Metro spaltet operatives Geschäft von real ab

Das große Investitionsprogramm für real, hier der Markt in Wiesbaden, geht angesichts hoher Lohnkosten nur schleppend voran.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Christoph von Schwanenflug

Der Handelskonzern Metro überträgt das operative Geschäft der SB-Warenhaustochter real in die Untergesellschaft Metro Services, um einen für das Unternehmen günstigeren Tarifvertrag zu ermöglichen. Den hatte Konzernchef Olaf Koch stets als Bedingung für sein großangelegtes Investitionsprogramm genannt.

„Wir haben im Aufsichtsrat die Abspaltung des operativen Geschäfts von real beschlossen“, sagte Koch im Rahmen der Vorstellung der Halbjahreszahlen. Neben dem schwachen Russlandgeschäft und negativen Wechselkurseffekten aus dem internationalen Großhandel drücken derzeit vor allem die Löhne bei der SB-Warenhaustochter auf die Performance. Nachdem das Stillhalteabkommen mit der Gewerkschaft ver.di im April auslief, ohne dass der von Koch ersehnte Haustarifvertrag für real zustande kam, soll nun ein Wechsel des Arbeitgeberverbands die Lösung bringen.

Dazu wird das operative Geschäft von real in die Untergesellschaft Metro Services ausgelagert, die Mitglied im AHD ist. Die bisherige operative Gesellschaft real SB-Warenhaus bleibt als reine Holding erhalten, die Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband HDE will Koch auslaufen lassen. „Das gibt real als Ganzes die Chance sich weiterzuentwickeln,“ sagte Koch.

Koch ist mit Foodlover-Konzept zufrieden

Das flächenbereinigte Wachstum der SB-Warenhaustochter mit ihren unverändert 281 Standorten lag im zweiten Geschäftsquartal, das bei Metro zum 31. März endet, bei 3,9%. Das war allerdings fast ausschließlich auf den Termin des diesjährigen Osterfestes zurückzuführen, kalenderbereinigt lag der Umsatz in etwa auf Höhe des Vorjahresquartals. Dennoch ist Koch vom Erfolg des Markthallenkonzepts mit dem Titel „Foodlover“ überzeugt: „Wir haben endlich ein Format gefunden, dass die Frequenz erhöht“, sagte Koch.

Neben der ersten Mustermarkthalle in Krefeld stehen derzeit die real-Märkte in Braunschweig und Bielefeld auf der Umbauliste. Rund 14 Mio. Euro hat Metro im abgelaufenen Quartal in real investiert. Das ist so viel wie im Vorjahresquartal, allerdings viel weniger als im Rahmen des auf 1 Mrd. Euro und fünf Jahre ausgelegten Revitalisierungsprogramms fällig wäre. Märkte, die nicht komplett umgebaut werden, sollen zumindest einzelne Module des neuen Formats übernehmen.

Lohnsenkung als Befreiungsschlag

Um hier Gas geben zu können, will Koch nun die Lohnkosten senken, um sich so Spielraum zu verschaffen. Für Neueinstellungen greift der niedrigere Tarif sofort, Altmitarbeiter von real genießen Bestandsschutz. Angesichts einer natürlichen Fluktuation von 5% bis 7% pro Jahr rechnet Koch jedoch spätestens ab dem Geschäftsjahr 2020/21 mit niedrigeren Lohnkosten als heute.

Im zweiten Geschäftsjahresquartal erwirtschaftete real einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 36 Mio. Euro (Vorjahr: 33 Mio. Euro) bei einem Umsatz von 1,72 Mrd. Euro. In seiner Halbjahrespräsentation weist Metro auf den „signifikanten Immobilienbesitz mit Entwicklungspotenzial“ hin, den real bietet. Von den 281 real-Märkten hält das Unternehmen 65 im Eigenbestand.

Zurück zur Startseite