Investmentmarkt legt um über 50% zu

Der Neubau für die Deutsche Bahn geht seiner Fertigstellung entgegen.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Friedhelm Feldhaus

Hannover. Der Investment- sowie Büroflächenmarkt haben in der niedersächsischen Hauptstadt 2017 lebhaft geschlossen. Am Investmentmarkt sorgte Intown Invest mit Portfoliokäufen für Umsatz. Hier liegt die Spitzenrendite inzwischen bei 4%. Auf dem Büromarkt fehlt es an großen Flächen. Es werden 2018 steigende Spitzenmieten erwartet.

Mit einem Umsatz von 727 Mio. Euro hat der hannoversche Investmentmarkt nach Zahlen von Engel & Völkers Commercial 2017 gegenüber dem Vorjahr um 56% zugelegt. Den höchsten Anteil am Transaktionsvolumen hatten mit 53% Büroimmobilien. Hier kletterte der Umsatz um Zweidrittel auf 385 Mio. Euro.

Zu diesem Schub hat auch der Zuwachs bei Portfolioverkäufen beigetragen. Besonders aktiv war die Intown Invest. Mit dem 1,2 Mrd. Euro schweren, bundesweiten Apollo-Portfolio erwarb das internationale Investorenkonsortium mit israelischen Wurzeln in Hannover unter anderem das Allianz-Hochhaus am Königsworther Platz sowie die Karl-Wiechert-Allee 18, das künftige Interimsquartier der Ärztekammer. Zudem erwarb Intown den Pelikan-Altbau an der Podbielskistraße sowie das Solvay-Gebäude an der Hans-Böckler-Allee von Peakside Capital.

Mit einem Plus von 169% einen Umsatzsprung machten auch Hotels mit 137 Mio. Euro als zweitstärkste Assetklasse. Hierzu trägt das Sheraton-Hotel auf dem Pelikan-Areal bei. Größter Einzeldeal ist der Verkauf des neuen Star-Inn-Hotels an Bavaria Investments. Auf Rang 3 liegen Logistikimmobilien mit 110 Mio. Euro, die gegenüber 2016 einen um 15% höheren Umsatz erzielten. 2016 mit 135 Mio. Euro noch auf Rang 2 beim Umsatz, fielen Einzelhandelsimmobilien 2017 mit einem Minus von 30% auf 95 Mio. Euro und Rang 4 zurück.

"Core-Investoren kommen gerne nach Hannover", erklärt Christian Palis, Engel & Völkers Commercial Hannover. "Allerdings werden nicht viele Core-Immobilien gehandelt, weil nicht viele gebaut werden." Kommen welche auf den Markt, werden sie rasch absorbiert. Beispiel ist der Neubau für die Deutsche Bahn am Hauptbahnhof, den Entwickler Kölbl Kruse im Dezember 2015 noch vor Baubeginn für über 80 Mio. Euro an Savills Investment Management verkaufte.

Aus diesem Deal entsteht wohl das nächste Core-Projekt. Die Deutsche Bahn bezieht den Neubau noch in diesem Jahr und verlässt dafür die Joachimstraße 8, ebenfalls in direkter Nachbarschaft zum Bahnhof. Die Immobilie aus den 1970er Jahren gehört seit Ende 2015 J.P. Morgan, die das 22.000 m2 große Gebäude für den Bereich Jugend und Familie der Stadt Hannover umbauen.

Dieser Mietvertrag war 2017 der größte in Hannover - und sorgte für den Zuwachs gegenüber dem Büroflächenumsatz von 2016. Der belief sich auf 120.000 m2, während im vergangenen Jahr 130.000 m2 umgesetzt wurden - ein Plus von gut 8%. "Wir haben seit Jahren einen Vermietungsumsatz von 110.000 bis 120.000 m2", erläutert Hilmar Engel, Region Hannover. "2017 sind noch zwei Eigennutzerumsätze hinzugekommen - anders als in den Jahren davor."

Der größte dieser Eigennutzer ist der Automobilzulieferer Wabco, der im Lindener Hafen mit dem Bau des 11.500 m2 großen Wabco Engineering Innovation Center begann - der zweitgrößte Umsatz 2017. Für den drittgrößten Umsatz sorgte der Neubau für Siemens, die 2019 mit 750 Mitarbeitern von der Hildesheimer Straße in einen 10.000 m2 großen Bau an der Karlsruher Straße umziehen - nahe am Messegelände.

Allerdings ist das Flächenangebot in Hannover übersichtlich. "Wenn jemand 3.000 m2 sucht und Wert auf moderne Ausstattung sowie Lage legt, haben wir ein Problem", so Palis. "Der Leerstand ohne unvermietbare Flächen liegt bei 3%." Daher erwartet Palis, dass sich die aktuelle Spitzenmiete von 15 Euro/m2 erhöht. "Die Mieter werden sich an 16 oder 17 Euro/m2 gewöhnen müssen."

Einen Lichtstreif am Cityrand bietet der Neubau von List Retail Development an der Vahrenwalder Straße. In direkter Nachbarschaft zum Continental-Werk geht in Kürze ein 25.000 m2 großes, fünfgeschossiges Büro- und Geschäftsgebäude in den Bau. Für 2018 erwarten Engel und Palis einen Umsatz wie 2017. Allein der Baustart der Continental-Zentrale sorgt für einen Eigennutzerumsatz von über 30.000 m2.

Zurück zur Startseite