90% der Asset-Manager wollen mehr Wohnungen

Die Mietpreisbremse und die als zu niedrig angesehene Modernisierungsumlage gelten als Bremsklötze bei dem Unterfangen, eine langfristige Qualität des Wohnungsbestands zu sichern.
Quelle: Immobilien Zeitung, Urheber: Alexander Heintze

90% der deutschen Asset-Manager planen laut einer aktuellen Umfrage eine Erhöhung ihres Bestands in der Assetklasse Wohnen. Und das, obwohl 70% der Befragten die von 11% auf 8% gekappte Modernisierungsumlage für zu gering halten.

Knapp 90% der deutschen Asset-Manager setzen auf eine Haltedauer von über acht Jahren und sehen Wohnen damit als langfristige Investition. Risiken sehen sie laut besagter Umfrage von Ernst & Young (EY) und Vonovia sehr wohl: Fast alle Teilnehmer befürchten durch die Zunahme von gemischt genutzten Immobilien veränderte Anforderungen an das Management. Eine Zunahme von Fusionen und Akquisitionen erwarten 71%. Weitere Ergebnisse der Umfrage: Vier von fünf (82%) möchten möglicherweise nicht zuletzt deshalb in den Bereich der Projektentwicklung einsteigen, und 79% planen die Ausweitung auf das Investment-Management.

Viel Geld für Modernisierungen

Für Modernisierungen nehmen die Befragten relativ viel Geld in die Hand: Meist sind es über 200 Euro pro qm. Nur bei einem Bruchteil der Befragten sind es weniger als 150 Euro pro qm. Dass die Unternehmen diese Modernisierungskosten nicht mehr so stark wie früher auf die Mieter umlegen können, wurmt sie natürlich gewaltig.

Die Kosteneffizienz rückt bei den Asset-Managern stärker in den Mittelpunkt. Zwei Drittel der Befragten geben an, die so­genannte zweite Miete, also die Betriebskosten, gezielt senken zu wollen. Der Großteil der Befragten sieht sich einer hitzigen öffentlichen Debatte ausgesetzt. So berichten 65% davon, dass die Betriebskostenabrechnung ein hohes Streitpotenzial mit den Mietern birgt.

Mietpreisbremse senkt die Bestandsqualität

Gut zwei Drittel der befragten Unternehmen hält den in der Mietpreisbremse entaltenen Spielraum für nicht ausreichend, um die aktuelle Qualität des Wohnungsbestands langfristig zu sichern. Die Erfüllung regulatorischer Vorgaben ist für 24% aller Teilnehmer derzeit die größte Herausforderung. Erst an vierter Stelle - nach Kapazitätsengpässen und den Folgen der anstehenden Gesetzgebung - folgt die Renditekompression: 38% der Befragten gehen für die nahe Zukunft von einer weiter sinkenden Rendite aus. Das ist der höchste Wert im Vergleich zu den Renditeerwartungen in den anderen Assetklassen: 36% rechnen mit schrumpfenden Renditen im Handel, 33% bei Gesundheitsimmobilien und Logistik, 27% bei Büros, 22% bei Hotels und nur 17% bei der Anlageklasse Industrieimmobilien.

Unternehmen zögern immer noch bei der Digitalisierung

So sehr die befragten Assetmanager die Digitalisierung vor allem wegen ihres Kosteneinsparungspotenzials im Auge haben und loben, so sehr sehen sie auch viele Hindernisse und Stolpersteine auf dem Weg in eine digitale Immobilienwelt: 63% beklagen eine intransparente Datenstruktur, 56% fehlende personelle Ressourcen und 44% eine veraltete, nicht-integrierte Software. "Anspruch und Wirklichkeit klaffen hier auseinander", sagt Christian Schulz-Wulkow von EY. Der Kosten- und Renditedruck in der Branche sei wohl immer noch nicht groß genug. Generell sehen die Umfrageteilnehmer in fast allen gängigen Unternehmensprozessen Potenzial für eine weitere Digitalisierung, vor allem im Reporting (89%), im Finanzwesen und Controlling (75%) sowie in der Objektverwaltung und dem Kunden- und Portfolio­management mit je 64%.

Für die Studie haben EY und Vonovia insgesamt 40 Unter­nehmen befragt, die einen Querschnitt durch die deutsche Asset-Management-Landschaft bilden sollen.

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