Frustriertes Kapital

Deutschland ist in den Augen vieler Anleger ein sicherer Hafen. Sie bringen ihr Kapital ins Land, um es in Immobilien zu investieren. Um attraktive Deals wird gerangelt, viele Investoren gehen leer aus.

Berater JLL hat untersucht, wie viel Kapital bei Geboten nicht zum Zuge kam. Allein an den sieben Topstandorten summiert sich das "frustrierte Kapital", wie es JLL-Deutschlandchef Timo Tschammler nennt, auf rund 50 Mrd. Euro - bezogen auf 2016 und basierend nur auf Geschäften, die JLL selbst begleitete.

Die Gebotsanalyse enthält insgesamt 70 Transaktionen. Deren Gesamtvolumen belief sich auf 7,8 Mrd. Euro. Um die Geschäfte rangelten insgesamt 183 Interessenten, im Schnitt waren es sieben pro Objekt. Das trieb die gebotene Summe auf insgesamt 58 Mrd. Euro. Unter dem Strich konnten 49 Mrd. Euro Investmentgeld nicht untergebracht werden.

Den größten Frustfaktor hatten die zwölf erfassten Deals jenseits der 100-Mio.-Euro-Grenze. An den 3,4 Mrd. Euro großen Kuchen wollten 66 Interessenten heran. Das Angebot war am Ende zehnfach überzeichnet. "Je größer die Transaktion, desto größer die Nachfrage", resümiert Tschammler.

Die Berater recherchierten auch, warum Bieter leer ausgingen. Der erste Grund: Sie wurden überboten. Der zweite Grund hat mit Vertrauen oder, besser, dessen Fehlen zu tun: Die Verkäufer bezweifelten entweder, dass der Interessent den versprochenen Preis tatsächlich aufbringen kann, oder mutmaßten, die Geldquellen des Aspiranten seien nicht ganz sauber. Der Aspekt Geldwäsche spielte eine Rolle.

Gut 50% der Bieter kamen aus Deutschland. Auf Platz zwei folgen europäische Interessenten. Ihnen dicht auf den Fersen sind Investoren aus Asien. Sie lagen mit einem Anteil von 17% klar vor den Amerikanern. "Chinesen bieten immer wieder", leitet JLL aus der Analyse ab. Bei den großen Deals mischten Asiaten aber seltener mit.

Dennoch schieben sie sich JLL zufolge in der Gesamtbetrachtung des deutschen Immobilienmarkts nach vorne. Im ersten Halbjahr 2017 gingen Transaktionen von fast 4 Mrd. Euro (17%) auf ihr Konto. Mehr verbuchten unter den Ausländern nur die Briten (25%). Zusammen tätigten internationale Investoren Deals für fast 12 Mrd. Euro, etwas weniger als die Hälfte des Gesamtvolumens.

Zurück zur Startseite