Die letzten Lücken im Visier

Darmstadt. Die Stadt kommt mit der Planung neuer Wohngebiete kaum hinterher. Der Masterplan 2030 soll es richten. Ein neues Projekt entsteht am Marienplatz.

Darmstadt hat es nicht einfach. Die Einwohnerzahl hat 2017 die Marke von 160.000 überschritten, bis 2035 könnten es nach den aktuellen Prognosen 184.000 sein. Bis zu 10.000 neue Wohnungen soll es bis 2020 geben, wie Baudezernentin Barbara Boczek (Die Grünen) auf einer Veranstaltung von Heuer Dialog erläutert. Doch da gibt es einen Haken: die Lage der Stadt. Im Norden gibt es Siedlungsbeschränkungen wegen des nahen Frankfurter Flughafens, im Süden viel Grün, das unter Naturschutz steht. In einem Masterplan 2030 erarbeitet die Stadt derzeit zusammen mit den Bürgern, wie sie wachsen kann und die Darmstädter in zehn Jahren wohnen, leben und arbeiten werden.

Derzeit hat die Stadt beispielsweise einen Wettbewerb zu einer ihrer letzten Baulücken in der Innenstadt gestartet. Dabei geht es um den 1,4 ha großen Marienplatz, der sich von einem Parkplatz zu einem Wohnquartier wandeln soll. Arbeitsgemeinschaften aus Stadtplanern und Investoren können nun Vorschläge für das Areal an der Heidelberger Straße südwestlich des Stadtzentrums einreichen. Fünf Arbeitsgemeinschaften sind bereits gesetzt, weitere 15 sollen unter den Bewerbern ausgewählt werden.

Vorgaben sind eine dichtere Bebauung als in der unmittelbaren Umgebung, 25% sozialer Wohnungsbau und 20% geförderte Wohnungen über das Mittelstandsprogramm. In der Vergangenheit war das Areal auch als Standort für einen Rathausneubau im Gespräch gewesen. 2007 waren Verhandlungen mit der Deutschen Immobilien Leasing über eine Entwicklung zum Mischquartier endgültig aufgegeben worden, nachdem diese sich jahrelang ergebnislos hingeschleppt hatten.

Darüber hinaus setzt Oberbürgermeister Jochen Partsch große Hoffnung auf Konversionsflächen. Vor allem die Starkenburgkaserne hat er im Auge. Trotz seiner grünen Ausrichtung ist Partsch klar, dass die Bundeswehr ihre Panzer irgendwo reparieren muss. "Aber muss das mitten in Deutschland sein?", fragt er sich. Derzeit gibt es Gespräche mit der Bundesregierung über eine mögliche Umnutzung des Geländes. Eine allzu schnelle Lösung sei aber nicht zu erwarten, bremst Boczek.

Was den Oberbürgermeister außerdem umtreibt, ist der Straßenverkehr, der mit jedem neuen Wohnprojekt zunimmt. Künftig, so ist sich Partsch sicher, kann der Verkehr nicht mehr im gleichen Maße mit dem Pkw abgewickelt werden wie bisher. Denn "sonst droht der Verkehrskollaps", fügt Boczek hinzu. Die Lösung könnte in intelligenten Konzepten liegen, die digitale Verkehrssteuerung mit universellen Apps verbinden, über die sich der Bürger das Verkehrsmittel suchen kann, das gerade am geeignetsten ist. Da trifft es sich gut, dass Darmstadt vergangenes Jahr den Titel der digitalen Modellstadt erhalten hat.

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