Jecken feiern künftig unter Tage

Von außen sind die Veränderungen an der Hahnentorburg gering.
Quelle: kister scheithauer gross architekten und stadtplaner

Köln. Der Rudolfplatz in der City der Domstadt bekommt bekanntlich eine Neubebauung. Die Hahnentorburg im Zentrum des Platzes, Heimat der Kölner EhrenGarde, wird ebenfalls aufgemöbelt - vor allem unterirdisch.

Die historische Hahnentorburg wird buchstäblich tiefgreifende Veränderungen erfahren. In unmittelbarer Nähe errichten die Hamburger Projektentwicklung Momeni und die Düsseldorfer Development Partner die Neubebauung des Rudolfplatzes. Die Hahnentorburg, unter deren Torbogen sich die Kölner traditionell zum ersten Date verabreden, ist auch Heimat des Karnevalsvereins EhrenGarde der Stadt Köln 1902.

Die Karnevalisten suchten die architektonische Zukunft für ihre Bleibe und entschieden sich - in enger Abstimmung mit der Stadt Köln - für ein zweiphasiges kooperatives Gutachterverfahren mit zwölf Architekturbüros. Die elfköpfige Jury wählte am 6. April 2017 die Arbeit von kister scheithauer gross architekten und stadtplaner (Köln/Leipzig) einstimmig als Gewinner und empfahl deren Entwurf zur weiteren Bearbeitung und Realisierung.

Kölns Baudezernent Franz-Josef Höing erklärt begeistert: "Die Jurysitzung war ein großer Genuss, ich bin ganz beschwingt nach Hause gegangen. Der Entwurf von ksg ist eine betörende Lösung, ein heiteres Aufflackern einer Welt, die da im Boden verschwindet." Höing meint damit, dass die Architekten in ihrem Siegerentwurf den geplanten Festsaal der EhrenGarde unter die Erde verlegten und dort, wie es heißt, eine "ganz besondere Atmosphäre" schaffen. Über eine offene Treppe, vorbei an den Steinfundamenten der Torburg, gelangt der Besucher in das Foyer und den unterirdischen Saal.

Als problematisch bei der Planung erwies sich nicht nur die historische Bausubstanz, die so wenig wie möglich angegriffen werden sollte. Auch unter der Erde gibt es Fundamente und Mauern aus der Geschichte. Kölns Stadtkonservator Thomas Werner war erst wenig begeistert von dem Plan: "Ich hatte zunächst Vorbehalte, aber nun ist klar - ein Festsaal muss nicht unbedingt oberirdisch sein." Die gefundene Lösung hält er für den "besten und sensibelsten Umgang mit einem der wichtigsten Baudenkmäler der Stadt". An der Stelle, an der aktuell noch die Brückenkonstruktion zur Bestandsbebauung befestigt ist, soll ein kleines kubisches Treppenhaus entstehen, das auch den barrierefreien Zugang zu den ober- und unterirdischen Räumen ermöglicht.

So wird der Torbogen der Burg nicht, wie von vielen befürchtet, zugebaut und kann weiter als Treffpunkt fürs erste Date dienen.

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