Statt tanzen und tafeln wohnen und schlafen

Im Frühjahr 2018 wird auf dem Krystallpalastareal gebaut.
Quelle: Krystallpalastareal GmbH & Co. KG, Urheber: Thomas Greiner

Leipzig. Einst trafen sich im Krystallpalast die Leipziger Bürger, um zu tanzen und zu tafeln. Dem machten die Bomben des Zweiten Weltkriegs ein Ende. Für immer. Im zweiten Leben entsteht auf dem Areal ein 150 Mio. Euro teures Quartier mit Hotels und Wohnungen.

Schräg gegenüber vom Hauptbahnhof gähnt eine Brache. Das knapp drei Fußballfelder große Loch, meist mit Pfützen übersät, trennt den Leipziger Osten vom Zentrum. Grund genug für die Stadtväter, seit Jahr und Tag auf die Bebauung des 20.540 m2 großen Areals zu drängen. Doch irgendwie ging das immer schief.

Jetzt nicht mehr, sagt Michael Straub, Geschäftsführer der Gesellschaft Krystallpalastareal, einer 100%igen Tochter der Tübinger Sax-Gruppe. Vom zwischenzeitlichen Joint-Venture-Partner, der Leipziger Conpartis Real Estate, hat Straub sich getrennt. Ende April will er einen städtebaulichen Vertrag unterschreiben, im Herbst 2017 die Bauanträge einreichen und im Frühjahr 2018 die Bagger bestellen, erzählte der Bauträger gut gelaunt auf dem Immobilientreffen von Heuer Dialog Anfang April in Leipzig. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Das sagt Straub auch. Im April 2014, also vor drei Jahren, begann er zur Ideenfindung mit einem Werkstattverfahren.

Auf dem Zettel hat Straub im Karree Wintergartenstraße, Hofmeisterstraße, Hahnekamm und Brandenburger Straße gut 60.000 m2 Bruttogrundfläche. Davon entfallen rund 8.000 m2 auf ein Bürohochhaus, das jedoch erst in einem zweiten Schritt realisiert wird. Zunächst sind 190 Wohnungen, drei Hotels mit rund 24.000 m2 Fläche, 180 Mikroapartments für Studenten oder Pendler, 1.200 m2 mit Platz für Läden, eventuell noch ein Boardinghaus und ein paar Büros geplant. 600 Fahrradstellplätze und Ladestationen für e-Mobiles runden das Ganze ab. Gekauft hat Straub das Gelände im Sommer 2015 aus privater Hand.

Der Krystallpalast bestand in seiner Glanzzeit aus verschiedenen Sälen, Restaurants, Bars, Cafés, Salons und Biergärten für 15.000 Personen. Am 4. Dezember 1943 fiel die ganze Pracht einem Luftangriff zum Opfer. Zu DDR-Zeiten gab es auf dem Gelände einen Zirkus, der 1992 durch Brandstiftung zerstört wurde. Danach scheiterte ein Investor nach dem anderen. Auch der Plan, einen Vergnügungspark zu errichten, wurde Makulatur. In ihrer Verzweiflung soll die Stadt sogar einmal den Gedanken verfolgt haben, ein Hirschgehege zu errichten, hieß es in der örtlichen Presse.

Der Masterplan für das neue Leben auf dem geschichtsträchtigen Gelände stammt vom Leipziger Architekturbüro Grunwald & Grunwald. An der Bebauung beteiligen sich fünf Architektenteams, so Straub.

Bezahlt wird der ganze Spaß "ganz normal mit einer Bauträgerfinanzierung", sagt Straub. Die Wohnungen will er en bloc an einen Investor verkaufen. Das ist im Markt bekannt. Die Folge: "Massive Anfragen, bundesweit, seriös und unseriös". Doch Straub ist gelassen. "Wir haben uns noch nicht festgelegt." 2021 soll die Leere gegenüber vom Bahnhof Geschichte sein.

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