Lagrande rückt den Bordsteinschwalben auf die Pelle

Mit dem Bauvorhaben Schoenegarten wird die Kurfürstenstraße weiter aufgewertet.
Quelle: Kurfürstenstraße 41-44 Grundstücks GmbH

Berlin. Vom Schmuddelkiez entwickelt sich die Gegend um die Kurfürstenstraße mehr und mehr zum angesagten Szenetreff. Das zieht nicht nur neue Bewohner in das raue, ungehobelte Stück Berlin, das lange Zeit allenfalls für seinen Straßenstrich bekannt war, sondern ruft auch Projektentwickler wie Lagrande auf den Plan. Das Berliner Unternehmen hat jetzt mit dem Bau eines ganzen Häuserblocks mit 182 Wohnungen und Geschäften begonnen.

Lange Zeit war die Gegend zwischen Schöneberg und Tiergarten, südwestlich vom Potsdamer Platz, trotz der zentralen Lage ein vernachlässigter Teil Berlins. Zu Mauerzeiten zum Westberliner Randgebiet degradiert, bot der im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Bereich reichlich viele finstere Ecken auf brachliegenden Grundstücken und den großen Parkplätzen der Möbelhäuser, die sich hier angesiedelt hatten. Das perfekte Milieu für den Straßenstrich.

Doch allmählich wird es eng für die Bordsteinschwalben, denn im Kiez wird kräftig gebaut, seit die Kunstszene aus Mitte in Richtung Potse gezogen ist, wie die Berliner die Potsdamer Straße wenig liebevoll nennen. Schicke Restaurants und Designerläden sind nachgezogen, und auch in diesem sozial schwachen Quartier schreitet die Gentrifizierung voran.

Noch aber gibt es ein spannungsgeladenes Nebeneinander zwischen ranzigen Imbissbuden, türkischen Gemüsehändlern oder Tattoo-Studios und der neuen Schickimicki-Szene. Für Jens Noack, Projektleiter bei Lagrande, ist diese Ecke der Stadt dennoch ein Stück des alten Berlins: "An der Potsdamer ist Berlin noch so, wie es vor dem Mauerfall war. Das fasziniert viele Leute", sagt er. Die Kaufinteressenten für die Wohnungen, deren Vertrieb seit September läuft, wüssten das zu schätzen.

Vor kurzem haben die Bauarbeiten für das Projekt mit dem Namen Schoenegarten begonnen, der Bezug auf die Lage an der Grenze von Schöneberg und Tiergarten nimmt. Gebaut wird auf einem knapp 7.200 m2 großen Grundstück an der Kurfürstenstraße 41-44, Ecke Genthiner Straße. Lange Zeit diente die Fläche, die ursprünglich kommunales Eigentum war, als Parkplatz für das benachbarte Möbelhaus von Hübner. Vor einigen Jahren verkaufte der Berliner Liegenschaftsfonds das Grundstück jedoch an einen privaten Investor, der die Stellfläche entwickeln wollte. Von dem wiederum erwarb Lagrande 2016 das Areal. Inzwischen gab es nach viel Hin und Her einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, weshalb Lagrande in relativ kurzer Zeit eine Baugenehmigung für seine Pläne erlangen konnte.

Etwa zwei Jahre Bauzeit kalkuliert Noack für das Projekt, in das Lagrande 80 Mio. Euro investiert. Nach dem Entwurf vom Architekturbüro Tschoban Voss entsteht eine Blockrandbebauung, die zum Gebäude von Möbel Hübner hin zu einem Karree geschlossen wird, in dessen Mitte ein rund 2.300 m2 großer, begrünter Innenhof entstehen soll. Ein weiterer Hof, der sich zur Nachbarbebauung öffnet, ist in dem L-förmigen Flügel vorgesehen, der an das Karree anschließt. Geplant sind 14 Einzelhäuser mit jeweils unterschiedlich gestalteten Fassaden. "Wir wollen, dass ein lebendiges Quartier entsteht", sagt Noack.

Das Interesse an den 47 bis 167 m2 großen Zwei- bis Vierzimmerwohnungen mit einer Geschossfläche von insgesamt 22.700 m2 sei groß, so Noack. Bislang sei die Hälfte der Wohnfläche verkauft oder reserviert. Den größten Happen verleibte sich ein globaler Investor ein, der Noack zufolge die 30 geplanten Mietwohnungen im Projekt kaufte. Doch nicht nur auswärtige Interessenten, sondern auch viele Leute, die in der Umgebung wohnen, gehörten zu denen, die eine der im Schnitt 5.800 Euro/m2 teuren Einheiten gekauft oder reserviert hätten.

Während in den oberen Etagen an der Straßenseite Wohnungen entstehen, sind im Erdgeschoss auf etwa 3.400 m2 Läden vorgesehen. Unter anderem soll es einen Nahversorger geben, der auch in den späten Abendstunden geöffnet hat. Mit der neuen Nutzung und der Belebung des bisher brachliegenden Teils der Kurfürstenstraße werde dann der Straßenstrich zurückgedrängt, glaubt Noack. Und er fügt hinzu: "Wir sind froh, dass wir nicht die Einzigen im Quartier sind, die neu bauen. Etwa 500 Wohnungen entstehen in der näheren Umgebung."

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