Künstliche Intelligenz hilft immer häufiger bei Immobilientransaktionen

Selbstständig denkende Roboter sind Zukunftsmusik, doch schon jetzt kann die Maschine große Datenmengen gezielt suchen.
Quelle: istockphoto.com, Urheber: AndreyPopov

Bis Computer denken können wie Menschen, wird es nach Einschätzung von Experten noch 100 Jahre dauern - wenn es überhaupt dazu kommt. Schon heute können Maschinen allerdings viele Dinge besser, als wir es je könnten. Dazu zählt beispielsweise das gezielte Durchforsten großer, unsortierter Datenmengen. Bei Immobilientransaktionen wird das bereits zum Standard, wie aktuelle Umfragen zeigen.

Mit der Qualität ihrer Datenaufbereitung sind 87% der deutschen Immobilienunternehmen unzufrieden, wie eine Umfrage von Architrave und dem Beratungsunternehmen Rueckernsult ergeben hat. Architrave ist ein Proptech, das sich auf Lösungen zum Datenmanagement spezialisiert hat.

Mehr als 100 Entscheidungsträger aus der Immobilienwirtschaft gaben ihre Einschätzung ab. Als Lösung des Defizits hoffen die meisten der Befragten auf Technologien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz (KI). Computer, die denken können wie Menschen, sind allerdings Science-Fiction. Daran dürfte sich nach Einschätzung von Thomas Metzinger, Professor für Philosophie an der Universität Mainz, in absehbarer Zeit auch wenig ändern. "Wir haben keine Theorie, wie unser Bewusstsein funktioniert", erläuterte der Wissenschaftler auf einem Summit, das das Urban Land Instituts in Offenbach Mitte Mai abhielt.

Manche Forscher halten eine menschenähnliche Maschinenintelligenz oder starke KI in vielleicht 100 Jahren für möglich, andere gar nicht. Metzinger selbst will sich in dieser Hinsicht nicht festlegen.

Was zunimmt, ist die Nutzung sogenannter schwacher KI. Damit sind spezialisierte Expertensysteme und Suchfunktionen gemeint. So können z.B. Algorithmen im Rahmen von Immobilientransaktionen bestimmte kritische Klauseln in Verträgen aufspüren und dem Nutzer Warnhinweise ausspielen (sogenannte Red Flags). Auch die automatische Sortierung von Dokumenten, die Weiterleitung an den richtigen Ansprechpartner und die maschinelle Übersetzung in eine andere Sprache zählen zu dem, was Computersysteme heute schon leisten.

Der Datenraumanbieter Drooms, der diese und andere Funktionalitäten in seine Software integriert hat, stellte in einer im April veröffentlichten Kundenumfrage fest, dass 54% der befragten Unternehmen bereits KI bei ihren Immobilientransaktionen nutzen. Besonders beim Auffinden relevanter Dokumente (75%), Vermeiden von manuellen Prüfprozessen (69%) und Verhindern menschlicher Irrtümer (53%) sehen die befragten Immobilienprofis erhebliche Effizienzsteigerungen durch KI.

Der nächste Entwicklungsschritt sind Programme, die nicht nur die Daten durchsuchen, sondern auf Basis eigener Erfahrungswerte Handlungsempfehlungen abgeben. "Wir können dann nicht mehr sagen, wie die Maschine zu ihrem Ergebnis gelangt", gibt Philosoph Metzinger zu bedenken. Die meisten der von Drooms befragten Immobilienprofis dürften sich mit diesem Gedanken nicht wohlfühlen: Nur 18% rechnen damit, dass KI menschliche Fähigkeiten bei Immobilientransaktionen vollständig ersetzen wird.

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