Kommunen bremsen Wohnbaupläne aus

Ebersberg. Rund zwei Jahre nach der Gründung der landkreiseigenen gemeinsamen Wohnbaugesellschaft Ebersberg sind die ersten Projekte fertig. Doch die Gesellschaft bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Gemeinden im Landkreis haben offenbar kein Interesse an weiterem Wachstum.

Das erste Projekt der Wohnbaugesellschaft Ebersberg: In Grafing entstanden 21 Wohnungen für Geringverdiener und Obdachlose.
Urheber: Karl Obermayr Fotografie

Aus Münchner Sicht ist der Landkreis Ebersberg ein Paradies. In kaum einem anderen Landkreis rund um die bayerische Landeshauptstadt sind die Kauf- und Mietpreise so günstig. Das zeigen Untersuchungen des IVD Süd. Demnach liegt der Anteil Mietwohnungen, die für unter 9 Euro/m² angeboten werden, in der Kreisstadt Ebersberg bei immerhin 5,5%. Nur in Erding und Freising gibt es mehr billige Wohnungen. Bei Wohnungen mit Mieten zwischen 9 Euro/m² und 11 Euro/m² weist Ebersberg sogar mit einem Anteil von 53% die günstigsten Mieten aller Kreisstädte im Münchner Umland auf.

Trotzdem haben es Gering- und Normalverdiener schwer, eine Wohnung zu finden, beobachtet Landrat Robert Niedergesäß. Er sieht es an seiner eigenen Dienststelle, dem Landratsamt oder bei der kreiseigenen Klinik. "Wir können Stellen nicht besetzen, weil die Mitarbeiter keine Wohnungen finden", sagte er beim ersten wohnungsbaupolitischen Dialog des Beratungsunternehmens Forum Baucultur in München. Auch das bestätigt der IVD. In kaum einem anderen Landkreis steigen Mieten und Kaufpreise derzeit so schnell wie in Ebersberg.

Ein Grund dafür ist die geringe Wohnungsbautätigkeit der vergangenen Jahre. Während etwa Regensburg mit 114,2 Wohnungen je 10.000 Einwohner die höchste Bautätigkeit im vergangenen Jahr aufwies, kam Ebersberg nur auf 42,3 Wohnungen je 10.000 Einwohner. Die Gemeinden würden zu wenig Bauland ausweisen, kritisiert Niedergesäß.

Dabei wächst der Landkreis enorm. Bis zum Jahr 2035 soll sich die Zahl der Einwohner von heute 143.000 auf über 170.000 erhöhen. "Jedes Jahr ziehen 2.000 Menschen in den Landkreis", sagt der Landrat. Damit liegt der Landkreis zusammen mit dem Kreis Dachau an der Spitze in Bayern.

Um die Zahl der günstigen Wohnungen zu erhöhen, rief der Landkreis Ende 2016 das gemeinsame Kommunalunternehmen (gKU) Wohnbaugesellschaft Ebersberg (WBE) ins Leben (siehe "Landkreis Ebersberg startet kommunales Wohnungsunternehmen", IZ 35/2016). Das Interesse war anfangs groß. Doch davon ist zwei Jahre später kaum etwas übrig geblieben. Gerade einmal zwei Gemeinden sind dabei. In Grafing sind immerhin die ersten 21 Wohnungen mit 882 m² Wohnfläche bezugsfertig. In Moosach soll

in diesem Jahr mit dem Bau von zehn Wohnungen begonnen werden. Mit der Gemeinde Anzing überlegt eine weitere Kommune, dem gKU beizutreten. Diese Überlegungen gab es allerdings auch schon bei der Gründung vor zwei Jahren. Vorgestellt hatte sich der Landkreis, dass beim Start des gemeinnützigen kommunalen Unternehmens vier bis fünf Ortschaften aus dem Landkreis mitmachen.

Oftmals hapert es an den Baugrundstücken, welche die Gemeinden in das gKU einbringen müssen. Dabei bleiben die Kommunen Eigentümer des Grundstücks und haben das Belegungsrecht für die Wohnungen. Der Freistaat fördert die Bauvorhaben über das kommunale Wohnraumförderungsprogramm mit 30%. Dieses Geld reichen die Gemeinden an das gemeinsame Unternehmen weiter, das die Planung, den Bau und den Betrieb der Wohnungen übernimmt. Insgesamt kann durch verschiedene Förderprogramme bis zur Hälfte der Baukosten bezuschusst werden. Dennoch ist die Bereitschaft gering, sich an der WBE zu beteiligen. Über die Gründe kann auch Niedergesäß, der Verwaltungsratsvorsitzender der WBE ist, nur spekulieren. "Viele Gemeinden wollen nicht wachsen oder nur Bauland für Einheimische ausweisen", stellt er resigniert fest. Fast trotzig hält er an dem Ziel fest, dass irgendwann alle 21 Landkreisgemeinden der WBE angeschlossen sind. "Wir können damit nicht alle Probleme lösen, aber es ist ein Mosaikstein", sagt Niedergesäß.

Trotz des Fehlstarts soll das Modell Nachahmer finden. Norbert Seidl, Bürgermeister der Stadt Puchheim bei München, wünscht sich eine solche Wohnungsbaugesellschaft für den Landkreis Fürstenfeldbruck. Vor drei Jahren gab es dazu schon mal einen Vorstoß. Allerdings wollte damals noch keine Gemeinde mitmachen. Vielmehr einigten sie sich auf einen losen Aktionsplan, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Nun soll es einen neuen Anlauf geben. Neben Puchheim haben auch Gröbenzell, Olching und Germering ihr Interesse bekundet. "Wir kämpfen für eine Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis", kündigte Seidl an. Gleichzeitig bremst er zu hohe Erwartungen. "Die Gemeinden um München herum sind sehr vorsichtig, den Belastungsdruck der Landeshauptstadt aufzunehmen." Auch Puchheim wolle so wenig neue Flächen wie möglich ausweisen, sondern lieber auf Nachverdichtung setzen.

Zurück zur Startseite