Virtuelle Gebäuderundgänge sind längst nicht perfekt

Ein Techniker von BNP Paribas Real Estate testet auf der Mipim das Holoportation-Set des Unternehmens. Die VR-Brille ermöglicht das Eintauchen ins 3D-Modell, die beiden Controller in den Händen dienen dazu, sich dort zu bewegen und Gegenstände virtuell zu benutzen. Die Kamera auf der rechten Bildseite filmt den Anwender, dessen Bild in Echtzeit in das 3D-Modell projiziert wird.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

BNP Paribas Real Estate führte auf der Mipim seine Holoportation-Technologie vor. Erstmals können zwei voneinander entfernte Nutzer sich virtuell begegnen, die nötige Digitalbrille bleibt jedoch gewöhnungsbedürftig. Über die Qualität des Gesamterlebnisses entscheidet die verwendete Bildtechnik.

Im mondänen Strandcafé an der Croisette zeigte BNP Paribas Real Estate (BNPPRE) im Rahmen der Mipim den neuesten Streich in Sachen Visualisierung. Die Technik trägt den Namen Holoportation, ein Kofferwort aus Hologramm und Teleportation. Dabei taucht der Besucher nicht nur selbst in eine virtuelle Realität (VR) ein, sondern begegnet dort dem Abbild des Maklers. So lässt sich ein Gebäude wie in einem Computerspiel gemeinsam durchwandern, selbst wenn beide Personen real weit voneinander entfernt sind. Zudem können über zwei Controller, die jeder Teilnehmer in der Hand trägt, Gegenstände im 3D-Modell gegriffen werden, um z.B. mit einem virtuellen Stift Planänderungen farbig zu markieren.

Das System hat noch seine Tücken, was die Entwickler auch einräumen. Die VR-Brille ist recht schwer, was längeres Tragen zu einer unangenehmen Erfahrung macht. Außerdem sieht der Nutzer im Modell stets nur auf die VR-Brille des Gegenübers statt in dessen Gesicht, das hinter ihr verborgen liegt. Das gibt den Personen, die sich virtuell begegnen, ein roboterhaftes Aussehen. Zwar ist es bereits möglich, das Gesicht abzufilmen und ins Modell zu projizieren, in diesem Fall wäre jedoch eine zusätzliche Person als Operator nötig.

Enrico Kürtös ist Chef des Karlsruher Unternehmens Inreal, das Neubauprojekte visualisiert. Er ist von der Brillentechnik bisher nicht überzeugt: "Die meisten Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, verzichten beim virtuellen Rundgang ganz bewusst auf VR-Brillen." Beamer und großflächige Monitore sind stattdessen gefragt. Neben dem Gewicht der Brille stören sich viele Anwender laut Kürtös an der Verkabelung, die die Bewegungsfähigkeit einschränkt, oder haben hygienische Bedenken.

Doch die Technik entwickelt sich. "Ich kann mir vorstellen, dass die Nutzung von VR-Brillen für den Einzelnen komfortabler wird, wenn leichtere und vor allem kabellose Produkte auf den Markt kommen", sagt Kürtös. An einem Problem ändert das jedoch nichts: Wollen sich alle Besucher des Modells in der virtuellen Welt begegnen, wäre für jeden das gesamte Ausrüstungspaket erforderlich. BNPPRE jedenfalls setzt darauf, dass die Brillen als günstiges Freizeitelement irgendwann in jedem Haushalt zur Verfügung stehen.

Für das Gesamterlebnis des Rundgangs sind ohnehin die zugrunde liegenden Bilddaten wichtiger als das Abspielgerät. Während diese Daten für künftige Gebäude von Grafikern aus den Plänen erstellt werden, lassen sich Bestandsimmobilien einfach abfilmen. Die Qualität hängt von der verwendeten Kameratechnik, der Anzahl der im 3D-Modell erfassten Bildpunkte und der Rechenleistung der dahinterliegenden digitalen Plattform ab. BNPPRE setzt dafür auf den US-Anbieter Matterport. Um die Matterport-Plattform ein 3D-Modell erstellen zu lassen, benötigte der Anwender bisher die rund 2.500 Euro teure Kamera des Unternehmens oder musste jemanden, der sie besitzt, mit dem Aufnehmen der Räume beauftragen.

Matterport hat jedoch erkannt, dass die hauseigene Kameratechnik nicht für alle Immobilienarten die richtige Lösung sein muss, möchte aber trotzdem seine Plattform als Standard für die Branche etablieren. Daher öffnet sich das Unternehmen für andere Hersteller, mit Leica wurde im Januar eine Kooperation verkündet. Die Daten aus Leicas Laserscanner BLK360 kann Matterport nun ebenfalls verarbeiten. Das kann für großflächige Immobilien wie Lagerhallen oder Einkaufszentren sinnvoll sein, bei denen die Aufnahme mit der Matterport-Kamera zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde.

Keine Konkurrenz sieht der Matterport-Direktor für die Region Emea, James Morris-Manuel, durch Anbieter, die Daten aus 360-Grad-Handykameras verarbeiten, und das zu wesentlich kleineren Preisen als Matterport. "Das Ergebnis ist keine echte 3D-Ansicht, auch wenn es teilweise so vermarktet wird", sagt Morris-Manuel. In Deutschland haben die Amerikaner noch viel vor. Seit Dezember gibt es eine Kooperation mit ImmobilienScout24, wo bisher die günstigeren 360-Grad-Ansichten das Maß der Dinge waren. Morris-Manuel hofft nun, dass sich die Qualität der Matterport-Visualisierung durchsetzt.

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