"Chance nur alle 100 Jahre"

Der orange markierte Teil ist der von Klepièrre erworbene, der grüne befindet sich im Eigentum der Stadt Köln.
Quelle: imago, Urheber: Udo Gottschalk, Bearbeitung: Immobilien Zeitung

Köln. Jahrzehntelang verfielen die Grundstücke des ehemaligen WDR-Karrees und die benachbarten Flächen direkt am Dom. Nun hat die Düsseldorfer Gerchgroup die Immobilien erworben und will die Flächen für bis zu 250 Mio. Euro entwickeln.

Von Filetstücken zu sprechen ist so eine Sache. Wenn es nach Entwicklern und Investoren geht, besteht dieses Land praktisch nur aus Filetstücken. Wenn es nach Maklern geht, sowieso. Die jetzt in Köln verkauften Grundstücke dürfen aber getrost als Filetstücke bezeichnet werden - und das vermutlich sogar gemessen an weltweitem Maßstab.

Auf der Südseite des Unesco-Weltkulturerbes Kölner Dom, unmittelbar an den Roncalliplatz mit dem Römisch-Germanischen Museum und dem Domhotel gelegen, hat die Gerchgroup ein 6.300 m² großes bebautes Grundstück erworben. Es setzt sich aus zwei Karrees zusammen, die zum einen direkt an die Straße Am Hof am Roncalliplatz, zum anderen in der Straße Unter Goldschmied liegen. Haupteigentümer der Flächen war bislang Klepièrre aus Frankreich. Für die übrigen Teile des Grundstücks wurde das Erbbaurecht von der Stadt Köln erworben. Insgesamt, so heißt es in Köln, haben die Düsseldorfer einen hohen zweistelligen Millionenbetrag für die Flächen bezahlt.

Der weitaus größte Teil des Gebäudebestands - er summiert sich auf aktuell rund 33.000 m² - ist am ehesten mit dem Begriff Schandfleck zu beschreiben. Es gibt ein düsteres, stinkendes Parkhaus, ein paar Kneipen und das große leer stehende Geschäftshaus, in dem einmal der Music Store untergebracht war. Einziges, auch architektonisches Highlight, ist das Senats Hotel mit seiner Fassade aus den 1950er Jahren.

"An dieser Stelle eröffnet sich uns jetzt eine Chance, die sich vielleicht nur alle 100 Jahre ergibt, endlich eine attraktive und würdige Gestaltung und Nutzung der Südseite am Roncalliplatz zu entwickeln", erläutert die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. "Die Neuordnung und der Umbau in dieser einmaligen Lage bringt eine hohe städtebauliche und architektonische Verantwortung für den Investor mit sich."

Dieser Verantwortung ist sich der Investor offenbar bewusst. Geplant ist an dieser Stelle ein "modernes urbanes Quartier". Genaueres lässt sich noch nicht sagen. Zum einen, weil für die Flächen voraussichtlich Wettbewerbsverfahren anstehen, deren Ergebnisse noch keiner kennt. Zum anderen, weil der Stadt Köln mit Franz-Josef Höing gerade der oberste Stadtplaner nach Hamburg verlustig ging und nun erst einmal ein neuer gefunden werden muss.

Der Vorstandsvorsitzende der Gerchgroup, Mathias Düsterdick, erklärt aber, dass an eine Mischnutzung aus einem bis zwei Hotels, Büro- und Handelsflächen sowie hochwertigem Wohnraum gedacht wird. Zuvor muss jedoch alles, was nicht unter Denkmalschutz steht, abgerissen werden.

Es gibt, wenig überraschend, bereits zahlreiche Mietinteressenten für die Flächen - vor allem Hotelbetreiber haben es wohl auf das Vorhaben abgesehen. Düsterdick rechnet mit einem Investitionsvolumen von rund 250 Mio. Euro. Als Fertigstellungstermin für das Projekt ist das Jahr 2021 anvisiert. Der Erwerb erfolgte als Asset-Deal, BNPPRE vermittelte. Erst kürzlich hatte die Gerchgroup das Deutz-Areal in Köln erworben.

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