Mietspiegelwerte steigen in Deutschland um 2,1%

Bremen tanzt als einzige Großstadt aus der Reihe. Es hat immer noch keinen Mietspiegel.
Quelle: istockphoto.com, Urheber: bluejayphoto

Mit den weiterhin steigenden Marktpreisen klettern kontinuierlich auch die Mietspiegelwerte: Ortsübliche Vergleichsmieten haben sich in deutschen Städten im Jahr 2017 im Schnitt um 2,1% erhöht und übertrumpfen damit den Vorjahreswert (+1,8%). Das ergibt die Auswertung von F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt aus Hamburg in 347 Städten mit mindestens 20.000 Einwohnern.

Die Analysten von F+B kommen in der Untersuchung auf eine durchschnittliche ortsübliche Vergleichsmiete von 6,72 Euro/m2 (2016: 6,54 Euro/m2) in Deutschland. Zugrunde gelegt hat die Studie die Nettokaltmieten von Bestandswohnungen mit 65 m2 Fläche sowie mittlerer Ausstattung und Lage. In München liegt die Vergleichsmiete laut dem F+B-Mietspiegelindex bei 10,22 Euro/m2 und damit 52% über dem Bundesschnitt. In Stuttgart (Rang zwei) sind es 9,92 Euro/m2, Köln kommt auf 8,43 Euro/m2, Hamburg auf 8,38 Euro/m2, Düsseldorf auf 8,26 Euro/m2. Der Mietspiegelindex bilde somit auch die Marktsituation in den prosperierenden Wirtschaftsmetropolen verlässlich ab, sagt F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner.

Die ostdeutschen Städte holen auf. Wenn auch auf etwas niedrigerem Niveau, ist dieser Effekt auch in den neuen Bundesländern feststellbar. Jena, Rostock und Erfurt liegen mit Durchschnittsmieten von 6,30 bis 6,50 Euro/m2 ebenso im Schnitt der bundesdeutschen Mietspiegelstädte. Die übrigen Großstädte in den neuen Bundesländern rangieren allerdings überwiegend darunter. Potsdam hat einen Schnitt von 6,17 Euro/m2, in Schwerin und Dresden sind es 5,81 Euro/m2. Vergleichsweise günstig ist nach dieser Untersuchung dabei immer noch das Wohnen in Berlin. Dort wird im Westen ein Mietspiegelschnitt von 7,08 Euro/m2 (2016: 6,46 Euro/m2) angegeben, im Osten Berlins sind es 6,40 Euro/m2 (2016: 5,85 Euro/m2).

Untersucht nach Altersklassen ergebe sich laut F+B das bekannte Muster: Je neuer die Wohnung, desto höher die Miete. Im Mittel werden 6,52 Euro/m2 (2016: 6,15 Euro/m2) im Altbau und 8,21 Euro/m2 (2016: 8,03 Euro/m2) im Neubau gezahlt. Allerdings holten die sanierten Altbauwohnungen in den neuen Bundesländern überdurchschnittlich auf.

Laut F+B haben 13 von 14 deutschen Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern einen Mietspiegel sowie 88% aller Großstädte (ab 100.000). Bremen bildet unter den Metropolen weiterhin eine Ausnahme und gibt an, ohne Mietspiegel auszukommen.

In einer Mietspiegelerhebung werden nur die Wohnungen berücksichtigt, bei denen die Miete in den abgelaufenen vier Jahren geändert wurde. Preisgebundene Wohnungen fließen nicht ein. Die durchschnittlichen Mietspiegelwerte sollen also die Bestandsmieten auf dem freien Wohnungsmarkt wiedergeben.

Über die Erhebungsrichtlinien für die Mietspiegel gibt es allerdings seit geraumer Zeit Streit, der sich mit der Einführung der umstrittenen Mietpreisbremse (Erhöhung maximal 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete) im Jahr 2015 noch verschärft hat. So möchten SPD, Linke und Grüne im Bundestag, dass die Mieterhöhungen der vergangenen zehn Jahre in die Erhebung einfließen. Dadurch würden die Realitäten auf dem Wohnungsmarkt verlässlicher wiedergegeben. Die Mietspiegelwerte spielen nicht zuletzt eine entscheidende Rolle beim Thema Mietpreisbremse. Diese besagt, dass die Miete auf einen Wert maximal 10% über der ortsübliche Vergleichsmiete erhöht werden darf. Angekündigt hat die SPD, dass sie das Thema auf die Agenda der Koalitionsverhandlungen setzt.

Der F+B-Mietspiegelindex 2017 für Städte über 20.000 Einwohner ist als gedruckte Broschüre oder als PDF-Datei für 29 Euro inkl. MwSt. im IZ Shop erhältlich. Die Excel-Datenbankversion auf CD-ROM mit allen Mietspiegelstädten ab 10.000 Einwohner kostet 420 Euro zzgl. MwSt.

Zurück zur Startseite