Logistik schwimmt auf einer Nachfragewelle

Immer mehr verschicken, immer mehr verladen: Der Boom des E-Commerce befeuert den Logistikmarkt in Rhein-Main.
Quelle: Bilderbox.com, Urheber: Erwin Wodicka

Rhein-Main. Der Logistikmarkt hat 2017 mit einem Umsatz von 769.000 m2 einen Spitzenwert erreicht. Die überproportionale Zunahme von Vermietungen in Projektentwicklungen deutet darauf hin, dass die Nutzer es immer eiliger haben, sich Flächen zu sichern.

Dieses Ergebnis, das Vermietungen und Inbetriebnahmen durch Selbstnutzer umfasst, überschreitet dem Maklerhaus NAI apollo zufolge den bisherigen Spitzenwert aus dem Jahr 2014 um 16.000 m2. BNPPRE zählt etwas anders und kommt auf 673.000 m2 Umsatz. Nach dieser Rechnung war schon 2016 ein Rekord erreicht, der nun noch einmal um 81.000 m2 überschritten wurde. Einig sind sich beide Researchabteilungen, dass der Markt von Großabschlüssen ab 10.000 m2 getragen wird. Transaktionen in dieser Flächenkategorie standen laut NAI apollo für einen Umsatz von 445.000 m2, was einen Zuwachs um 64,9% in diesem Segment gegenüber 2016 bedeutet. Als Ursache des rasanten Wachstums macht Konrad Kanzler, Head of Research bei NAI apollo, den Boom des E-Commerce aus.

Im Branchenvergleich entfiel ihm zufolge 2017 auf Transport-, Lager- und Logistikdienstleister ein Anteil am Flächenumsatz von 42,4%, gefolgt vom Handel mit 31,1% und von Industrieunternehmen mit 15,7%. Größte Einzelabschlüsse waren laut BNPPRE die Mietverträge von Kraftverkehr Nagel in Trebur (43.000 m2), von Gorilla Sports auf dem ehemaligen Südzucker-Areal in Groß-Gerau (35.000 m2) und von Bosch Thermotechnik in Butzbach (34.000 m2).

Der Gesamtmarkt teilt sich nach Berechnung von NAI apollo auf in 47,5% Mietverträge in Bestandsobjekten, 41,6% Mietverträge in laufenden Projektentwicklungen und 10,9% Eigennutzerkäufe und -entwicklungen. Während der Anteil der Eigennutzungen gegenüber 2016 um 16,2 Prozentpunkte gesunken ist, legte der Projektentwicklungsmarkt um 13,7 Punkte zu. Weiterhin dominiert die Teilregion zwischen Main und den Autobahnen 5 und 63 im südwestlichen Rhein-Main-Gebiet den regionalen Logistikmarkt. Dort wurde 42,6% des Flächenumsatzes generiert. BNPPRE ermittelt die Spitzenmiete trotz der sehr guten Nachfrage unverändert mit 6,30 Euro/m2, ebenso die Durchschnittsmiete mit 4,90 Euro/m2.

NAI apollo geht davon aus, dass das Marktgeschehen 2018 rege bleibt. Am Ende des Jahres werde ein Ergebnis von deutlich mehr als den 552.000 m² stehen, die das langjährige Mittel in der Region darstellen. "Erhöhte Marktaktivitäten werden 2018 auf dem ehemaligen Südzucker-Areal in Groß-Gerau, dem ehemaligen Fliegerhorst in Erlensee und dem ehemaligen Mitsubishi-Areal in Trebur erwartet", sagt Michael Weyrauch, Head of Industrial Letting and Transaction bei NAI apollo. Darüber hinaus entstünden in Gernsheim und Egelsbach sowie mit mehreren Projekten von Segro große Logistik- und Gewerbeflächen, die teils spekulativ entwickelt werden.

BNPPRE hält sogar für möglich, dass erneut die Marke von 600.000 m2 Flächenumsatz überschritten wird. "Limitierend könnte sich in erster Linie ein nicht ausreichendes Angebot an großflächigen, modernen Flächen auswirken. Bei der Spitzenmiete ist eine stabile Entwicklung das wahrscheinlichste Szenario, wohingegen sich bei den Durchschnittsmieten ein Anstieg abzeichnet", sagt Christopher Raabe, Head of Industrial Letting bei BNPPRE.

Zurück zur Startseite