Bremer City rückt wieder in den Fokus

Andreas Heyer, Joachim Lohse und Martin Günthner (v.l.) auf der Expo Real vor der Überseestadt.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

Bremen. Lange Zeit ging der Immobilienboom an der Bremer City vorbei. Derzeit jagt jedoch ein Projekt das nächste. Doch wie der zur Expo Real vorgestellte Immobilienmarktreport Bremen illustriert, geht auch die Entwicklung in der Überseestadt weiter. Wirtschaftssenator Martin Günthner ruft mit Blick auf die privaten Initiativen das Ende der "sozialistischen Masterplanung" aus.

Immobilienentwicklung in Bremen findet seit über zehn Jahren vor allem in der Überseestadt statt. Das größte Projekt ist dort aktuell die Neuentwicklung des Europaquartiers, das auf dem Areal des Schuppen 3 am Europahafen entstehen soll. Ingo Damaschke will hier mit der Asset-Firmengruppe 175 Mio. Euro in 65.000 m2 BGF vor allem für Wohnen, aber auch für Büros, Läden und Gastronomie entwickeln. Zur Expo Real wurde zudem der Baubeginn des 11.500 m2 großen Bürogebäudes Bömers Spitze bekanntgegeben. Justus Grosse investiert 35 Mio. Euro in den 13-geschossigen Bau An der Reeperbahn.

So verblüfft es nicht, dass der ebenfalls zur Expo Real vorgestellte Immobilienmarktreport Bremen die Überseestadt beim Büroflächenumsatz sowohl 2016 (29,5% der 101.800 m2) wie auch im ersten Halbjahr 2017 (36% der 50.700 m2) vorne sieht. Doch die Bremer City erreicht bis Ende Juni einen Anteil von 32%. Dabei spielt der 9.500 m2 große 26-Mio.-Euro-Neubau von Kühne & Nagel an der Wilhelm-Kaisen-Brücke, Ecke Martinistraße eine bedeutsame Rolle. Insgesamt wird 2017 wieder ein Umsatz von rund 100.000 m2 erwartet. Die Spitzenmiete von 12,80 Euro/m2 wird in der Überseestadt erzielt. Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) sagt mit Verweis auf die Nachfrage und den Leerstand von 3% einen Anstieg auf 13 Euro/m2 voraus - ebenfalls in der Überseestadt.

Absehbar ist jedoch, dass die Bremer City bei den künftigen Immobilienmarktreports eine größere Rolle spielen wird - mit konkreten Projekten, nicht nur mit ambitionierten Konzepten. So gibt es Pläne von Kurt Zech für Ladenpassagen am Standort des Parkhauses Mitte zwischen den Ia-Lagen Obern- und Sögestraße.

Kaffee-Erbe Christian Jacobs entwickelt Immobilien als Trittsteine zwischen City und Weser. Dazu gehörten ein geplanter Neubau an der Obernstraße, die anschließende, von Jacobs erworbene historische Stadtwaage sowie das Kontorhaus am Markt, dessen Kauf durch Jacobs der Aufsichtsrat der WFB im August zugestimmt hat.

Und der ursprünglich einem Shoppingcenter weichen sollende Lloydhof hat mit Denkmalneu einen bayerischen Investor gefunden, der hier mit temporärem Wohnen, Gastronomie und Kultur ein Wohn- und Geschäftshaus des 21. Jahrhunderts schaffen will. Senator Günthner spricht dabei nach dem am Ansgarikirchhof geplanten, 2015 aber gescheiterten Shoppingcenters von einem "realistischen Ergebnis".

Auchbeim Einfluss der Stadt auf die Entwicklung von Karstadt und Kaufhof "müssen wir realistisch sein", sagt der Wirtschaftssenator. "Bremen ist mit sozialistischer Masterplanung nicht weitergekommen." Die Entwicklung der Mall sei der Hoffnung auf 30.000 m2 zusätzlicher Verkaufsfläche gefolgt, blickt Günthner zurück. "Davon spricht heute keiner mehr. Jetzt geht es um Qualität. Klar ist, die Kaufhof-Immobilie ist unterausgenutzt und Karstadt kann man auch anders denken. Aber die Vorstellung ist absurd, der Senat könnte gegen den Willen der Eigentümer von Kaufhof und Karstadt planen."

"Über das Thema Shoppingcenter war die Zeit hinweggegangen", resümiert Andreas Heyer von der WFB. "Jetzt erleben wir konzeptgetriebene Refurbishments." Dazu zählen z.B. Lloydhof oder Markthalle Acht und Manufactum am Domshof. "Bremen war lange Spätzünder bei der Einzelhandelsentwicklung. Das gibt uns jetzt die Chance, bei der qualitativen Entwicklung voranzugehen", erwartet Bausenator Joachim Lohse. So verweist er darauf, dass mit der Knochenhauerstraße jüngst die erste vom Einzelhandel geforderte Fußgängerzone in Bremen geplant werde. Die Einzelhandelsmiete ist nach Zahlen des Immobilienmarktreports in der City mit 85 Euro/m2 stabil geblieben, ebenso wie die Spitzenmiete von 130 Euro/m2.

Auf der Landkarte der Investoren ist die Stadt an der Weser ebenfalls präsent. "Bremen hat sich als Renditestandort entwickelt", meint Günthner, "und das sehen inzwischen auch die Investoren so." Mit 5,2% liegt die Spitzenrendite höher als etwa in Hannover (4,5%). Für 2017 wird zum dritten Mal in Folge ein Transaktionsvolumen von über 400 Mio. Euro erwartet. Allein im ersten Halbjahr wurden für 250 Mio. Euro Bremer Immobilien gekauft - insbesondere im Logistiksegment. Bis zum Jahresende soll jedoch der Umsatz von Büro- sowie Geschäftsgebäuden mit knapp 180 Mio. Euro vor Logistikimmobilien (145,2 Mio. Euro) liegen. Dazu tragen der Verkauf des Mondelez-Sitzes an der Weser an Justus Grosse und Jacobs bei sowie der Kaufvertrag für den Lloydhof.

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