Wohnungen tragen die Baukonjunktur

Wohnungen, Werkshallen, Straßen: im ganzen Land wird kräftig gebaut. Der Bauwirtschaft bringt das Zuwachs bei Umsatz und Aufträgen.
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Die Konjunktur brummt, Firmen und Staat investieren wieder. Die Baubranche zählt zu den Profiteuren des Wachstums. Sie setzt froh gestimmt ihre Umsatzprognose nach oben, weil sämtliche Sparten vom Wohnungs- bis zum Wirtschaftsbau boomen. Kleine Firmen und BIM-Verweigerer bleiben auf der Strecke.

Am deutschen Bau lief es schon lange nicht mehr so gut. Umsatzzuwächse zwischen 4% und 7%, mehr als zwei Millionen Menschen in Lohn und Brot. Dazu meist rappelvolle Auftragsbücher, ausgelastete Kapazitäten und Kunden, die deshalb Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

Die Bilanzen für 2017 liegen zwar noch nicht vor. Aber die Branchenverbände sind sich einig: Das neue Jahr 2018 wird mindestens genauso gut wie das vergangene. "Es bleibt eine gute Konjunktur. Auch über 2018 hinaus", frohlockt der stellvertretende Geschäftsführer des Hauptverbands der Bauindustrie, Heiko Stiepelmann. Nominal rechnet der Verband für die großen Firmen mit 20 und mehr Mitarbeitern für 2017 mit einem Umsatzplus von 7%. Dass dem ifo-Konjunkturtest Dezember zufolge 86% der Bauunternehmen für die nächsten sechs Monate bessere oder gleichbleibende Geschäfte erwarten, unterstreicht die gute Laune. Besser soll der Wert zum Jahresende noch nie gewesen sein.

Die in der Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB) verbündeten 385.000 kleinen und mittelgroßen Betriebe rechnen immerhin noch mit fast 4% Wachstum für 2017. Dies entspräche einem Umsatz von 315,5 Mrd. Euro und einem Plus von gut 10 Mrd. Euro im Vergleich zu 2016, wie BVB-Vorsitzender Karl-Heinz Schneider vorrechnete. Die Wachstumsprognose 2018 wird wohl nicht deutlich unter dem 2017er Wert liegen. Bislang spricht Schneider vorsichtig von "verlangsamtem" Zuwachs.

Die schwächere Zahl für die stärker handwerklich ausgelegten Kleinbetriebe ab einem Mitarbeiter aufwärts deutet auf einen gespaltenen Markt. Die Firmen werkeln vor allem im Bestand sowie im Ein- und Zweifamilienhausbau. Das Geschäft prägen private Eigentümer. Und die investieren eher bescheiden. Jedenfalls im Vergleich zu Projektentwicklern, bei denen die Großen dicke Neubauaufträge einsammeln.

"Der Wohnungsneubau ist der am dynamischsten wachsende Sektor", sagt Stiepelmann. Das werde angesichts der Nachfrage so bleiben. Zumal nach Einschätzung der Bauindustrie trotz des Baubooms 2017 weniger Einheiten fertig wurden als die von Politik und Verbänden für erforderlich gehaltenen 380.000 bis 400.000. Allenfalls 320.000 sollen es geworden sein - vielleicht sogar nur 315.000.

Das Geld, das der Bund in Straßen und Schienen steckt, sorgt ebenfalls für gute Auslastung aktuell und künftig. Die Branche spekuliert darauf, dass die Einnahmen aus der geplanten Autobahn-Vignette in den Straßenbau fließen. Das produzierende Gewerbe setzt das Sahnehäubchen auf. Weil Unternehmen wegen der florierenden Wirtschaft Erweiterungen planen, beauftragen sie neue Fabriken und Werkstattgebäude. Das bescherte dem zuvor vor sich hindümpelnden Wirtschaftsbau ein Auftragsplus von mehr als 5%. "Mit der Expansion hatten wir nicht gerechnet", räumt Stiepelmann ein.

Der Fachkräftemangel könnte zum Wachstumsbremser werden. Denn den Baufirmen gehen langsam die Mitarbeiter aus, die all die Aufträge erledigen sollen. Zwar planen die Betriebe Neueinstellungen, aber "in weiten Teilen haben wir mit einem Engpass zu kämpfen", hat BVB-Chef Schneider festgestellt.

Die Bauindustrie untermauert dies mit Zahlen. Jedes Jahr gehen rund 15.000 Kräfte in Rente, lediglich 10.000 bis 11.000 Auszubildende fangen neu an. Verschärfend kommt für kleinere Betriebe hinzu, dass es für sie im Unterschied zu größeren schwieriger ist, in Spitzenzeiten ausländische Subunternehmen einzubinden.

Große Firmen werden dagegen auf der Verliererseite stehen, wenn sie nicht rechtzeitig auf digitales Bauen und Planen (Building Information Modeling, BIM) umstellen. "Das ist eine enorme Herausforderung und zentral für Produktivitätssteigerung", mahnt Stiepelmann. In der Zusammenarbeit mit privaten Bauherren spielt BIM kaum eine Rolle. Dafür haben Ein- und Zweifamilienhauserrichter ein Generationenproblem: Nachfolger sind rar, das Aussterben droht.

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