68% mehr Übernachtungen bei Airbnb

Berlin. Im Vergleich zu 2015 stieg die Zahl der über Airbnb vermittelten Unterkünfte in der Hauptstadt im vergangenen Jahr um 68%, so das Ergebnis einer Studie von Colliers und der Hotelschool The Hague.

Trotz der seit 1. Mai 2016 geltenden verschärften Fassung des Gesetzes betreffend das Zweckentfremdungsverbot konnte sich das Vermittlungsportal Airbnb 2016 über einen enormen Zuwachs an Übernachtungen freuen. Davon können Berliner Hoteliers nur träumen: In den professionellen Herbergen stieg die Zahl der Übernachtungen laut der Untersuchung lediglich um 1%. In Summe lag die Zahl der Airbnb-Übernachtungen 2016 der Studie zufolge bei 1,7 Mio. und der Anteil am Berliner Markt erhöhte sich im Vergleichszeitraum 2015/2016 von 5,3% auf 8,5%. Die Zahl der auf der Airbnb-Plattform gelisteten Unterkünfte stieg im gleichen Zeitraum um 20% auf ca. 48.000.

"Wie in vielen anderen Städten sorgt die wachsende Beliebtheit von Airbnb und anderen Plattformen auch in Berlin für politische Spannungen. Aufgrund des Wohnungsmangels ist es in der Stadt inzwischen verboten, ganze Häuser oder Wohnungen über die Plattform anzubieten," erklärt Dirk Bakker, Leiter Emea Hotels bei Colliers International. Seither würden mehr Zimmer als komplette Wohnungen vermietet, was den Rückgang der durchschnittlichen Zimmerrate (ADR - Average Daily Rate) im Vergleich zu 2015 erkläre. In Berlin betrug die ADR bei Airbnb demnach im Mittel 66 Euro, der Durchschnitt bei den Berliner Hotels lag bei 106 Euro.

Gleichzeitig sei der ADR-Wert bei komplett zu vermietenden Wohnungen im Verlauf des Jahres 2016 bei den Angeboten von Airbnb gestiegen: "Als Reaktion auf das Verbot haben die Anbieter ihre Preise für ganze Wohnungen angehoben, um mögliche Geldstrafen auszugleichen", heißt es in der Studie. Sie würden das Risiko quasi einpreisen.

Ablesbar sind die Preissteigerungen anhand der Datenerfassung von AirDNA. Das IT-Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, die Daten auf der Airbnb-Website abzupassen. Colliers ist eine Partnerschaft für Europa mit AirDNA eingegangen und ist nach eigenen Angaben der einzige Makler, der über die Daten verfügt, die AirDNA in den vergangenen fünf Jahren zusammengetragen hat. Das Data-Scraping gibt sehr detaillierte Einblicke: Sobald eine Wohnung oder ein Zimmer zum ersten Mal auf der Airbnb-Seite auftaucht, erhält es eine ID, mit der fortan zum Beispiel erfasst wird, für wie viele Nächte die jeweilige Einheit zu welchem Preis vermietet wird.

Wegen der so generierten Daten konnten auch die Preissteigerungen seit Mai 2016 ermittelt werden. Für private Zimmer stieg die Rate demnach um 7% auf im Schnitt 41,27 Euro. Bei komplett angebotenen Ein- bis Vierzimmerwohnungen kletterten die Preise zwischen 8,5% (für Wohnungen mit einem Zimmer) und 12,8% (Einheit mit vier Zimmern). Letztere kosteten pro Nacht durchschnittlich 243,34 Euro. Auch in welchen Teilen der Stadt Airbnb-Gäste vorzugsweise übernachteten, weiß AirDNA. Die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow und Mitte haben einen Anteil von 60%. Die Gäste würden also nicht, wie von Airbnb behauptet, über das gesamte Stadtgebiet verteilt.

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