Smart-Home-Anbieter öffnen sich für Google, Apple & Co.

Tür auf, Tür zu: Smartphonenutzer steuern ihr Heim gerne über eine einheitliche App.
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Produzenten von Bauteilen zur Gebäudeautomatisierung bekamen Kundenvorlieben bisher auf Umwegen mit. Das ändert sich durch den Wunsch, alles per Smartphone zu steuern.

Mit Mietern oder Bauherren hatte Andreas Picken bisher nur höchst indirekt zu tun: "Unser Hauptansprechpartner ist der Handwerker, der unsere Produkte einbaut", sagt der Marketingleiter des börsennotierten französischen Elektrotechnikkonzerns Legrand am Stand seines Unternehmens auf der Fachmesse Light + Building. Aber auf die Anforderungen der Endkunden müssen Hersteller wie Legrand inzwischen dennoch äußerst zielgerichtet reagieren. Die nämlich wollen alle Teile der Gebäudetechnik zunehmend komplett über ihre bevorzugte Anwendung steuern, sei es über das Apple Home Kit, über Google Home oder Amazons Sprachassistent Alexa. Legrand hat daher unter dem Motto "Works with Legrand" eine Initiative gestartet, um möglichst viele Teileproduzenten und Internetkonzerne in der hauseigenen Cloud zusammenzubringen, in der alle Geräte ihre Daten austauschen können.

Andere Hersteller von Smart-Home-Plattformen wie digitalstrom und Anbieter der verschiedenen Funkstandards arbeiten in die gleiche Richtung: Künftig wird nahezu jedes Gerät per sicherer Funkverbindung mit unterschiedlichsten Plattformen kommunizieren können. Das könnte die Verbreitung von Smart-Home-Anwendungen bedeutend beschleunigen.

Der Gebäudenutzer, der Funktionen wie Beleuchtung, Klima, Zugangskontrolle oder Beschallung stets über seine Lieblingsapp steuert, kriegt wenig von den Integrationsbemühungen mit, die die Industrie derzeit im Hintergrund leistet. Plötzlich müssen beispielsweise die Schalter und Steuerungen eines Herstellers mit Schließanlagen, Videokameras und Ladestationen anderer Produzenten Daten austauschen. Das Internet der Dinge ist für die Teilefertiger damit längst Realität. "Auf einmal sind Drittanbieter mit unseren Produkten verknüpft, an die wir vor zehn Jahren nie gedacht hätten", sagt Picken und nennt als Beispiel den Autohersteller Renault, mit dem Legrand sich bei Ladesäulen für Elektroautos abstimmt.

Der Bauherr, so erklärt Picken, dürfe mittlerweile erwarten, dass er das elektronische Türschloss bei einem Hersteller erwerben kann, die Überwachungskamera beim zweiten und die Steuerungseinheit beim dritten und dass sie alle nahtlos zusammenarbeiten. Dann ist es für den Gebäudenutzer zum Beispiel nicht nur möglich, über das Handy zu sehen, wer vor der Tür steht, sondern ihn bei Bedarf auch einzulassen, damit ein Bote etwa ein Paket im Vorraum abstellen kann.

Eine in Kundenumfragen häufig geäußerte Sorge besteht darin, dass dieses Zusammenspiel der Komponenten den Einbau kompliziert und damit teuer machen könnte. Picken winkt ab: "Für den Elektriker hat sich an der dahinterliegenden Technik nichts geändert." Jedes Bauteil wird mit einem QR-Code geliefert, den der Installateur nach erfolgtem Einbau einmal mit seinem Tablet oder Handy scannt und mit dem ebenfalls auf dem Teil aufgedruckten, einmaligen Sicherheitscode in seiner mitgelieferten Installations-App bestätigt. Schon verbindet sich das Bauelement selbstständig über seine sichere Funkverbindung mit dem Gebäudenetzwerk und der Nutzer kann über seine App darauf zugreifen. "Letztlich sind solche Lösungen für den Endkunden durch die einheitliche Steuerung einfacher als bisher", erklärt Picken.

Es bleibt die Frage nach der Verbindungssicherheit bei Komponenten, die selbst nicht ans Stromnetz angeschlossen sind. Doch auch in diesem Punkt zeigte die Light + Building, wo die Reise hingeht: Der Funkstandard EnOcean beispielsweise verwendet wartungsfreie und batterielose Funkschalter. Die dafür benötigten, äußerst geringen Strommengen liefern sogenannte Energiewandler, die kleinste Unterschiede in der Umgebungstemperatur, Vibrationen oder Luftströmungen nutzbar machen können. Der Zigbee-Standard hingegen setzt auf extrem geringen Energiebedarf der Schalter, die dann mehrere Jahre ohne Akkuwechsel funktionieren.

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