Kostenexplosion bei Stuttgart 21

Stuttgart. Das Bahnprojekt wird nochmals um eine Milliarde Euro teurer und der Tiefbahnhof wohl erst Ende 2024 fertig. Auch das Stadtquartier Rosenstein muss anders geplant werden.

Ein Gutachten für den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn brachte es letzte Woche ans Licht: Die Kosten für das Bahnprojekt steigen nochmals um mehr als 1 Mrd. Euro auf 7,6 Mrd. Euro. Zuletzt wurden 6,5 Mrd. Euro genannt, vor zehn Jahren waren es noch 2,8 Mrd. Euro. Außerdem rechnet die Bahn mit einem Risikopuffer von weiteren 300 Mio. Euro. Als Kostentreiber werden noch nicht vergebene Aufträge, geologische Risiken und die verspätete Inbetriebnahme angeführt.

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn kommentierte die Nachricht so: "Wenn die Kosten für S21 nun weiter steigen und Stuttgart 21 ab heute Stuttgart 24 heißt, sind das schwierige und schlechte Nachrichten für uns." Denn Stuttgart 21 sei nicht nur ein verkehrliches, sondern ein bedeutsames städtebauliches Projekt. Auf dem von den Gleisen befreiten Gelände, dem Rosensteinquartier, will die Stadt über 7.000 Wohnungen bauen. Dazu sollte 2018 ein internationaler städtebaulicher Ideenwettbewerb starten. Das muss der Gemeinderat nun überdenken. Denn vor 2027 wird hier nicht gebaut werden können, bis dahin wäre der Ideenwettbewerb womöglich schon wieder veraltet. Die weitere Verzögerung hat auch Auswirkungen auf das geplante Kulturquartier hinter dem Bahnhof mit Konzert- und Kongresshalle. Kuhn machte deutlich, dass eine Verschiebung der Internationalen Bauausstellung (IBA), die 2027 in Stuttgart und der Region stattfinden soll, nicht infrage komme.

Die Projektpartner von Stuttgart 21 bekräftigten, sich nicht an den Mehrkosten beteiligen zu wollen. Sowohl Kuhn wie auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonen: Bauträgerin ist die Bahn, verantwortlich sind daher die Bahn und der Bund. Die Bundestagsfraktionen von Grünen und Linken fordern den Ausstieg aus dem Projekt. In Stuttgart erhielt die etwas erlahmte wöchentliche Montagsdemonstration der Projektgegner wieder viel Zulauf. Das Bahnprojekt ist seit Februar 2010 im Bau. Der bisherige Kopfbahnhof soll durch einen Tiefbahnhof ersetzt werden und ein zehn Kilometer langer Tunnel die City mit dem Flughafen und der geplanten Schnellbahnstrecke nach Ulm verbunden werden.

Zurück zur Startseite