BIM-Netzwerk entwirrt den Begriffsdschungel

Am 17. Mai hatte das Netzwerk bim2bim auf den Euref-Campus nach Berlin geladen, um Investoren, Planer, Bauträger und Teilehersteller auf den neusten Stand zu bringen. BIM sei zu wichtig, um es hinter nebulösen Begrifflichkeiten zu verstecken.

BIM ist nicht gleich BIM: Um die Hemmungen der Branchenteilnehmer gegenüber dem Building Information Modeling abzubauen, brachten die Referenten des BIM-Netzwerks bim2bim Ordnung in die zahlreichen Begriffsetiketten, die dieser zukunftsweisenden Planmethode derzeit anhaften. Frank Ehrenheim, Professor für Facility Management an der technischen Hochschule Mittelhessen, erläuterte die verschiedenen Stufen, auf denen BIM abläuft. Während 3D-BIM schlicht die dreidimensionale Planung bedeutet, werden auf Ebene vier die Zeitabläufe und bei 5D die Kostenstrukturen mit abgebildet. Inzwischen redet die Fachwelt jedoch schon von BIM in der sechsten und siebten Dimension: Während 6D-BIM zusätzlich alle Daten zur Nachhaltigkeit des Objekts sammelt, wird in 7D alles für den Gebäudebetrieb Notwendige im BIM-Modell abgelegt, inklusive der 3D-Druckdaten für Ersatzteile, die nicht mehr hergestellt werden.

Bernd Günter, Technischer Berater beim Softwarehaus Data Design Systems, erläuterte die verschiedenen Begriffe für die Anwenderkreise, die sich mit BIM befassen. Das betrifft zum einen die Seite der Software: Ist BIM auf ein System beschränkt, so spricht der Fachmann von Closed BIM, ermöglichen offene Schnittstellen den Austausch zwischen verschiedenen Anwendungen, wird die Bezeichnung Open BIM verwendet. Auf Ebene der nutzenden Unternehmen kann BIM auf Fachleute einer einzelnen Plandisziplin beschränkt sein (Little BIM), den fachübergreifenden Austausch ermöglichen (Moderate BIM) oder allumfassend den gesamten Lebenszyklus der Immobilie durchdringen (Big BIM). Bevor der Nutzer also loslegt, sollte er überlegen, welche Form von BIM für ihn und seine Projektpartner die richtige ist.

Die Vorteile von BIM für den Gebäudebetrieb fasste Hüsamettin Cicek vom FM-Softwarehersteller MCS Solutions zusammen. So kann ohne BIM Dateninkonsistenz, z.B. durch nicht dokumentierte Planänderungen, zu falschen Flächendaten, fehlerhafter Kalkulation und schwieriger Nachvollziehbarkeit von Fehlern im Betrieb führen. Die Zukunft gehört laut Cicek dem Smart Building, das über Sensoren ständig den Ist-Zustand an das BIM-Modell zurückmeldet und somit frühzeitig auf fehlerhafte Anlagen hinweist.

Till Kemper, Rechtsanwalt bei der auf Bau- und Planungsrecht spezialisierten Kanzlei HFK, wies schließlich auf die geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen hin. So ist bei Verwendung von BIM das Gebäudemodell eine separat zu erbringende Leistung. Der jeweilige Teilhersteller haftet über seine Leistungserklärung für die Richtigkeit der von ihm zur Verfügung gestellten Daten, der Planer wiederum gegenüber dem Bauherrn für die von ihm verwendeten Daten.

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