Happy End für das Grandhotel Astoria

Die Spuren des Verfalls am Astoria sollen bald verschwunden sein und die Fassade denkmalgerecht saniert werden.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter

Leipzig. Nach mehr als zwei Jahrzehnten des Leerstands soll das einstige Grandhotel Astoria auf der Westseite vom Hauptbahnhof jetzt saniert und zu einem modernen Konferenzhotel mit 250 Zimmern umgebaut werden. Die Intown-Gruppe stellte erstmals ihre Pläne für den Gebäudekomplex am Tröndlinring vor, für dessen Umbau gerade der Bauantrag von der Stadt bearbeitet wird.

Das Bangen der Leipziger um das altehrwürdige Astoria hat ein Ende. Bis Ende 2020 soll die frühere Luxusherberge, die zu DDR-Zeiten erst als HO und dann als Interhotel geführt wurde, wieder zum Leben erweckt werden und dabei möglichst viel von der alten Substanz behalten. Diese Herangehensweise der Investoren findet viel Beifall bei den Verantwortlichen der Stadt. Die sind froh, dass nach 22 Jahren und wechselnden Besitzern mit Intown jetzt ein Investor das Ruder übernommen hat, der den 1913 bis 1915 errichteten und in den 1950er Jahren wiederhergestellten und erweiterten Hotelbau nicht am liebsten abreißen lassen würde, sondern das denkmalgeschützte Schmuckstück so weit wie möglich erhalten will.

Doch die Bausubstanz des prominent am Entree zur Altstadt gelegenen Astoria hat seit der Schließung 1996 arg gelitten. Die größten Schäden verursachte das in den zweigeschossigen Keller eingedrungene Wasser. "Das zweite Untergeschoss ist komplett mit Wasser vollgelaufen, im ersten Untergeschoss steht das Wasser etwa anderthalb Meter hoch. Mit etwas geducktem Kopf, kann man hier Schlauchboot fahren", sagt der Berliner Architekt Roland Wolff. Der Planer beschäftigt sich schon seit einigen Jahren im Auftrag unterschiedlicher Besitzer mit dem Gebäude und nimmt jetzt für Intown den Umbau in die Hand. Früher habe sich das mit Kanälen durchzogene Gerberviertel dort befunden, wo jetzt das Astoria steht, erzählt Wolff, deshalb sei der Baugrund sehr feucht. "Das Gebäude musste von Anfang an mit Hilfe von einem Pumpensystem trocken gehalten werden."

Fast einen ganzen Häuserblock nimmt das Astoria ein.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter

Um das Haus künftig vor eindringender Feuchtigkeit zu bewahren, wird im Zuge der Baumaßnahme eine sogenannte weiße Wanne aus Beton gegossen. Die wasserundurchlässige Stahlbetonkonstruktion wird im Nachhinein eingebracht und soll das erste Kellergeschoss nutzbar machen. Das zweite Kellergeschoss wird künftig nicht mehr genutzt und schlicht mit Sand aufgefüllt. Der Standfestigkeit des Gebäudes tut der neue Unterbau keinen Abbruch und auch die Feuchteschäden im Mauerwerk könne man in den Griff bekommen, versichert Wolff.

Stefan Zander, Regionalmanager von Intown Property Management, hat mit einem solch kompliziert erscheinenden Umbau in Berlin bereits gute Erfahrungen bei einem Postgebäude in der Möckernstraße, Ecke Hallesche Straße gemacht. Das Bauwerk, in dem früher ebenfalls der Keller unter Wasser stand, dient seit einigen Jahren als Hotel und alles sei bestens.

Trotz des Optimismus, den Bauherrnvertreter und Architekt verbreiten, ist ihnen bewusst, dass bei einem alten Gemäuer wie dem Astoria auch noch manche Überraschung blühen kann. Um Baukosten nennen zu können, sei es deshalb derzeit noch zu früh, erklärt Zander.

