Darmstadt testet, was digitale Stadtentwicklung bedeutet

Darmstadts Stadtentwicklungsleiter Michael Kolmer erläutert Michael Kreutzer (Fraunhofer-Institut), Konstantin Kolb (Kolb + Partner) und Carlo Schöps (TwoRivers) das Konzept der digitalen Modellstadt (v.l.n.r.).
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Darmstadt wurde Mitte 2017 vom Verband Bitcom und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund zur digitalen Modellstadt gekürt. Neue Verkehrskonzepte spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Darmstadt setzt alle Hoffnung auf ein digitales Mobilitätskonzept. "Wir wollen 10.000 zusätzliche Wohnungen bis 2020. Den zusätzlichen Verkehr werden wir nicht in gleichem Maße wie bisher mit dem Pkw abwickeln können", sagte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Bündnis 90/Die Grünen) auf dem Heuer-Immobiliendialog in Darmstadt am vergangenen Freitag.

Ein Fokus der Veranstaltung lag auf den Konsequenzen aus Darmstadts Titel als digitale Modellstadt, den die Kommune 2017 vom Verband Bitcom und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund erhalten hatte. Aus der damit verbundenen Förderung durch mehr als 20 Partnerunternehmen ergeben sich in den kommenden Jahren zahlreiche Projekte, mit denen die hessische Stadt Vorbild für andere Gemeinden werden könnte.

Kernstück der digitalen Bemühungen ist es laut OB Partsch, die Bürger mittels vernetzter Mobilitätsangebote vom Individualverkehr wegzubringen. "Sonst droht der Verkehrskollaps", ergänzte Verkehrsdezernentin Barbara Boczek. Zurzeit benötigt der Bürger allein für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel jeweils eine App der Deutschen Bahn, des Verkehrsverbundes RMV und des lokalen Darmstädter Anbieters Heag mobilo. Dem Oberbürgermeister hingegen schwebt eine integrierte Mobilitäts-App für alle Verkehrsmittel vor, inklusive Leihfahrrad und Carsharing. "Das ist kein grünes Thema mehr", sagte er. "Alle OBs in urbanen Wachstumszentren haben das gleiche Problem."

"Digitalisierung ist für die Stadtentwicklung weder gut noch schlecht", betonte Stadtentwicklungsleiter Michael Kolmer. So sei die Zunahme des innerstädtischen Lieferverkehrs durch den Onlinehandel ein Problem, digitale Verkehrsleitsysteme könnten hingegen Entlastung bringen. In Darmstadt wird bereits der Status aller Ampelanlagen der Stadt zentral und in Echtzeit erfasst. Das soll künftig auch für Faktoren wie Luftqualität oder Lautstärke möglich sein und ließe sich ebenfalls in entsprechende Leitsysteme umsetzen. Wenn zudem E-Mobilität und autonomes Fahren an Bedeutung gewinnen und weniger Parkplätze nötig sind, kann sich Kolmer sogar eine Rennaissance innerstädtischer Flaniermeilen vorstellen. Schwer abzuschätzen ist nach Ansicht des Stadtentwicklungsleiters, wie sich der Büroflächenbedarf durch die Digitalisierung ändert. "IT-Unternehmen könnten Vorreiter für Telearbeit und flexible Nutzungskonzepte sein, aber kaum eine andere Branche klumpt dermaßen an einzelnen Standorten zusammen. Nicht dass uns das als Stadt mit vielen IT-Unternehmen nicht freut", fügte er hinzu.

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