"Investoren wollen mehr Daten"

Die Immobilienbranche muss den Endnutzer besser verstehen, sagt Altus-CEO Robert Courteau.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Ulrich Schüppler

Die breite Anwendung von Datenanalyse verändert die Rolle der Investment-Manager, sagt Robert Courteau, CEO des kanadischen Beratungsunternehmens Altus Group.

Es sei kein Zufall, so erklärt uns Courteau auf der Mipim, dass die Immobilienbranche gerade jetzt so viel über die Digitalisierung rede: "Wer ein weltumspannendes Portfolio verwaltet, sieht sich zunehmendem Druck seitens der Investoren ausgesetzt, die Anlagerisiken international vergleichbar zu machen. Dafür sind entsprechende Daten unabdingbar." Diese Daten stammen im Wesentlichen aus zwei Quellen: einmal aus dem Gebäudebetrieb, zum anderen von den Immobiliennutzern selbst. Mit dem letztgenannten Teil der Datenerhebung tue sich die Branche noch schwer, da er nicht zu ihrer historisch gewachsenen Kernkompetenz gehöre.

"Die Immobilienbranche wird lernen müssen, den Endnutzer besser zu verstehen", führt Courteau weiter aus. Wer heute ein Bürogebäude mit Tiefgarage plant, sollte wissen, wie viele Mitarbeiter im Schnitt anwesend sind, ob sie überhaupt ein Auto besitzen oder ob sie eine Ladestation für E-Mobilität benötigen. Nur mit diesen Informationen lasse sich der benötigte Parkraumbedarf gut abschätzen und eine Fehlinvestition vermeiden. "Eine zu große Tiefgarage macht eine Büroimmobilie unnötig teuer", sagt Courteau.

Für seinen aktuellen Innovation Report hat Altus rund 400 Entscheider von Bestandshaltern weltweit befragt, sowohl solche mit Schwerpunkt auf dem Property-Management als auch auf dem Investment-Management. Das verwaltete Vermögen musste dabei mindestens umgerechnet 250 Mio. USD betragen, um in die Studie aufgenommen zu werden. Über 50% der befragten Unternehmen rechnen damit, dass sich die meisten Bearbeitungsprozesse bei Kauf, Verkauf und Verwaltung von Immobilien automatisieren lassen. Mehr als zwei Drittel sind der Meinung, dass sich ihre operativen Kosten besser mit den Wettbewerbern vergleichen ließen, wenn sie nur bessere Daten hätten.

"Die Branche sieht langsam, welche Macht die Technologie haben kann", erläutert Courteau. Vorreiter seien die großen Internetfirmen wie Amazon und Google gewesen. Diese hätten gezeigt, welche Informationen sich aus der Datenflut der Endnutzer ableiten lassen. Am Beispiel von Amazon zeige sich jedoch, wie stark die Digitalisierung Geschäftsmodelle verändert. "Amazon ist inzwischen mehr ein IT-Unternehmen als ein Handelskonzern", sagt Courteau.

Die Immobilienbranche sollte seiner Meinung nach nicht versuchen, die Internetgiganten zu kopieren, sondern von ihnen lernen. Die Verfügbarkeit von Daten ändere die Erwartungshaltung der Nutzer und damit die Rolle des Investment-Managers. Mietern, die gewohnt sind, alle Prozesse per Smartphone zu steuern, seien umständliche und langwierige Verwaltungsprozesse rund um die Immobilie nicht mehr zu vermitteln. Design, Verbrauchsoptimierung, Marketing - alle diese Aspekte müssen laut Courteau durch die Digitalisierung auf den Prüfstand.

Vor übertriebener Heilserwartung rät der Altus-Chef ebenso ab wie vor einer Vogel-Strauß-Mentalität. Die Mehrzahl der befragten Entscheider aus dem Innovation Report erwartet weder von Virtual Reality noch von der Blockchain-Technologie oder selbstfahrenden Autos große Rückwirkungen auf die Immobilienbranche. Es lohne sich jedoch, diese Entwicklungen weiter im Auge zu behalten, sagt Courteau: "Neue Technologien kommen anfangs in kleinen Schritten, aber langfristig werden sie dabei helfen, Reibungsverluste bei Immobilientransaktionen zu verringern."

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