Rund um den Bahnhof wird aufgehübscht

So stellt sich das Architektenbüro Rapp + Rapp aus Amsterdam das neue Quartier am Hauptbahnhof in Würzburg vor. Eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus.
Quelle: Beethovengruppe, Urheber: Rapp + Rapp Architecten

Würzburg. Die Pläne für die Entwicklung des Areals rund um den Hauptbahnhof werden langsam konkret. Die Beethovengruppe schloss den Architektenwettbewerb für das frühere Postareal ab. Auch bei der neuen Multifunktionsarena und am Quellenbach tut sich etwas.

Das Entwicklungsgebiet zieht sich über mehr als einen Kilometer von den Posthallen bis hin zur Schweinfurter Straße. Bislang ist das meiste davon relativ unansehnlich, Grün- oder Brachfläche oder dient als Parkplatz. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Den Auftakt der Entwicklung macht das Bismarckquartier. Die Würzburger Beethovengruppe erwarb das rund 3,3 ha große frühere Postareal vor fast zwei Jahren vom Shoppingcenter-Betreiber Unibail-Rodamco. Ursprünglich wollte Unibail-Rodamco dort ein Einkaufszentrum entwickeln, scheiterte aber am Protest der Bürger. Die Beethovengruppe plant stattdessen ein gemischtes Stadtquartier mit insgesamt 80.000 m² Bruttogrundfläche (BGF). Etwa hälftig sollen die Quadratmeter für Wohnungen und gewerbliche Nutzungen aufgeteilt werden. Kernstück des Gewerbes sind zwei Hotels, die zusammen etwa 17.000 m² BGF umfassen. Geplant sind ein Budgethotel mit 150 bis 200 Zimmern sowie ein Hotel im Midscale-Bereich mit 100 bis 150 Zimmern. Für den Betrieb hätten sich bereits große internationale Ketten gemeldet, so Niko Rotschedl, Chef der Beethoven Development. Rund 23.000 m² BGF sind damit für Büros und Einzelhandel vorgesehen. In der Rechnung nicht enthalten ist das elfgeschossige Posthochhaus mit 10.200 m² BGF. Das soll nach dem Abschluss der Arbeiten umfassend saniert werden. Das geschehe aber nicht vor 2022, so Rotschedl.

Im Schatten des Hochhauses sind in einem zweigeschossigen Sockelgebäude etwa 9.000 m² für Büros und Einzelhandel vorgesehen. Weitere 14.000 m² sind für Büronutzungen gedacht.

Auf dem restlichen Gelände werden 300 bis 400 Wohnungen entstehen. Ob diese als Mietwohnungen an einen Investor verkauft oder als Eigentumswohnungen einzeln vermarktet werden, stehe noch nicht fest, sagt Rotschedl. Für ihn ist auch denkbar, die gesamte Entwicklung am Stück oder das Wohnen und die Gewerbeflächen im Paket an einen Endinvestor zu veräußern.

Die genaue Aufteilung zwischen Wohnungen und Gewerbe stehe noch nicht fest, sagt Rotschedl. Man wolle erst sehen, wie die Wohnungen vom Markt angenommen werden. Schließlich entsteht parallel zum Bismarckquartier auf der Konversionsfläche am Hubland ein Stadtteil für rund 5.000 Menschen.

Fest steht, wie das Neubaugebiet ungefähr aussehen wird. Die Büros Rapp + Rapp aus Amsterdam mit dem Landschaftsarchitekten Lützow 7 aus Berlin sowie Baumschlager Eberle aus Lustenau mit Planstatt Senner aus Überlingen entschieden Ende November den Architektenwettbewerb für sich. Nun müssen die Büros ihre optisch sehr ähnlichen Entwürfe nachbessern. Dann soll ein Sieger gekürt werden. Insgesamt 14 Architektur- und Stadtplanungsbüros hatten sich an dem städtebaulichen Realisierungswettbewerb beteiligt.

Bisher präsentiert sich das Gelände vor dem Posthochhaus am Würzburger Bahnhof eher unansehnlich. Das soll sich bald ändern.
Quelle: Beethovengruppe

Fortgesetzt wird die Entwicklung auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs von der Würzburger Bader-Gruppe. Im Anschluss an den Bahnhofsplatz will der Investor Gerold Bader einen Hotel- und Gewerbekomplex mitsamt einem Parkhaus errichten. Dafür muss das bestehende langgezogene sogenannte Quellenbach-Parkhaus an der Haugerglacisstraße weichen. Der Würzburger Stadtrat stimmte schon im vergangenen Jahr für den Abriss. Stattdessen sollen ein Hotel mit rund 200 Zimmern und ein Parkhaus mit bis zu 1.000 Stellplätzen entstehen. Gleichzeitig wird der momentan unterirdisch verlaufende Bach freigelegt. Derzeit arbeitet die Stadt am Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Quellenbachquartier. Gleich daneben hat die Bader Wohnbau im Oktober bereits ein Studentenwohnheim mit 521 Apartments eröffnet.

So könnten auf wenigen Metern um den Hauptbahnhof in den kommenden Jahren drei große Hotels entstehen. Ein Überangebot an Übernachtungsmöglichkeiten sieht Christian Baumgart, Stadtbaurat der Stadt Würzburg, dennoch nicht. Im Gegenteil: "Uns fehlen noch Kapazitäten", sagt Baumgart im Gespräch mit der Immobilien Zeitung.

Am Bahnhof ist auch deshalb noch Platz für weitere Hotels, da die neue Multifunktionsarena an der Grombühlbrücke konkreter wird. Seit Jahrzehnten wünscht sich die Stadt eine neue Halle für Sport, Kongresse und Konzerte. Kürzlich stellte die Stadt einen Zuschuss für die rund 30 Mio. Euro teure Arena in Aussicht. Die Würzburger Unternehmer Bernd Freier, Gründer der s.Oliver-Gruppe, und Michael Reizel, Eigentümer der Finanzberatung BVUK, wollen sich an der Stiftung, die extra für den Bau und den Betrieb gegründet wurde, beteiligen. Nun wartet die Stadt auf weitere Zustiftungen. Schon im kommenden Jahr könnte der Bau beginnen. Rund 6.000 Besucher sollen in der Halle Platz finden.

Nur auf der anderen Seite der Schienen stockt es noch. Die Stadt möchte gerne auch hier einige Grundstücke entlang der Nordtangente von der Bahn kaufen. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr hatte das Bahn- und Gewerbeareal als Standort für eine Wohnbebauung ausgemacht (siehe "Eine Stadt auf der Suche nach mehr Bauland", IZ 14/2016). Doch die Bahn ziere sich noch, heißt es aus der Stadt.

Zurück zur Startseite