Ein Tauschrecht fürs Schaufenster

"Mit einem Programm für flächensparendes Wohnen fördern wir Umzüge, Umbauten und Wohnungstausch durch Information, Beratung und Zuschüsse. So werden beispielsweise Eltern unterstützt, die ihre Wohnung nach dem Auszug ihrer Kinder mit einer jungen Familie tauschen wollen (...).

Die Grünen sprechen ein drängendes Problem an. Wenn etwa allein lebende Menschen aus Wohnungen, die eigentlich zu groß für sie sind, nicht ausziehen, wird Wohnraum für andere blockiert. In der Folge bleiben Wohnflächenpotenziale ungenutzt und in der Statistik steigt der Wohnflächenverbrauch pro Kopf immer weiter an. Zwischen den Jahren 2011 und 2018 etwa von 46,1 m² auf 46,7 m² laut Umweltbundesamt. In der Analyse der Gründe dafür machen die Grünen vieles richtig. Kern der Strategie der Partei gegen diesen Trend ist ein Recht auf Wohnungstausch, in dessen Genuss zunächst lediglich Mieter bei Wohnungsgesellschaften kommen sollen. Allerdings verkennen sie mit dieser Forderung die Realität.

In der sind die eigenen vier Wände, und seien sie auch nur gemietet, für die meisten Menschen etwas Besonderes, das man nicht einfach mal schnell mit jemand anderem tauscht. Das belegen die Erfahrungen, die Wohnungsgesellschaften schon jetzt mit solchen Tauschsystemen gemacht haben. Die zeigen nämlich, dass sie in den meisten Fällen nur sehr selten genutzt werden. Und zwar selbst dann, wenn der Vermieter den propagierten Umzug noch mit allerlei Vergünstigungen schmackhaft macht. Die Menschen hängen eben an ihren Wohnungen, auch wenn sie die ehemaligen Kinderzimmer eigentlich gar nicht mehr benötigen. Ganz besonders, wenn sie älter werden. "Nach Angaben des BBSR belegte ein Einpersonenhaushalt in der Altersgruppe über 75 Jahre im Jahr 1978 noch 55 m², im Jahr 2002 waren es bereits 75 m²", schreibt das Umweltbundesamt.

Angesichts dieser Erfahrungen bleibt das Recht auf Wohnungstausch nicht mehr als ein politisches Schmankerl fürs Schaufenster, mit dem die Grünen versuchen, ihr Profil bei dem Mieterrechten zu schärfen. Schade, da wäre mit etwas mehr Pragmatismus mehr drin gewesen.

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