Die Aufräumarbeiten im Astoria haben unterdessen bereits begonnen. Im Nachhinein errichtete Gebäudeteile im Innenhof des Komplexes, der sich zwischen Gerber- und Kurt-Schumacher-Straße entlang dem Tröndlinring erstreckt, werden später abgerissen, das Gebäudeinnere teilweise entkernt. "Am Anfang dachten wir, dass es nur möglich wäre, die Fassade zu erhalten", sagt Wolff. Doch auch stilprägende Gebäudeteile wie das ovale Treppenhaus und die großzügige Lobby könnten in das neue Hotel integriert werden, wie die zahlreichen Gutachten gezeigt hätten, die für das Haus beauftragt worden sind.

"Das ist eine der gründlichsten Untersuchungen, die bisher für ein historisches Gebäude in Leipzig gemacht wurden", lobt Baustadträtin Dorothee Dubrau das Engagement von Wolff und Intown. Auch dass die unterschiedlichen Bauzeiten des Hotels nach der Sanierung sichtbar bleiben sollen und mit verschiedenen Ausstattungsstilen beim Design des Interieurs gespielt werden soll, begeistert Dubrau. Für die Innenausstattung will Intown sogar einen Wettbewerb ausloben. Das Ziel ist es, das Flair der unterschiedlichen Epochen vom Grandhotel über die DDR-Zeit bis zum Chic der 70er Jahre, der sich in der noch erhaltenen Ausstattung der früheren Bar wiederfindet, für die Hotelgäste wieder erlebbar zu machen. Auch Details wie ein Wandrelief aus Meissner Porzellan, das nicht wie manches andere im Laufe der Jahre dem Vandalismus zum Opfer fiel oder schlicht gestohlen wurde, sollen konserviert und im neuen Hotel möglichst wieder eingebaut werden.

Das neue Haus wird voraussichtlich Ende 2020 eröffnen und soll über 250 Zimmer mit 35 verschiedenen Zuschnitten verfügen. Die Vielzahl der Zimmertypen ist der Form des Gebäudes geschuldet, das sich U-förmig von der Kurt-Schumacher- zur Gerberstraße schwingt. "Das macht die Hotelplanung nicht einfacher", sagt Wolff, "aber die unterschiedlichen Raumgrößen und Figuren werden am Ende den Charme ausmachen."

Passanten meiden den heruntergekommenen Bereich, der das westliche Entree zum Hauptbahnhof bildet.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheberin: Martina Vetter

Den Haupteingang will der Architekt vom Tröndlinring wieder an die Kurt-Schumacher-Straße mit Blick auf die Westseite des Hauptbahnhofs und den Willy-Brandt-Platz verlegen. An dieser Seite wird wie früher auch das zum Hotel gehörende Restaurant platziert, das 60 Außensitzplätze bieten soll. Wegen der unmittelbaren Lage am Hauptbahnhof plant Intown das Haus als Kongresshotel. Im Erdgeschoss werden auf 340 m2 Tagungsräume entstehen sowie ein 800 m2 großer Bankettbereich für bis zu 1.000 Personen. Für kleinere Veranstaltungen soll der Bankettbereich unterteilbar sein.

Unter welcher Marke das im Vier-Sterne-Bereich angesiedelte Hotel schließlich eröffnen wird, steht noch nicht fest: "Wir wollen den besten Betreiber für dieses repräsentative Gebäude finden", sagt Zander, der an diesem Standort mit einer guten Auslastung rechnet: "Im benachbarten Best Western sind die Zimmer zu 80% ausgebucht", sagt er. Und Leipzig entwickle sich prächtig. Zufrieden scheint nicht nur der Bauherr mit dem Projekt zu sein. Auch Baustadträtin Dubrau ist glücklich, dass die "unbefriedigende Situation am Entree der Stadt endlich verschwindet".

Zurück zur Startseite