Wohnen ist jetzt überall teuer

Eine Altbauwohnung im Zentrum von Köln? Praktisch unbezahlbar. Doch auch in allen ländlichen Regionen von NRW stiegen die Wohnungspreise.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Thorsten Karl

Nordrhein-Westfalen. Es ist soweit: Im vergangenen Jahr stiegen im gesamten Bundesland die Wohnimmobilienpreise. Die Nischen oder bislang wenig gefragten Teile des Landes wurden vom Preisanstieg mittlerweile auch erfasst. Das ist das Ergebnis der alljährlichen Untersuchung des IVD West.

Wer in Nordrhein-Westfalen (NRW) günstig wohnen will, der bleibt am besten dort, wo er gerade ist. So in etwa lässt sich die Entwicklung auf dem Wohnimmobilienmarkt des bevölkerungsreichsten Bundeslands zusammenfassen. "Der Markt entwickelte sich im vergangenen Jahr insgesamt uneinheitlich, aber einheitlich steigend", fasst es Axel Quester, der 1. stellvertretende Vorsitzende des IVD West, zusammen. "Der Preisanstieg ist mittlerweile überall in Nordrhein-Westfalen angekommen. Selbst im hintersten Ort im Sauerland."

Am stärksten stiegen die Kaufpreise für Wohnimmobilien jedoch in den Speckgürteln rund um die nordrhein-westfälischen A-Standorte. In den A-Standorten selbst war der Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren eher moderat - mit Ausnahme von Düsseldorf. Hier sind die Kaufpreise in allen Immobiliensparten binnen Jahresfrist im zweistelligen Prozentbereich angestiegen. Satte 24% - also um fast ein Viertel - wurden Neubau-Eigentumswohnungen in sehr guter Lage teurer. Zum Vergleich: Den zweithöchsten Preisanstieg der NRW-Großstädte in diesem Segment verzeichnete Bochum mit gerade einmal 8%.

Der Düsseldorfer Markt war schon in den vergangenen Jahren von extremen Preissteigerungen gekennzeichnet. Die Hoffnung, dass in der Landeshauptstadt mittlerweile das Ende der Preisspirale erreicht ist, wird enttäuscht. In Düsseldorf sei, so Quester, das Angebot immer noch für die Nachfrage einer wachsenden Stadt zu knapp bemessen. "Trotz aller politischen Bekundungen ist die Zahl der Baugenehmigungen in Düsseldorf noch einmal zurückgegangen." Als Folge zögen immer mehr Menschen in den Speckgürtel um die Landeshauptstadt - mit den entsprechenden Folgen für die dortigen Immobilienpreise.

Unter den NRW-Städten bis 300.000 Einwohner stiegen die Kaufpreise für neu erstellte Top-Eigentumswohnungen in Krefeld , das wohl von seiner Nähe zum praktisch unbezahlbar gewordenen Düsseldorf profitiert, am stärksten. Auf den ersten Blick verwundert, dass die Silbermedaille für den stärksten Preisanstieg in diesem Segment ausgerechnet an Gelsenkirchen geht. Erlebt die viel gescholtene Revierstadt eine neue Blüte? "Eher nicht", dämpft Quester die Erwartungen, "hier muss man einfach schauen, von welchem Preisniveau aus der Anstieg stattfand. Da sind 14% in Euros umgerechnet gar nicht mehr so viel."

Ganz ähnlich wie in Düsseldorf verhält es sich in Köln - allerdings im vergangenen Jahr ohne Preisexplosionen. Frank Pönisch, Geschäftsführer des Kölner Maklerhauses Greif & Contzen, bestätigt Preissteigerungen in allen Segmenten. "Wir verzeichnen auch einen Zuzug von Menschen auf Arbeitssuche, mit den entsprechenden Folgen für den gesamten Wohnungsmarkt."

Die Kaufpreise in Köln steigen, da sich auch in der Domstadt immer mehr Privatleute eine Immobilie als Kapitalanlage anschaffen - mangels sicherer Anlagealternativen, so Pönisch.

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