Kiezaffine Kombination mit Lidl und Prizeotel in Hamburg

prizeotel und Lidl füllen die Flucht an der Holstenstraße.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

In Hamburg-St. Pauli hat ein Neubau mit Lidl im Erdgeschoss und Prizeotel in den fünf Obergeschossen seine Pforten geöffnet. Lidl hatte das 33-Mio.-Euro-Projekt nahe der Reeperbahn bis zur Baureife entwickelt und May & Co. hat es als Endinvestor erworben.

Nachdem Ernst Brandes 1999 sein Möbelhaus schloss, dauerte es 19 Jahre bis eine Nachnutzung ihre Türen öffnete. Realisiert wurde ein Lidl-Markt mit 1.300 qm Verkaufsfläche und 1.750 qm Mietfläche. Auf den fünf Geschossen darüber richtete prizeotel sein Design-Budget-Hotel mit 257 Zimmern nach Entwürfen des New Yorker Designers Karim Raschid ein, die ab 79 Euro pro Nacht vergeben werden. Lidl hat oberirdisch 16 Pkw-Stellplätze im SUV-Format. Mit prizeotel teilt sich der Discounter 70 öffentliche Stellplätze in der Tiefgarage.

Wenige Meter von der Reeperbahn

"Der Westrand von St. Pauli ist ein Standort mit nicht ganz einfachen Rahmenbedingungen", illustriert Michael Mathe, leitender Stadtplaner im Bezirk Hamburg-Mitte, das Umfeld des frisch eröffneten Discounter-Hotel-Projektes Holstenstraße 5-7, nur wenige Meter entfernt von der Reeperbahn.

Die Architekten Malte Kramer und Jan Siemer im neuen Lidl-Markt mit Niels Kratzin von Lidl sowie Investor Michael May (v.l.) vor dem Süßwarenregal.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

Jan Siemer war 2006 von Brandes beauftragt worden, ein Konzept zur Nachnutzung zu entwickeln. "Es sollte etwas Kiezaffines entstehen, war die Anforderung des Bezirks", umreißt der geschäftsführende Gesellschafter des Hamburger Büros SKAI Siemer Kramer Architekten Ingenieure die weitgefasste Aufgabenstellung. Zudem ist zu vernehmen, dass Brandes ambitionierte Kaufpreisforderungen formulierte. "Wir haben unzählige Konzepte entwickelt, die aber entweder am Geld scheiterten oder politisch nicht gewollt waren", erzählt der Architekt. "Am Ende aber kam Lidl um die Ecke und hat für die Wirtschaftlichkeit gesorgt." Das war im Dezember 2011.

Grundstück gekauft, um Lidl-Nutzung zu sichern

"Wir haben die Flächen vor allem erworben, um die Baugenehmigung zu erlangen, die uns die Nutzung des Erdgeschosses sichert", erklärt Niels Kratzin, Bereichsleiter des Lidl Immobilienbüros Hamburg. Das Discounter-Hotel-Konzept des Projekts wurde noch einmal angepasst, als Endinvestor Michael May ins Boot stieg: kleinere Zimmer und dafür mehr davon. Denn der Gründer und Gesellschafter des Immobilienunternehmens May & Co., Itzehoe, ist seit 2013 strategischer Investor der prizeotel Management Group. May erwarb die Projektentwicklung kurz nach der Baugenehmigung im Juli 2015. Durch den Erwerb eines benachbarten Grundstücks standen 3.400 qm für die Realisierung des SKAI-Konzepts zur Verfügung. Der Spatenstich erfolgte am 1. August 2016, die Einweihung am vergangenen Donnerstag. Das Investitionsvolumen liegt bei 33 Mio. Euro.

Kaufen oder mieten - Lidl entscheidet im Einzelfall

Der New Yorker Industriedesigner Karim Raschid hat die Inneneinrichtung des prizeotel an der Holstenstraße entworfen.
Quelle: Prize Holding GmbH, Design: Karim Raschid, Urheber: Eric Laignel

"Wir arbeiten bei ausgesuchten Projekten eng mit externen Partnern und Investoren zusammen", erklärt Alexander Thurn, Geschäftsleiter Immobilien Lidl Deutschland. "Dadurch profitieren wir einerseits von der Fachkompetenz des jeweiligen Partners und senken andererseits unsere Investitionskosten." Grundsätzlich aber sei es eine Einzelfallentscheidung, ob Lidl ein Projekt selbst entwickele und in den Bestand nehme, so Kratzin. "Wir können als Eigentümer beim Grundstückskauf anders kalkulieren als ein Projektentwickler und zudem Immobilienvermögen aufbauen. Es wird auch in Zukunft so sein, dass wir solche Projekte behalten werden." Das weiß auch May. "Discounter sind Wettbewerber geworden. Die niedrigen Zinsen treiben sie geradezu dahin, in Immobilien zu investieren. Da bieten wir uns natürlich gegenseitig hoch. Die Einstände an Standorten dieser Qualität sind inzwischen exorbitant hoch." Kratzin: "Projektentwicklung mit Wohnen oder Gewerbe in den oberen Geschossen ist heute ein Produktbaustein. Wir wollen in verdichteten Stadtteilen den Bestand modernisieren, aber auch expandieren. Lidl wird aber immer Filialen im ländlichen Raum und in Fachmarktzentren haben."

Mietverträge über 15 und 30 Jahre

May hat sich mit Lidl und prizeotel auf langfristige Mietverträge verständigt. Während Lidl für zunächst 15 Jahre mietet, mit dreimaliger Option auf weitere fünf Jahre, hat prizeotel gleich für 30 Jahre unterschrieben.
prizeotel-Gesellschafter Marco Nussbaum verweist auf ein ausgebuchtes erstes Wochenende. "Wir sind nicht abgeneigt, noch den einen oder anderen Standort in Hamburg zu eröffnen." Vor St. Pauli hatte prizeotel bereits einen Standort am Högerdamm in der City-Cüd in zwei Bauabschnitten realisiert. "Allerdings unterschreiben wir nicht jeden Mietvertrag, denn einige Betreiber rechnen sich die Verträge schön."

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