Wo einst schon Uropa Adam baute

Die historischen Gebäude der Kaserne Babenhausen besitzen einen schlossähnlichen Charakter.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Lars Wiederhold

Babenhausen. Das ortsansässige Bauunternehmen Aumann und der Gießener Projektentwickler Revikon steigen als Mehrheitsgesellschafter in die Konversionsgesellschaft Kaserne-Babenhausen ein. Aumann war bereits am ursprünglichen Bau der 60 ha großen Kaserne im frühen 20. Jahrhundert beteiligt.

Das Kasernengelände, das die US-Army 2007 verlassen hat, besitzt Ausmaße, die die der Kernstadt Babenhausen weit übertreffen. Früher belief sich seine Fläche sogar auf mehr als 140 ha. Ein über 80 ha großer Teil ist aber schon früh an den Bundesforst gegangen, heute weiden dort Przewalskipferde. Nachdem die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als frühere Eigentümerin keinen Käufer für das restliche rund 60 ha große Gelände fand, übte die Stadt 2013 ihr Erstzugriffsrecht aus. Erst im Frühjahr 2017 machte das Stadtparlament dann den Weg für die Gründung der Konversionsgesellschaft frei.

Die beiden privaten Partner Aumann und Revikon fand Babenhausen mittels eines Interessenbekundungsverfahrens. Das aus dem Tiefbau stammende Unternehmen Aumann verbindet eine persönliche Geschichte mit dem Areal. So wurde es 1899 von Adam Aumann eigens zur Kasernenentwicklung gegründet. In den 1980er Jahren war dann sein Enkel Dieter Aumann dort tätig, diesmal aber im Auftrag der Amerikaner. Mit dem nun erfolgten Kauf schließt sich der Kreis. Heute führen Adams Urenkel Markus und Kevin das Geschäft. Erfahrungen mit der Entwicklung von Konversionsflächen konnten sie u.a. bei den Projekten Campus in Dieburg und Alte Ziegelei Großzimmern sammeln. In beiden Vorhaben entstanden 115.000 m² Bauland. Gerade die Ziegelei war wegen erheblicher Altlasten anspruchsvoll.

Revikon ist ohnehin auf Konversionen spezialisiert und hat z.B. große ehemalige Militärflächen in Gießen, Butzbach und Büdingen umgewandelt. An der Projektgesellschaft halten Aumann und Revikon künftig jeweils 47% der Anteile, die restlichen 6% verbleiben bei der Stadt.

Die neuen Eigentümer übernehmen die Erschließung und den teilweisen Abriss der Bestandsgebäude. "Wir bauen dort nicht selbst", erklärt Markus Aumann. Stattdessen würden die entstehenden Baufelder bzw. Bestandsgebäude nach den Erschließungs- und Rückbauarbeiten weiterverkauft.

Der Gebäudebestand ist sehr heterogen. Manche Häuser sind, wie z.B. ein alter Wasserturm, denkmalgeschützt und stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Andere sind zwar deutlich jünger, aber wegen ihrer schlechten Bausubstanz für den Abriss bestimmt. Die dritte Gebäudegruppe befindet sich hingegen in einem sehr guten Zustand und wurde nach der letzten Renovierung nicht mehr von den US-Streitkräften bezogen. Altlasten sind auf dem Gelände ebenfalls ein Thema. "Das hält sich aber in Grenzen", sagt Kevin Aumann. Es gebe nur wenige Verdachtsflächen. Für das Gelände existiert ein städtischer Rahmenplan und ein sehr umfangreicher Kooperationsvertrag zwischen Stadt und Entwickler, der laut Markus Aumann "fast die Tiefe eines Bebauungsplans" besitzt. Das Konzept sieht für die historischen Gebäude im westlichen Teil des Geländes ein Quartier für kreatives Gewerbe vor. Auch im südlichen Abschnitt soll Gewerbe einziehen. Die ehemaligen Wohnriegel im nördlichen Abschnitt werden dagegen auch künftig zum Wohnen dienen. Zwei von elf Gebäuden werden in diesem Bereich voraussichtlich abgerissen. Im östlichen Teil weicht ein größerer Teil der Bestandsbebauung neuen Wohnungsbaufeldern. Die geplanten Abrissarbeiten sind keine bloße Option, die Partner haben sich vertraglich dazu verpflichtet. Für das Quartier streben sie ein DGNB-Zertifikat in Gold an.

Ein rund 3 ha großes Grundstück im westlichen Teil blieb beim Kauf außen vor. Die darauf befindlichen Gebäude wurden von November 2015 bis Mai 2017 als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge genutzt. Revikon und Aumann werden das Grundstück wohl auch noch erwerben, sie besitzen jedenfalls ein Vorkaufsrecht dafür. Ursprünglich hätte die Einrichtung im nördlichen Teil einziehen sollen. Aumann und das mit der Flüchtlingsunterbringung erfahrene Unternehmen Revikon hatten sich aber dagegen ausgesprochen, weil ihnen dafür ein peripherer Standort lieber war. Andernfalls wären sie sogar aus dem Projekt ausgestiegen.

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