Kommerz verdrängt Tradition

München. Der FC Bayern München eröffnet im Schatten der Frauenkirche einen riesigen Fanshop. Dafür muss eine Traditionsgaststätte weichen.

Die Immobiliengesellschaft Nymphenburg Immobilien baut die Münchner Innenstadt weiter um. Jetzt verlängerte die Gesellschaft, die für die Familie des früheren Bankiers August Baron von Finck Immobilien in München verwaltet, den Pachtvertrag mit der Traditionsgaststätte Andechser am Dom nicht mehr. Das Lokal in der Weinstraße 7 wird Mitte des Jahres schließen, teilte die Andechser Brauerei mit.

Als Grund nennt die Brauerei, dass der Eigentümer die Gebäude in der Weinstraße 7 und 7a neu gestalten wolle. Nun meldeten Münchner Zeitungen übereinstimmend, dass die Nymphenburg Immobilien den Fußballverein FC Bayern München als Nachmieter gewonnen hat. In der Weinstraße 7a wolle der Verein auf 2.800 m² einen Flagship-Store für den Verkauf von Fanartikeln einrichten. Dafür müsste die Parfümeriekette Douglas, die derzeit noch Mieter ist, weichen. Im angrenzenden Haus, das derzeit den Andechser am Dom beherbergt, wolle der Verein weiter eine Gastronomie betreiben. Der Abriss und Umbau der Gebäude soll bis 2021 abgeschlossen sein.

Zuletzt war spekuliert worden, dass ein Modekonzern in die neuen Flächen einziehen könnte. Die Münchner CSU appellierte daraufhin in einem offenen Brief an den Baron, er solle bei der Neuentwicklung das "München-typische" beachten. Die Innenstadt sei "immer mehr von einer lieblosen und austauschbaren globalen Kommerzialisierung geprägt". Die Tradition bleibe auf der Strecke. Nachdem feststeht, wer der neue Mieter ist, fallen die Kommentare erwartungsgemäß positiver aus. Dabei zieht mit dem FC Bayern ein Unternehmen ein, das wie kaum ein anderes im Fußballgeschäft auf die globale Kommerzialisierung setzt.

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