Gute Aussichten

Gute Aussichten fürs nächste Geschäftsjahr erhoffen sich die Mipim-Teilnehmer.
Bild: Immobilien Zeitung

Auch dieses Jahr gibt sich die Reed Midem redlich Mühe, die Branche zu tiefsinnigen Debatten in dunkle Säle zu locken. Trotzdem werden die meisten wieder nur draußen sitzen und aufs Wasser schauen.

Dieses Mal überlässt René Benko nichts dem Zufall. Zur Mipim wird seine Yacht, die Roma, an der begehrten Jetée Albert Edouard vor Anker gehen und von allen 23.000 Messebesuchern zu sehen sein. Nicht wie letztes Jahr, als der Kaufhaus-Tycoon kilometerweit entfernt ankerte und jeden seiner Gäste per Shuttle holen lassen musste. Das garantierte zwar maximale Diskretion - zuhause bleiben hätte jedoch den gleichen Zweck erfüllt und wäre deutlich billiger gewesen.

Knapp 240 Firmen aus Deutschland haben sich nach Schätzung der Reed Midem 2017 in und um den Palais des Festivals Standfläche gebucht, damit wären rund 9% aller Ausstellerfirmen deutsch. Für einige von ihnen sind gemietete Boote aber ebenfalls ein "Messe-Muss". Für Beratungsfirmen wie Drees & Sommer und diverse Großmakler geht der Meerblick ebenfalls über alles. Sie mieten sich traditionell in Strandrestaurants ein. Legendär sind die immer neuen Versuche des Veranstalters Reed Midem, die Wucherungen der Messepräsenzen Richtung Pier und Strand einzuhegen. So dürfen Firmen nur an der begehrten Jetée ankern, wenn sie auch einen Stand in den Hallen zumindest mitfinanzieren.

Sie müssen dort auch Meetings abhalten beziehungsweise glaubhaft versichern, dass sie das tun. Erfolgreich ist die Reed Midem mit dieser Politik nur bedingt, wozu auch das von vielen als dürftig empfundene Preis-Leistungs-Verhältnis der in den Hallen verfügbaren Caterings beiträgt. Statt in einer Schattenecke des Palais bei überteuerten Häppchen auszuharren, bewirtet man die Gäste eben lieber gleich selbst auf dem Sonnendeck. Doch nicht nur die Preise, auch die Beliebtheit bestimmter In-Treffs innerhalb der dem Jetée gegenüberliegenden Espace Riviera schreckt manchen vom Auftritt in den hinteren Reihen der Hallen ab. Läuft er doch Gefahr, halbwegs willige Gesprächspartner an den Wettbewerber zu verlieren, der zu seinem Stand wenigstens noch eine Terrasse mit Hafenblick ergattert hat. Der Vertreter einer norddeutschen Stadt nennt Ross und Reiter beim Namen: "Die Standkonkurrenz durch München ist schon sehr stark."

Nicht, dass sich der Veranstalter Reed Midem keine Mühe geben würde, den Besuchern ihren Aufenthalt auch in den schattigen Ecken des Palais schmackhaft zu machen. So werden in diesem Jahr die Manager mit ihren momentanen Lieblingsthemen, Innovation und Digitalisierung, von Dienstag bis Donnerstag in eine ganze Reihe von Veranstaltungen in die Vortragssäle gelockt. Wer noch mehr Zukunftstechnologien erleben möchte, für den gibt es einen Start-up-Wettbewerb anzuschauen. Neun Firmen aus den Bereichen Smart Building, Stadtentwicklung und Transaktion stehen am Messemittwochabend im Finale um den ersten Preis. Aus Deutschland ist dort allerdings nur der Frankfurter Softwareanbieter Conio mit im Rennen.

Auch wenn es nicht so aussieht: Diese Herren befinden sich auf dem Dach einer der Messehallen.
Bild: Immobilien Zeitung

Die Mipim-Macher wissen auch sonst recht gut, was die Branche umtreibt. Wer nicht gerade darüber grübelt, ob das Internet der Dinge die Immobilie in Zukunft eher wertvoller oder weitgehend überflüssig machen wird, sorgt sich über die unkalkulierbaren politischen Entwicklungen innerhalb Europas. Was macht der Brexit mit London, Europas wichtigstem Immobilienmarkt und nebenbei auch einem der traditionell größten Aussteller auf der Mipim? Und was macht er mit anderen Finanzzentren? Und bedroht eine politische Strömung, die sich ganz generell gegen das Establishment richtet, eigentlich auch die Immobilienwirtschaft? Darüber wird in den Hallen des Palais sicher lebhaft diskutiert werden.

Schade eigentlich, dass viele Führungskräfte diese ambitionierten Veranstaltungen im Palais wohl überwiegend schwänzen werden. Sie fahren schließlich nicht zwecks Weiterbildung an die Côte d'Azur, sondern um möglichst viele andere Hochkaräter zu treffen und sich auszutauschen. Aber auch darum kümmert sich die Reed Midem.

Gut 60 Auserwählte, darunter die Staatsfonds von Abu Dhabi, Singapur, Schweden und Katar, versammeln sich im Hotel Carlton zur geschlossenen, vierstündigen RE-Invest-Konferenz mit großen europäischen Pensionskassen und Investment-Managern. Das Forum startet Dienstag um 8 Uhr morgens und wird am Vorabend mit einem Dinner eingeläutet, was vielen Executives einen guten Grund liefern dürfte, ihre Firma schon einen Tag vor Messebeginn zu verlassen.

Auf Georg Allendorf, Chef des europäischen Immobiliengeschäfts der Deutschen Asset Management, wird RE-Invest trotzdem verzichten müssen. Einige Mitarbeiter werden wohl Vorträge und Diskussionsrunden im Palais besuchen, sagt er. "Wir setzen hier aber keinen Schwerpunkt. Wichtiger ist uns der Überblick über die verfügbaren Immobilienprodukte." Wäre auch schade, das extra angemietete Boot ungenutzt zu lassen.

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