Kühnert kritisiert Berliner Baupolitik

Der stellvertretende Bundes-SPD-Chef Kevin Kühnert kam am Dienstag zum Immobilienkongress Quo Vadis.
Quelle: Heuer Dialog, Urheber: Alexander Sell

FDP-Chef Christian Lindner schwänzte den Immobilienkongress Quo Vadis, der gestern Abend in Berlin eröffnet wurde. In den Vordergrund rückte dagegen SPD-Vize Kevin Kühnert, der offen die Wohnungsbaupolitik des Berliner Koalitionspartners, der Linken, kritisierte.

Erstmals in der 30-jährigen Geschichte von Quo Vadis sei der Hauptredner zum Auftakt des Kongresses ausgefallen, drückte Quo-Vadis-Moderator Karsten Trompetter sein Bedauern über die kurzfristige Absage von FDP-Chef Christian Lindner aus. Nicht das Sturmtief „Sabine“ verhinderte den Auftritt Lindners, sondern die Querelen infolge der Thüringer Ministerpräsidentenwahl. Nur wenige Meter vom Veranstaltungsort, der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, entfernt steckte Lindner in einer Fraktionssitzung seiner Partei fest.

Kühnert will Lompscher nicht schonen

Anstatt Lindner drückte der stellvertretende Bundes-SPD-Chef Kevin Kühnert der Veranstaltung seinen Stempel auf. Vor den rund 380 versammelten Führungskräften aus der Immobilienwirtschaft sagte er, dass er zwar die Einführung des Berliner Mietendeckels für richtig, jedoch die Baupolitik von Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) für verfehlt halte. „Wir werden Frau Lompscher nicht schonen. Ich bin nicht als ihr Anwalt hier angetreten. Auch ich bin der Meinung, dass sie zu wenig Tempo beim Wohnungsbau macht.“

Gegenüber der Immobilien Zeitung redete Kühnert, der seit dem gestrigen Montag im SPD-Vorstand die Zuständigkeit für die Themen Bauen und Wohnen übernommen hat, aber auch der Immobilienwirtschaft ins Gewissen: „Die Immobilienbranche muss begreifen, dass sie eine größere Verantwortung als andere Industriezweige hat, weil sie nicht Toaster, sondern das Dach über dem Kopf der Menschen verkauft.“ Gefragt, welches Gesetz Kühnert als Erstes umsetzen würde, wenn es nach ihm ginge, sagte er: „Ich habe viele Ideen, aber als Erstes würde ich den steuerfreien Verkauf von Wohnungen abschaffen.“

„Kevin hat seine Freunde mitgebracht“

Gegenwind wird den Quo-Vadis-Besuchern auch nach dem Ende des ersten Kongresstages entgegenwehen. Das Bündnis Mietenwahnsinn hat zu einer Kundgebung vor dem Berliner Nobelhotel Adlon, in dem der Immobilienkongress traditionell stattfindet, aufgerufen. Im Gegensatz zum Vorjahr, als sich die Demonstranten am Montagnachmittag, also vor dem offiziellen Kongressbeginn am Dienstag, versammelten, haben die Initiatoren die Kundgebung dieses Jahr auf den frühen Dienstagabend gelegt. Um 17 Uhr wollen sie vor dem Adlon „mit Live-Musik gegen den Immobilien-Lobby-Kongress Quo Vadis 2020“ Stimmung machen. Ihr Motto: „Den Profiteuren von Verdrängung und Mietenwahnsinn auf die Pelle rücken“. Karsten Trompetter empfahl den Kongressteilnehmern „aus Sicherheitsgründen“ nicht in größeren Gruppen in die Busse zu steigen, die sie zur Abendveranstaltung befördern. „Wir sind hier in Berlin und Kevin hat seine Freunde mitgebracht“, kommentierte er.

Auf dem Tagungsprogramm am Dienstag und Mittwoch steht u.a. die Vorstellung des Frühjahrsgutachtens, in das die Immobilien Zeitung bereits einen Blick geworfen hat. Außerdem wird Finanzstaatssekretär Jörg Kukies die aktuellen Herausforderungen für den deutschen und europäischen Finanzmarkt den versammelten Immobilienprofis präsentieren.

Erste Eindrücke vom Quo Vadis finden Sie in unserer Bilderstrecke.

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