Bremen weist zu wenig Flächen aus

Der Bremer Projektentwickler Peper + Söhne entwickelte für den Automotive-Zulieferer Dräxlmaier eine 10.000 m2 große Halle im Gewerbegebiet Hansalinie.
Quelle: Robert C. Spies, Urheber: Robert C. Spies

Bremen. Dem Stadtstaat an der Weser fehlen Logistik- und Industrieflächen - zumal in Wilhelmshaven 2017 ein höherer Containerumschlag absehbar ist. Der Logistik- und Industrieflächenumsatz ist 2016 zurückgegangen. Gefordert wird eine raschere Ausweisung passender Grundstücke. Aktuell profitiert das Umland von Bremens Flächenmangel. Jens Lütjen empfiehlt einen Masterplan Logistik für die Metropolregion.

Deutlich auseinander liegen die Zahlen der Maklerhäuser Engel & Völkers Commercial Bremen (E&V) und Robert C. Spies beim Logistik- und Industrieflächenumsatz im Raum Bremen 2016. E&V hat 289.000 m2 summiert, Spies 210.000 m2 inklusive Bremerhaven. Gemeinsam ist E&V und Spies, dass der Umsatz gegenüber 2015 verloren hat. E&V nennt einen Rückgang um 17%, Spies um 19%.

"2015 wurden außergewöhnlich viele großvolumige Objekte gebaut", erläutert Jörg Lachmann, E&V, den Rückgang. Dazu zählen etwa die 33.000 m2 große Halle zur Eigennutzung von Kieserling - seit 2013 Teil der Compass Logistics International (CLI) - im GVZ. "2016 hat sich der Wert wieder eingependelt", sagt Lachmann, liege aber immer noch deutlich über dem Fünfjahresdurchschnitt von 256.000 m2.

70% des Umsatzes gründen auf Vermietungen, 30% auf Eigennutzerneubauten. "Es gibt kaum Objekte zum Kauf auf dem Markt", berichtet Lachmann. "Deshalb ist der Anteil der gemieteten Flächen gegenüber 48% im Jahr 2015 deutlich gestiegen." Große Abschlüsse waren 2016 die Anmietung von 20.000 m2 im Lloyd Industriepark, dessen 15 ha großes Areal seit 2014 vom Bremer Investor Peper und Söhne entwickelt wird und nahe-zu komplett vergeben ist. Im GVZ mietete Gühring Verpackungstechnik 16.000 m2 in einem Neubau, den Prologis in diesen Wochen fertigstellen soll. 15.000 m2 errichtete Soller Multiservice für die eigene Nutzung.

Im April vergangenen Jahres wurde zudem bekannt, dass Coca-Cola seine Produktion in Bremen sowie seinen Vertriebsstandort in Oldenburg schließt und 37.600 m2 in einem vom Projektentwickler Bauwo im Gewerbegebiet Achim-Ost entwickelten Neubau mietet. Die übrigen 26.500 m2 der riesigen Halle konnten im Februar an Mercedes vermietet werden. Stute Logistics wird hier Blechteile zwischenlagern und zur weiteren Fertigung nach Finnland transportieren.

"Die Stadt Bremen bremst", kritisiert Björn Sundermann, Robert C. Spies, die aus seiner Perspektive zögerliche Flächenausweisung, die zur Abwanderung ins Umland führe. Aktuell werde gespart, um auch in einigen Jahren noch neue Flächen anbieten zu können. "Das ist wirtschaftlich unsinnig. In Kombination mit einem Leerstand von 1% führt das dazu, dass wir viele Flächenanfragen nicht bedienen können." Sundermann weist auf das Umsatzpotenzial für Bremen hin, das kurzfristig zusätzlich aus Wilhelmshaven zu erwarten ist. Die Ocean Alliance der Reedereien CMA CGM, Frankreich, Cosco, China, Evergreen, Taiwan, und OOCL, Hongkong, wird den Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port ab dem Frühjahr mit Großcontainerschiffen anlaufen.

Zwar wird aktuell das Gewerbegebiet Hansalinie um 55 ha erweitert, doch diese Flächen sind bereits nahezu vollständig an Nutzer aus der Automotive-Branche vergeben - primär Zulieferer für Mercedes. Ein dritter Bauabschnitt ist geplant. Der Automotive-Bereich mit seinen 18.000 Arbeitskräften - davon 13.000 bei Mercedes - ist für das arme Bundesland Bremen wie für den Industrieflächenmarkt existenziell. So liegt nach E&V-Zahlen der Umsatz der Branche Industrie/Gewerbe mit 37% vor Transport/Logistik (35%) und Handel (26%).

"Bremen fühlt, dass ein angebotsorientiertes Verhalten seine Begründung hat", formuliert Jens Lütjen, Robert C. Spies, und empfiehlt, einen Masterplan Logistik in der Metropolregion zu entwickeln. Insbesondere mit Achim und Oyten solle Bremen "seine Beziehung neu denken und neu ordnen". Im Achimer Gewerbegebiet Uesener Feld etwa stehen seit September 2016 wieder 16 ha zur Verfügung, die eigentlich der Düsseldorfer Projektentwickler Log4real mit 85.000 m2 Hallenfläche bebauen wollte. Doch die EVG Achim, eine gemeinsame Gesellschaft von Stadt Achim und Kreissparkasse Verden, löste den im Juli 2015 geschlossenen Vertrag, da Log4real keine Mieter habe nennen können. Lachmann erwartet für 2017 einen Flächenumsatz von 280.000 m2 bis 330.000 m2.

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