Herzlich willkommen auf unserer Baustelle

Neben dem breiten Publikum führt Peter Zantopp-Goldmann (3. v. links) immer wieder auch Multiplikatoren über den Zollhafen, beispielsweise den Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (5. v. rechts).
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Lars Wiederhold

Bauzäune üben eine magische Anziehungskraft aus: Eine Absperrung spornt dazu an, sich erst recht hindurchzuzwängen oder zumindest einen Blick hinein in das verbotene Areal zu werfen. Diese allzu menschliche Neugier können sich Projektentwickler mit Baustellenführungen zunutze machen und auf diese Weise Öffentlichkeitsarbeit betreiben.

Am Mainzer Zollhafen, dem derzeit größten innerstädtischen Entwicklungsprojekt der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, gehören Baustellenführungen praktisch seit dem Beginn der Bauarbeiten im Jahr 2013 zum Repertoire. Peter Zantopp-Goldmann, Sprecher der Zollhafen-Gesellschaft, unterscheidet zwischen zwei Arten: Führungen für ein Geschäftspublikum - beim Zollhafen für Projektentwickler, die sich für Baufenster interessieren - und solche für ein breiteres Publikum.

"Eine Investorenveranstaltung ist mehr als eine herkömmliche Führung", betont Zantopp-Goldmann. "Da muss man entsprechend lange vorher planen, Catering, Musiker oder andere Programmpunkte buchen." Er geht für ein solches Vorhaben von mindestens einem halben Jahr Vorlauf aus und von einem Personal- und Geldaufwand vergleichbar mit anderen feierlichen Anlässen, beispielsweise einem ersten Spatenstich, einer Grundsteinlegung oder einem Richtfest. Inzwischen gibt es solche Investorenveranstaltungen am Mainzer Zollhafen allerdings nicht mehr, da viele Flächen bereits vermarktet sind und die Quartiersentwicklung bundesweit einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat.

Bei den Führungen für ein Laienpublikum gibt es verschiedene Formate. Da ist zunächst eine regelmäßig einmal im Monat veranstaltete Baustellenführung. Am Zollhafen finden diese Termine im Regelfall 20 bis 30 Interessenten. Der Werbe- und Vorbereitungsaufwand ist gering. "Es reicht vollkommen aus, solche Veranstaltungen über die eigene Webseite, Social Media und den normalen Presseverteiler zu kommunizieren", sagt Zantopp-Goldmann. Eine Anmeldung ist nicht nötig, weil sich die Teilnehmerzahl von selbst auf einem vernünftigen Niveau eingependelt hat. Bei neuen oder besonders vom öffentlichen Interesse betroffenen Veranstaltungen bietet sich möglicherweise eine Anmeldeliste an. In jedem Fall sollten die Teilnehmer schon in der Ankündigung darauf hingewiesen werden, festes Schuhwerk und eigene Warnwesten zu tragen. Helme sind nur nötig, wenn Bauten betreten werden.

Zantopp-Goldmann trifft keine besonderen Vorbereitungen für die Präsentation während der Führung. "Ich habe lediglich einen Plan dabei, um daran Dinge besser erläutern zu können", sagt er. Die meisten Nachfragen der Teilnehmer kann er aus seiner Kenntnis über den laufenden Stand des Projekts heraus beantworten.

Gelegentlich sind auch potenzielle Endnutzer für die Eigentumswohnungen am Rhein unter den Teilnehmern. Für sie gibt es kein spezielles Informationspaket. "Es kann ein erster Eindruck sein, aber wer sich ernsthaft für ein Objekt interessiert, erhält von uns die Kontaktdaten der jeweiligen Bauherren", sagt der Zollhafen-Sprecher.

Er selbst zielt in erster Linie auf die Stadtgesellschaft und besonders auf die unmittelbare Nachbarschaft. "Es ist ein Beitrag zu Transparenz und einem guten Verhältnis zu den Anwohnern, und die meisten Teilnehmer sind begeistert vom Zollhafen", sagt Zantopp-Goldmann. Manchmal lasse ein Besucher auch Dampf ab, wenn er sich über zu früh am Morgen einsetzenden Baulärm oder andere Unannehmlichkeiten geärgert hat. Doch oft reiche diese Aussprache schon, um den Zorn zu besänftigen.

Besonders großes Interesse war immer dann zu verzeichnen, wenn sich das Zollhafen-Areal im Rahmen von übergreifenden Veranstaltungen zusammen mit Kooperationspartnern der Öffentlichkeit präsentierte. So gab es zum internationalen Museumstag eine Schifffahrt, während der ehemalige Hafenmeister des Industriehafens Vergangenheit und Gegenwart des Geländes erläuterte. "Die Resonanz war überwältigend, und das obwohl wir zur Finanzierung der Schiffsmiete einen Kostenbeitrag erhoben hatten", erinnert sich Zantopp-Goldmann. Er arbeitet zudem mit dem Verein Geographie für alle zusammen, der regelmäßig selbst Führungen auf dem Hafengelände anbietet. Für die Zollhafengesellschaft entsteht daraus praktisch kein Aufwand, die Multiplikatorenwirkung ist jedoch groß. Ähnlich läuft es mit Fachpublikum, beispielsweise von Hochschulen, aus der Bau- oder Immobilienwirtschaft, für die das Unternehmen lediglich einen Termin einplanen und eventuell einen Gesprächspartner zur Verfügung stellen muss.

Führungen auf Baustellen haben immer auch einen Sicherheitsaspekt. Wer solche Termine plant, sollte mit der Versicherung klären, in welchem Umfang und unter welchen Bedingungen sie möglich sind. Wichtige Ansprechpartner sind die Projektleiter der einzelnen Bauvorhaben. Selbst wenn es keine versicherungstechnischen Einwände gibt, müssen Besuchergruppen einen Bogen um Rohbauten und um laufende Arbeiten mit schwerem Gerät machen. Zollhafen-Sprecher Zantopp-Goldmann hält es aber für unnötig, Besucher eine Erklärung zu Unfallgefahren und Haftung unterschreiben zu lassen. Er misst den Führungen sogar einen positiven Sicherheitseffekt zu: "Wenn ich die Leute offiziell über das Gelände führe, dann müssen sie sich nicht mehr aus Neugier unkontrolliert dort herumtreiben."

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