Apcoa startet Digitalplattform zur Parkraumbewirtschaftung

Handy statt Automat: Apcoa macht die Kleingeldsuche beim Parken überflüssig.
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Apps zur Parkplatzsuche sind im Kommen. Europas führender Parkraumbetreiber reagiert mit einer Digitalplattform, um Auslastung und Rendite zu optimieren.

Philippe Op de Beeck ist sich sicher: "Wir bieten die derzeit umfassendste Serviceplattform für das vernetzte Auto: zentral, offen und skalierbar." Der CEO des Parkflächenbetreibers Apcoa will sein Unternehmen mit der vergangene Woche gestarteten Digitalinitiative fit für die Zukunft machen. Rund zwei Drittel der 300 von Apcoa in Deutschland betriebenen Parkhäuser sind sofort dabei, die anderen folgen im Laufe des Jahres. Bis 2019 sollen alle vom Unternehmen bespielten 13 Märkte in Europa angebunden sein. Das Prinzip ist simpel: Der Nutzer meldet sich über eine App namens Apcoa Flow an und erhält für eine einmalige Zahlung von 4,95 Euro einen Funkchip nach RFID-Standard, den er auf die Windschutzscheibe klebt. Dann kann er sich nicht nur von der App zum nächsten freien Apcoa-Parkhaus lotsen lassen, sondern auch ohne ein Ticket zu ziehen hineinfahren. Ohne am Kassenautomaten gewesen zu sein, geht es dann ebenso leicht wieder hinaus. Die Parkzeiten werden per Chip erfasst, an die zentrale Apcoa-Plattform gesendet und einmal im Monat automatisch abgerechnet. Künftig soll der Fahrer sich auch seinen Wunschparkplatz vorab reservieren können, z.B. bei Großveranstaltungen.

"Für den Autofahrer bedeutet das alles mehr Komfort, für den Parkhauseigentümer ein optimiertes Renditemanagement", erklärt Apcoas Deutschlandchef Detlef Wilmer die Idee. Bei allen Eigentümern, die ihr Parkhaus von Apcoa im Rahmen eines Servicevertrags betreiben lassen, übernimmt das Parkmanagementunternehmen die Kosten für die Umrüstung der Technik. "Das rechnet sich für uns", versichert Wilmer, denn dadurch lasse sich im Gegenzug die Zahl der Kassenautomaten reduzieren. Das Gleiche gelte für Parkhauseigner, die Apcoa nur als Manager beauftragt haben, die Technik jedoch selber bereitstellen und warten.

Da das Apcoa-System offene Schnittstellen besitzt, hofft das Unternehmen, dass sich künftig weitere unabhängige Parkhausbetreiber dafür registrieren lassen, für die sich eine eigene digitale Plattform nicht lohnen würde. Zudem arbeitet das Unternehmen mit VW und Porsche zusammen, die die Parkhaussuchfunktion in die Cockpitsteuerung ihrer Neuwagen integrieren wollen. Weitere Hersteller sollen folgen.

"Es herrscht zurzeit ein Kampf um die Datenhoheit beim Parken - zwischen den Autoherstellern auf der einen und den Internetriesen auf der anderen Seite", erläutert Op de Beeck. Apcoa sei dabei egal, wie dieser Kampf zwischen Smartphone und Cockpitnavigationssystem ausgehe, da das Unternehmen mit allen Beteiligten zusammenarbeite. Der nächste Schritt wird die Einbindung von Straßenparkplätzen sein. Eine App, um freie Parkplätze auf dem Seitenstreifen zu finden, bietet beispielsweise bereits der niederländische Navi-Hersteller TomTom, doch die Suchempfehlung erfolgt nur anhand statistischer Daten. Ob dort tatsächlich ein Parkplatz frei ist, kann bisher keine App in Echtzeit melden.

An genau so einer Echtzeitsuche feilen zurzeit sowohl Bosch als auch die Deutsche Telekom. Mit Letzterer hat sich Apcoa zusammengetan, um bei den ersten Pilotprojekten für das neue System in ausgewählten Städten dabei zu sein. Dass die Einbindung von Straßenparkplätzen in das Apcoa-System den Betrieb der Parkhäuser kannibalisiert, sieht CEO Op de Beeck nicht: "Kostenfreies Parken am Straßenrand wird ohnehin bald der Vergangenheit angehören."

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