufgrund der jüngsten Angebote das ein oder andere Projekt gegebenenfalls neu ausschreiben zu müssen".

Kaufland und Ikea beklagen Baukosten

Die Baukosten werden von Vertretern der Handelsimmobilienbranche derzeit häufiger thematisiert. Jonas Lensing von der Immobilienentwicklung von Kaufland sagte auf dem Retailer Meeting: "Es ist schwierig, Bauunternehmen zu finden, die kurzfristig zu humanen Preisen bauen können." Auch Ikea wird durch Engpässe am Bau ausgebremst. "Was uns in Deutschland im Moment zu schaffen macht, ist die boomende Bauwirtschaft", sagte Johannes Ferber, Geschäftsführer der Ikea Verwaltungs-GmbH Property, im Januar auf einem Kongress. Die Angebote der Baufirmen lägen zum Teil 20% über dem, was Ikea vor einem Jahr budgetiert habe.

Verzögerung beim Einkaufszentrum Cano in Singen

Wie zu hören ist, hatten die Verzögerungen beim geplanten Bau des Einkaufszentrums Cano in Singen auch damit zu tun, dass Entwickler ECE mit den Baupreisen zu kämpfen hatte. Der Baubeginn sollte ursprünglich im Dezember 2017 verkündet werden, nun haben Stadt und ECE für den kommenden Mittwoch zu einer Pressekonferenz geladen.

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