Der Boom in Rhein-Main erfasst Offenbach

Während im Offenbacher Osten ganze Gewerbequartiere neu entwickelt werden, laufen am Kaiserlei im Norden der Stadt intensive Verhandlungen über den Umbau von Gebäuden.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Anke Pipke

Offenbach. Deutliche Rückgänge beim Leerstand, aussichtsreiche Verhandlungen über schon lange ungenutzte Objekte: Der Offenbacher Markt für Gewerbeimmobilien profitiert vom Boom im Rhein-Main-Gebiet. Schon werden in der traditionsreichen Industriestadt Produktions- und Lagerflächen knapp.

Es könnte alles so schön sein im Wirtschaftsleben von Offenbach. Wenn, ja wenn Siemens nicht wäre. Oder genauer: Wenn Siemens am Standort Offenbach mit seinen rund 800 Mitarbeitern für die Entwicklung von Gaskraftwerken einfach weitermachen würde wie bisher. Der Konzern plant jedoch, den Standort aufzugeben. "Wenn das nicht wäre, könnte ich von einem wirtschaftlich sehr guten Jahr für Offenbach sprechen", sagte der Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) bei der Vorstellung des Flächenreports 2017. In diesem Zahlenwerk haben Stadtverwaltung und Wirtschaftsförderung die Kernzahlen zum lokalen Gewerbeimmobilienmarkt analysiert. "Wie die gesamte Region bekommen wir vom derzeitigen Wirtschaftswachstum ordentlich was mit", fasste Schneider zusammen.

So hat sich der Leerstand von Büroflächen zum Stichtag 31. Oktober 2017 gegenüber dem 28. Februar 2017 um fast 25.000 m2 auf rund 99.600 m2 bzw. 7,7% reduziert. Bei den Ladenflächen ging er um rund 1.500 m2 auf knapp 5.000 m2 zurück. Nur bei Lager- und Produktionsflächen stieg der Leerstand leicht um rund 1.000 m2 auf gut 56.000 m2 an. Der vergleichsweise hohe Wert in dieser Kategorie beruht im Wesentlichen auf einer bereits 2016 erfolgten Standortverlagerung von Mercedes-Benz auf Frankfurter Gebiet, durch die nun rund 4,3 ha im Offenbacher Osten ungenutzt sind.

"Insgesamt herrscht Knappheit an Lager- und Produktionsflächen", stellte Verena Sänger von der Wirtschaftsförderung fest. Insbesondere kleinere Flächen und Objekte dieser Art für Mittelständler und Kleinunternehmer seien rar. Jürgen Amberger, der Leiter der Wirtschaftsförderung, betonte, dass er und seine Mitarbeiter auf Eigentümer einwirken, um mehr Flexibilität und Kleinteiligkeit auf dem gesamten Gewerbeflächenmarkt zu erreichen. Ein Positivbeispiel sei der Sirius Businesspark im Gewerbegebiet Bieber Waldhof, der mit dieser Strategie nahezu Vollvermietung erreicht habe.

Bei den Gewerbemieten zeichnet sich ein leichter Anstieg an, zumindest bei den Angebotspreisen, die die Stadtverwaltung registriert hat. Der Durchschnitt bei Büroflächen liegt demnach bei 10,50 Euro/m2 und damit rund 0,50 Euro/m2 höher als noch 2016. In der Spitze werden sogar 17 Euro/m² gefordert, 2 Euro/m² mehr als vor einem Jahr. Dabei handelt es sich um den City Tower, den Ende 2016 die irische Comer Group gekauft hatte. "Nach anfänglichen Schwierigkeiten stehen wir nun in Kontakt zu den Brüdern Comer und haben die Hoffnung, dass der Erwerb nicht nur zum Geldparken gedacht ist", sagte Schneider. Er gehe davon aus, dass der City Tower bis etwa 2020 vollständig vermietet sein werde. Comer bewirbt das Objekt in Großbritannien als Brexit Solution. Vorerst hat sich der Leerstand dort allerdings auf 19.700 m2 gesteigert. Beim Einzelhandel geht die Verringerung der ungenutzten Flächen nicht zuletzt auf die City-Passage und das Toys'R'Us-Haus am Marktplatz zurück. Bei beiden läuft bald der Abriss an, sodass sie nicht mehr in der Statistik auftauchen.

Die Spanne der Mietpreise für Lager- und Produktionsflächen hat sich binnen Jahresfrist kaum verändert. Sie liegt zwischen 3 Euro/m2 und 8 Euro/m2. Die kurzfristig innerhalb von ein bis drei Jahren noch verfügbare Gewerbefläche beziffert die Stadtverwaltung mit gut 452.000 m2. Mittel- und langfristig kommen weitere 440.000 m2 hinzu. Zu den größeren Reserveflächen gehören insbesondere das Mercedes-Gelände in der Daimlerstraße, der rund 10 ha große ehemalige Güterbahnhof und die 35 ha des ehemaligen Clariant-Geländes, alle nahe beieinander im Osten der Stadt gelegen. "Der Osten wird für die nächsten fünf bis sieben Jahre unser wichtigstes Entwicklungsgebiet für Gewerbe", sagte Amberger.

Oberbürgermeister Schneider zufolge befindet sich die Stadt weiterhin mit Clariant in konstruktiven Gesprächen, obwohl die Stadt eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme vorbereitet, die massiv in die Vermarktung der Flächen eingreifen würde. Für die ehemalige Mercedes-Niederlassung laufe ein Bieterverfahren, das innerhalb der kommenden Wochen Ergebnisse liefern soll. Direkt angrenzend, auf dem ehemaligen Gelände der Schuhfabrik Tack, steht laut Amberger die Weinheimer Unternehmensgruppe Freudenberg als Eigentümerin in konkreten Verhandlungen mit drei Interessenten für eine Nutzung. Bei einem davon handelt es sich nach Informationen der Immobilien Zeitung um das Paketlieferunternehmen DHL.

Auf dem Büromarkt hat die Stadtverwaltung an der Kaiserleistraße neben dem bereits bekannten Kauf von knapp 28.000 m2 zur Eigennutzung durch die Helaba zwei Vermietungen verzeichnet: 3.500 m2 an den Chemikonzern Evonik und rund 3.000 m2 an eine Frankfurter Mediengruppe, die öffentlich noch nicht genannt werden möchte.

Demnächst dürften weitere Flächenumsätze am Kaiserlei dazukommen. Amberger berichtete von intensiven Verhandlungen über das Objekt Nordring 150, in dem zuletzt Flüchtlinge untergebracht waren. Für das nicht weit entfernte Honeywell-Gelände (Kaiserleistraße 39) sei der Bauantrag für einen Umbau gestellt, nach dem die Flächen wieder an den Markt gehen sollen. Auch für das Anwesen der türkischen World Media Group an der Sprendlinger Landstraße im Süden der Stadt sind im Rathaus Verkaufsverhandlungen bekannt.

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